Do-Mitte, Kreuzstraße 155, Johannes-Wulff-Schule (ehem. Abteilung f. Sondererziehung d. Universität), 44137 Dortmund
Formation, Siegfried Erdmann
Die ca. 4,2 Meter lange und 2,5 Meter hohe „Formation“ wiegt 12 Tonnen, obwohl sie hohl ist. Vier aufrecht stehende Elemente wurden in der Sockelzone so miteinander verbunden, dass sie eine Formation bilden, wie sie vielleicht sogar die Natur hätte hervorbringen können. Dadurch, dass die Oberfläche leicht bemoost ist, erscheint der Beton fast wie Naturstein. Die langen, schmalen Betonblöcke haben abgerundete Ecken und Kanten, allerdings weisen manche auch unregelmäßige, kubistische Elemente auf. Diese beleben die ansonsten flächige Gestaltung, ebenso wie der Wechsel von einfachen offenen und geschlossenen Formen. So ergibt sich ein abstraktes Wechselspiel von Licht und Schatten. Allgemein dominieren einfache, blockhafte Formen im Œuvre von Siegfried Erdmann, das sich im Laufe der Jahre vom Naturalismus hin zum Abstrakten entwickelt hat. Der Künstler arbeitete viele seiner Plastiken bis ins letzte Detail als Modell aus, um eine Vorlage für die Guss-Negative zu haben. Diese Modelle platzierte er im eigenen Skulpturengarten bei sich zu Hause. Siegfried Erdmann erklärte den Ruhr Nachrichten am 27.08.2011: “Bei einer Plastik geht es um einfache Formen. Alles, was literarisch oder erzählend ist, muss rausgefiltert werden.“ Diesen Anspruch hat er wohl auch mit der „Formation“ erfüllt. Durch vereinfachte, prägnante Formen erhalten seine Werke in jedem Format eine monumentale Wirkung und können assoziativ interpretiert werden. Bis 1965 hatte sein plastisches Werk einen engen Bezug zum eigenen Leben. So schuf er während seiner Arbeit in der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg eine Kuh und ein Pferd aus Ton. Die Not der Nachkriegsjahre brachte er in „Die Hungernde“, „Der Bettler“ und „Der Blinde“ zum Ausdruck. IF
Literatur Kunstwerk
Anonym: Die Steine gewinnen neues Leben. Das plastische Werk des Bildhauers Siegfried Erdmann fand weite Verbreitung, in: Zeitungsartikel Dortmunder Kunstarchiv, 1971.; Roland Altmann u. a.: 25 Jahre Dortmunder Gruppe, Dortmunder Künstlerbund. Eine Dokumentation, Dortmund 1980, S. 70.; Roland Altmann: Einblicke und Reflexionen. Reden und Aufsätze zu Künstlern und Bildender Kunst, Dortmund 1989 (Eigenverlag), S.149 ff.; Öffentliche Denkmäler und Kunstobjekte in Dortmund. Eine Bestandsaufnahme unter Leitung von Jürgen Zänker, erarbeitet von Iris Boemke u. a., Dortmund 1990, Nr. 344, S. 269.; Anonym: Der freie Künstler. Atelier- Besuch: Bildhauer Siegfried Erdmann wird heute 85 Jahre alt, in: Ruhr Nachrichten, Nr.199, 27.08.2011.;
Literatur Künstler*in
Anonym: Plastiken, in: Ruhr-Nachrichten, Nr.255, 4.November 1969.; Anonym: Beton-Rose für Koblenz. Bildhauer aus Dortmund verschönert eine Tiefstraße, in: Ruhr-Nachrichten, Nr.2, 3.Januar 1975.; Anonym: Erdmann stellt Plastik in Kassenhalle aus, in: Ruhr-Nachrichten, Nr.286, 16.Dezember 1976.; Anonym: Theoretischer Einblick in Künstlerarbeit, in: Ruhr-Nachrichten, Nr.189, 16.August 1980.; Roland Altmann u. a.: 25 Jahre Dortmunder Gruppe, Dortmunder Künstlerbund. Eine Dokumentation, Dortmund 1980, S. 68.; Anonym: Kacheln erzählen Geschichte, in: Ruhr-Nachrichten, Nr. 294, 17.Dezember 1988.; Tayfun Belgin: Dortmunder Künstlerverzeichnis, Dortmund 1997, S. 41.; http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/dortmund/kultur/Bildhauer-Siegfried-Erdmann-wird-85-Jahre-alt;art13731,1387385 [Abruf: 25.07.2013]; http://wkd-kunst.de/?page_id=673 [Abruf: 20.7.2017]
