Kunst im öffentlichen Raum

Bläserbrunnen

Künstler*in:
Gerhard (Adolf) Janensch
Jahr:
1901
Technik und Material:
Granit, Bronze
Maße:
  • Höhe: 2,5 m
  • Breite: 8 m
  • Tiefe: 8 m
Kunstwerknr.:
44137-004
Standort:
Do-Mitte, Alter Markt, 44137 Dortmund
Bläserbrunnen
Bläserbrunnen, Gerhard (Adolf) Janensch

Die Veränderung des "Bläserbrunnens" dokumentiert die bauliche Entwicklung des Alten Marktes. Er entstand 1901, als die Renovierung des Alten Rathauses abgeschlossen und der Neubau der Städtischen Sparkasse sowie der Wilhelm und Auguste Viktoria-Bücherei bereits in Planung war. Stadtbaurat Kullrich beauftragte zur Verschönerung und Aufwertung des Marktplatzes den Bau eines Marktbrunnens, der auch als Tränke für die Tiere dienen sollte. Dazu stiftete der Dortmunder Rentner Karl Buchholtz 13000 Mark. Die Brunnenarchitektur entwarf Regierungsbauführer Paul Drescher, der mit einem Generalbebauungsplan für den Marktplatz beauftragt war: ein achteckiges Becken mit Mittelsäule. Der Brunnen ähnelte ganz bewusst den vielen Marktbrunnen, wie sie heute noch häufig in süddeutschen Städten zu finden sind. Das Becken wurde im Krieg zerstört, im Juni 1955 endgültig abgerissen und bei einem Steinmetz gelagert. Die von Gerhard (Adolf) Janensch entworfene bronzene Figur eines Bläsers überlebte den Krieg hingegen unbeschadet. Sie wurde zum Ende des Krieges und in der frühen Nachkriegszeit unter anderem im Kunst und Gewerbemuseum gelagert. Der Bläser sollte auf die fahrenden Musikanten aus dem Mittelalter verweisen und ganz bewusst einen betont lustigen Charakter haben. Die mit Hirtentracht bekleidete Figur entleert soeben ihr Horn von Speichel. Möglicherweise lief, dem Motiv entsprechend, tatsächlich aus dem Horn der Figur einmal Wasser. Verschiedene Autoren weisen auf die Ähnlichkeit der Bläserfigur mit dem Dortmunder Konzertmeister Hüttner hin, der in dieser Art der Darstellung „verulkt“ würde. Heute steht der Brunnen ebenfalls auf dem Alten Markt, allerdings nach Nordosten versetzt. Die Wiederaufstellung der Figur erfolgte auf mehrfachen Bürgerwunsch 1964. Die Emotionalität in der Diskussion um den neuen Aufstellungsstandort spiegelt sich schon in einem Zeitungsartikel von 1958 wider. Historische Kulisse in der Stadtmitte oder ein idyllischer Platz außerhalb des zentralen Stadtbetriebs? Ebenso war 1992 im Rahmen der Neugestaltung des Alten Marktes die Idee einer Rekonstruktion der historischen Brunnenarchitektur kontroverses Thema in der Stadt und in den Medien. Diese wurde aber abgelehnt. Der Bläserbrunnen zeigt sich seit 1964 in einer klar strukturierten und von der Firma Imberg ausgeführten Brunnenarchitektur aus Granitplatten. Die historische Bläserfigur wurde zwischenzeitlich restauriert, ein bewusst belassenes Einschussloch bezeugt noch heute einen Teil ihrer Geschichte. SR

