Ehemals an der Zufahrt zum Dortmunder Hafengelände zwischen den Kontor- und Gewerbegebäuden aufgestellt, wurde das Denkmal des bekannten Industriellen und Politikers 2013 als Schenkung an die Harkort-Grundschule in Dortmund Hombruch versetzt. Allerdings ohne den ursprünglichen Marmorsockel und die Inschrifttafel. Nicht zuletzt aufgrund des Namens schenkte der Leiter des Dortmunder Hafens Herr Uwe Büscher der Harkort-Grundschule die Statur, nachdem sie schon vorher längere Zeit abgebaut und eingelagert wurde. Die leicht überlebensgroße Bronzefigur Friedrich Harkorts wurde 1959 von dem Dortmunder Bildhauer Kurt Doehler entworfen. Der Namensgeber der Schule steht „aufrecht und standesgemäß bekleidet mit Gehrock und Fliege, mit beiden Händen wie im Gespräch gestikulierend, als trage er seine Argumente für den Bau des Hafens vor.“ (Zänker, S. 115) Dadurch wirkt er lebendig und nahbar. Der Künstler hat diese fast schon legendäre Gestalt der Ruhrgebiets- Geschichte nicht idealisiert oder glorifiziert, sondern, verglichen mit zeitgenössischen Fotografien, ganz naturalistisch wiedergegeben. Schmale Lippen, breites Kinn und die markanten Wangenknochen mit der flachen, breiten Stirn darüber entsprechen ihm, einzig die Haare wurden zu ordentlich wiedergegeben und die Kotletten fehlen. Als einer der bedeutendsten Pioniere der Industrialisierung im Ruhrgebiet führte Harkort den britischen Maschinenbau sowie Dampfmaschinen in Deutschland ein, als Politiker setzte er sich für Sozialpolitik ein. 1825 publizierte er den Artikel „Eisenbahnen“ in der Zeitung Hermann und war maßgeblich am Bau der westdeutschen Kohlenbahnen beteiligt, 1836 am Bau von Dampfschiffen. Er „hatte schon früh die Bedeutung der Binnenschifffahrt für die Schwerindustrie und den Handel erkannt und war einer der Promotoren für den Bau des Dortmund-Ems-Kanals und des Dortmunder Hafens,….“ (Zänker, S.115). Ein älteres Denkmal in Hombruch von 1896, eine Büste Harkorts, ist seit dem Krieg verschollen, als Ersatz wurde 1955 ein neues Denkmal von Georg Hartje entworfen. Somit ist dies schon das dritte Harkort-Denkmal in Hombruch. Das Werk ist an der Plinthe signiert und datiert: „DOEHLER 1959“. IF
Weitere Bilder
Harkort-Denkmal, Bild 1
Harkort-Denkmal, Bild 2
Denkmal für Friedrich Harkort, Bild 1
Denkmal für Friedrich Harkort, Bild 2
Harkort-Denkmal, Bild 1
Harkort-Denkmal, Bild 2
Denkmal für Friedrich Harkort, Bild 1
Denkmal für Friedrich Harkort, Bild 2
Literatur Kunstwerk
Wolfgang Köllmann: "Harkort, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 7, Berlin 1966, S. 675-677.; Öffentliche Denkmäler und Kunstobjekte in Dortmund. Eine Bestandsaufnahme unter Leitung von Jürgen Zänker, erarbeitet von Iris Boemke u. a., Dortmund 1990, Nr. 119, S. 115, Nr. 118 S. 114.;Günter Kloss: Curt Doehler, in: Saur Allgemeines Künstlerlexikon. Die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Mitherausgegeben und begründet von Günter Meißner, München/Leipzig, Bd. XXVIII, 2001, S. 227.; Anonym: Friedrich Harkort - Vorbild und Vordenker, in: DerWesten, 29.12.2009.http://www.in-stadtmagazine.de/hombruch/item/3334-%E2%80%9Eherr-harkort%E2%80%9C-ist-umgezogen [Abruf:10.11.2015]; Said Rezek: Harkort-Miniaturen auf Reise, in: Westfälische Rundschau, 9. Februar 2019
Literatur Künstler*in
Hans Strobel: Dortmund. Bilder und Worte über Sein und Werden der Stadt, Dortmund 1920, S. 78, S. 84 u. S. 89.R. Nissen: Zu den Porträtköpfen von Curt Doehler, in: Die Heimat. Monatsschrift für Land, Volk und Kunst in Westfalen und am Niederrhein, 11. Jg, H.12, Dortmund 1929, S. 354-360.Roland Altmann u. a.: 25 Jahre Dortmunder Gruppe, Dortmunder Künstlerbund. Eine Dokumentation, Dortmund 1980, S. 224.; Friedrich Bagdons (1878-1937). Eine Bildhauerkarriere vom Kaiserreich zum Nationalsozialismus, Uwe Fleckner und Jürgen Zänker (Hg.), Ausst.-Kat. Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Ostfildern-Ruit 1993, S. 13.;Günter Kloss: Curt Doehler, in: Saur Allgemeines Künstlerlexikon. Die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Mitherausgegeben und begründet von Günter Meißner, München/Leipzig, Bd. XXVIII, 2001, S. 227.
Biografie
Der Bildhauer Kurt Doehler wurde 1884 im vogtländischen Lengenfeld als Sohn eines Schreinermeisters geboren. Er schlug dieselbe Laufbahn ein und absolvierte eine dreijährige Lehre als Holzschnitzer, ging dann auf Wanderschaft und wurde Gehilfe bei diversen Dresdner Künstlern. Von 1903 bis 1910 studierte er an der Kunstakademie in Dresden als Meisterschüler bei dem berühmten Georg Wrba (1908-10). Danach diente er ein Jahr freiwillig als Artillerist beim Militär. Als freischaffender Bildhauer war er ab 1911 in Dortmund tätig. Als Schüler von Friedrich Bagdons war er in der Bildhauerklasse an der „Handwerker- und Kunstgewerbeschule“ und übernahm nach 1937 Bagdons Atelier am Westfalendamm. 1956 war er ein Gründungsmitglied des Dortmunder Künstlerbundes, unter anderem zusammen mit Friedel Dornberg, Horst Heckemüller und Arthur Schulze-Engels. Doehlers Œuvre umfasst dekorative Bauplastiken, Grabmäler, Standbilder und Porträtbüsten. Bekannte Bauplastiken von ihm in Dortmund sind am Haus Schulte-Witten in Dorstfeld (Türrosetten, Uhr mit Figuren ca. 1919), die Kalksteinfiguren am Ostenhellweg „Zum Ritter“ 1920/21 und 1912 an der berühmten „Krüger-Passage“. Hervorzuheben sind u.a. seine Grabgestaltungen auf dem Hauptfriedhof: das Grabmal Ortner von 1924, das Grabmal Wuthe von 1926 und das Ehrengrab mit Porträtmedaillon von Bibliotheksgründer und Direktor Dr. Erich Schulz von 1948. Ein vollplastisches Standbild von Friedrich Harkort ist 1959 entstanden. Kurt Doehler ist 1966 in Dortmund verstorben. IF