Biografie
Siegfried Erdmann wurde am 27. August 1926 in Allenstein (Ostpreußen) geboren. Nachdem er die Oberschule abgeschlossen hatte, ging er zum Militärdienst, wo er in Kriegsgefangenschaft geriet. Von 1947 bis 1949 bildete ihn der Bildhauer Fritz Viegener aus. Anschließend studierte er drei Jahre an der Werkkunstschule in Köln bei den Professoren Wolfgang Wallner und Ludwig Gies. Seit 1952 arbeitete Erdmann als freischaffender Bildhauer und hatte mehrere Einzelausstellungen im Ruhrgebiet (u.a.1969 in Herne, 1976 in Hörde) und Gruppenausstellungen im In- und Ausland. Mit seiner Frau, der Kunststickerin Doris Albrecht, zog er 1956 nach Dortmund. In seinem Frühwerk beschäftigte sich Erdmann mit Natur- und Anatomiestudien, außerdem verarbeitete er künstlerisch die Eindrücke der Kriegs- und Nachkriegszeit. 1963 war er für einen Studienaufenthalt in Paris und weitere Reisen folgten. Ab 1965 entstanden die ersten abstrakten Plastiken des Künstlers. Siegfried Erdmanns Werk umfasst Plastiken, Bauplastiken und Reliefs aus Stein, Holz, Bronze, Beton, Ton und Keramik, die für den öffentlichen Raum und für den privaten Besitz entstanden. Unzählige Modelle und Skizzen im Besitz des Künstlers zeugen von seiner unerschöpflichen Kreativität und Produktivität. 1975 hatte er auch überregional Erfolg mit einer „Beton-Rose“ für einen Tiefgarageneingang in Koblenz. Er erhielt 2003 den Förderpreis der Gustav-Eschweiler-Stiftung in Köln. Siegfried Erdmann ist 2017 in Dortmund gestorben. Er war Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler und im Westfälischen Künstlerbund Dortmund e.V. (seit 1958) sowie im Soester Kunstring. IF
Quelle
25 Jahre Dortmunder Gruppe/ Dortmunder Künstlerbund, S. 70.
Weitere Kunst im öffentlichen Raum
Jahr:
1898
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks auf "Zeche Zollern" in Kirchlinde
Künstler*in: Künstler unbekannt
Jahr:
1952 (Einweihung: 16.März 1952)
Denkmal für die Opfer der Grubenunglücke vom 4.7.1940, 16.3.1944 und 22.3.1979
Künstler*in: Wilhelm Wulff
Jahr:
1936
Denkmal für die Opfer eines Grubenunglücks von 1935
Künstler*in: Wilhelm Wulff
Jahr:
1927
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 11. Februar 1925
Künstler*in: Friedrich Bagdons
Jahr:
nach 1920
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks am 8.8.1920
Künstler*in: Benno Elkan(?)
Jahr:
1954-1960
Mahnmal Bittermark
Künstler*in: Will Schwarz, Karel Niestrath, Léon Zack
Jahr:
1931
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 16.5.1925
Künstler*in: Friedrich Bagdons (Entwurf)
Jahr:
1993
Gedenktafel für den jüdischen Friedhof
Künstler*in: Künstler unbekannt
Jahr:
1956
Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges
Künstler*in: Vorname? Endlich, Herwarth Schulte u. Heinrich Bayer
Jahr:
1946/47
Denkmal für die gefallenen Sowjets
Künstler*in: F. J. Kraus
Jahr:
nach 1945
Denkmal für die jüdischen Opfer des NS-Regimes
Künstler*in: Künstler unbekannt
Jahr:
1924/25
Mahnmal für die 1914/18 gefallenen Bürger aus Dortmund
Künstler*in: Friedrich Bagdons
Jahr:
1965
Haltet Frieden
Künstler*in: Curt Unger
Jahr:
1934, (Einweihung: 16.9.1934)
Kriegerdenkmal in Dorstfeld, Gefallene 1914-1918
Künstler*in: Bildhauer: Heinrich Bayer; Architekt: Josef Wentzler;