Literatur Kunstwerk

Stadtarchiv Dortmund, Best. 3-3080; H. Eichhorn: Trübe Quellen, in: Paul de Wit (Hg.): Zeitschrift für Instrumentenbau, No. 19, April 1902, S. 499-503; Anonym: Stacheldraht am Trompeterbrunnen?, in: Westfälische Landeszeitung - Rote Erde, 4. August 1935; Anonym (O. Schr.): Trompeterbrunnen wird wie neu, in: Westfälische Landeszeitung – Rote Erde, 9. August 1939; Erich Grisar: Von Dortmunds Denkmälern und Brunnen in Dortmund, Blick in die Stadt, 2. Jg. 1952, Nr. 2, 16.-31. Okt, S. 4; Fritz H. Sonnenschein: Verzeichnis der Denkmäler, Brunnen, Ehrenmäler in der Stadt Dortmund, 1.8.1956, Ms. im Hochbauamt der Stadt bzw. Stadtarchiv Dortmund, I. 6; Dortmunder Stadtanzeiger, 11./12. Januar 1958; Anneliese Krömeke: Denkmäler, Gedenktafeln und symbolische Figuren im Raume Dortmund, Ein Beitrag zur Heimatkunde des Großstadtraumes Dortmund, Staatsarbeit der Pädagogischen Akademie Dortmund, Ms. 1960, Stadtarchiv Dortmund, S. 56f.; Denkmäler, Statuen und Brunnen in Dortmund als Sinnbilder ihrer Zeit, in: Dortmunder Bergbau AG, Werksnachrichten Dortmunder Bergbau AG, Jg. 16, 5/1966, S. 113; Westfälische Rundschau, 25. Mai 1985; Ruhr-Nachrichten, 20. September 1985; Dortmunder Bekanntmachungen, 18. August 1989; Westfälische Rundschau, 21. August 1989, 23. August 1989; Karl Neuhoff: Dortmund heute damals anno dazumal. Dortmund 1990, S. 12; Öffentliche Denkmäler und Kunstobjekte in Dortmund. Eine Bestandsaufnahme unter Leitung von Jürgen Zänker, erarbeitet von Iris Boemke u. a., Dortmund 1990, Nr. 294, S. 234; Westfälische Rundschau, 24. Juli 1990; Westfälische Rundschau, 5. Januar 1991; Ruhr-Nachrichten, 5. Januar 1991; Westfälische Rundschau, 20. Februar 1991; Ruhr-Nachrichten, 20. Februar 1991; Ruhr-Nachrichten, 25. Februar 1992; Ruhr-Nachrichten, 17. November 1992; Westfälische Rundschau, 26. November 1992; Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 11. Dezember 1992; Henriette Brink-Kloke, Katharina Tiemann: Die dritte Wiederentdeckung des Dortmunder Marktbrunnens, in: Heimat Dortmund 1993, Heft 3, S. 3-7; Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 15. Oktober 1993; Gerhard Fleitmann: Dortmund wie es nur wenige kennen. Erfurt 1998, S. 70; Ruhr-Nachrichten, 8. August 2001; Jochen Helle, Peter Döring: Dortmund. Ein Bildband in Farbe, Gudensberg-Gleichen 2001, S. 10f.; Gabriele Unverferth: Häuser und Bücher für Menschen, Architektur und Geschichte der Dortmunder Bibliotheksgebäude; in: Heimat Dortmund 2007, Heft 1 (Lesen verbindet, 100 Jahre Stadt- und Landesbibliothek Dortmund), S. 13-20; http://www.recklinghaeuser-zeitung.de/nachrichten/region/dortmund/3000-Quietsche-Entchen-schwammen-im-Blaeserbrunnen;art1330,231923 [Abruf: 18.12.2013]; Tobias Grossekemper: Ein Brunnen in der City für Neven Subotic, in: Ruhr Nachrichten, 27. Januar 2018

Literatur Künstler*in

Ulrich Thieme, Felix Becker, Hans Vollmer (Hg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band XVIII, Leipzig 1925, S. 382–383; https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Janensch [Abruf: 18.12.2013]

Biografie

Gerhard (Adolf) Janensch wurde am 24. April 1860 in Zamborst/Pommern geboren. Bereits als 17-jähriger studierte er an der Berliner Akademie unter anderem bei Fritz Schaper. 1880 unterhielt er zunächst ein Atelier in Wien, kehrte aber drei Jahre später nach Berlin zurück. 1884 erhielt er ein Stipendium in Rom für seine Bronze Bacchant mit Panthern. Er arbeitete als Bildhauer und Medailleur und zwischen 1887 und 1924 als Lehrer an der Berliner Akademie. 1928 waren einige seiner Werke mit Arbeiter-Motiven im Museum Folkwang in Essen in der Ausstellung „Kunst und Technik“ neben denen von Wilhelm Lehmbruck und Constantin Meunier zu sehen. Am 2. Februar 1933 verstarb er in Berlin. SR

Quelle

Stadtarchiv Dortmund, Best. 3-3080

Weitere Kunst im öffentlichen Raum

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Künstler*in: Friedrich Bagdons

Jahr: 1965
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Künstler*in: Curt Unger

Jahr: 1934, (Einweihung: 16.9.1934)
Kriegerdenkmal in Dorstfeld, Gefallene 1914-1918
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Künstler*in: Bildhauer: Heinrich Bayer; Architekt: Josef Wentzler;

Jahr: undatiert
o. T. (Kunstobjekt )
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Künstler*in: Künstler unbekannt