Kunst im öffentlichen Raum

Kriegerdenkmal in Großholthausen, Gefallene 1914-1918 und 1939-1945

Künstler*in:
Fritz Richter-Elsner
Jahr:
1938/1939
Technik und Material:
Sandstein, Bruchstein, Bronze
Maße:
  • Höhe: ca. 3 m
  • Durchmesser: Halbrund: ca. 25 m
Kunstwerknr.:
44227-026
Standort:
Do-Großholthausen, Kruckeler Straße, 44227 Dortmund
Kriegerdenkmal in Großholthausen, Gefallene 1914-1918 und 1939-1945
Kriegerdenkmal in Großholthausen, Gefallene 1914-1918 und 1939-1945, Fritz Richter-Elsner

Die halbrunde ehrenhofartige Platzanlage des Kriegerdenkmals 1914/18 an der Kreuzung Kruckeler Straße/Löttringhauser Straße fällt sofort ins Auge.Auf einem mittig stehenden, hellen, rechteckigen Bruchsteinsockel „wacht“ die Bronzefigur eines Soldaten. Er trägt Helm und Uniformmantel, steht in breiter Beinstellung und hält ein aufrecht postiertes Gewehr vor sich. Seine Ausstattung und Gestalt symbolisiert zweifelsohne mehr erneute Kampfbereitschaft, als Trauer um die Dortmunder Gefallenen des vergangenen Krieges. Die Figur entspricht ganz einer nationalsozialistischen Formensprache. Die halbrunde, stark gegliederte Wandgestaltung hinter dem Soldaten besteht aus sechs pfeilerartigen Wandelementen zwischen Sandsteinreliefs. Zeitgenössische Zeitungsberichte verweisen mit Titeln wie „Trauernde Heimat“, „Deutschlands Auferstehung“ und „Des Vaters Erbe“ auf den nationalsozialistischen Zeitgeist dieses Denkmals. In die Pfeilerflächen sind heute mit roter Farbe Flammenschalen eingezeichnet, unter denen die Namen von acht Dortmunder Vororten zu lesen sind: Hombruch, Kirchhörde, Auf dem Schnee, Löttringhausen, Groß- und Kleinholthausen, Kruckel und Schanze. Aus ihnen stammen die 430 bedachten Gefallenen. Ursprünglich waren die Namen jedes einzelnen Toten eingetragen. Doch die bronzenen Buchstaben fielen nach Kriegsende Dieben zum Opfer. Nach der Grundsteinlegung im Oktober 1937 wurde das Kriegerdenkmal laut verschiedener Zeitungsberichte 1938 und 1939 errichtet. Die bisherige Datierung 1935 bzw. um 1935 kann damit korrigiert werden. Am 10. März 1940, schon mitten im Zweiten Weltkrieg, wurde es eingeweiht und entsprechend propagandistisch genutzt. Der Auftrag der Gemeinden Hombruch und Kirchhörde war bereits über zehn Jahre zuvor an den Bildhauer Fritz Richter-Elsner vergeben worden. Finanzielle Missstände und der Kriegsausbruch 1939 verzögerten die Umsetzung und Einweihung. Nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen 1945 wurde die Bronzefigur beschädigt und entfernt, 1959 wieder gefunden und an ihrem alten Platz wieder aufgestellt. Das Kriegerdenkmal wurde mit einer Inschrift zum Gedenken an die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges erweitert. Seit 1990 verweist eine Inschriftenplatte am Eingang auf die veränderte Funktion des Denkmals: „Das Ehrenmal für die Kriegsopfer, das von dem aufrechtstehenden Wachsoldaten beherrscht wird, verdrängt Tod und Trauer, verschweigt die Sinnlosigkeit des Krieges. Es ist eine historische Darstellung und ein Zeugnis der Zeit. 1935 hat das nationalsozialistische Regime bereits den Zweiten Weltkrieg vorbereitet.“ Doch jüngere und jüngste Beschädigungen und Beschmierungen zeigen, dass dieses Denkmal auch in seiner heutigen Gestalt ein diskussionswürdiges bleibt. SR

Literatur Kunstwerk

Anonym (g): Ohne Titel (Kirchhörde, 15. Febr., Kriegerehrenmal), in: Dortmunder Zeitung, 16. Februar 1928; Anonym: Ohne Titel (Löttringhausen), in: Dortmunder Zeitung, 8. Mai 1928; Anonym: Ohne Titel (Löttringhausen, 1. Juni. Kriegerehrenmal), in: Dortmunder Zeitung, 2. Juni 1928; Anonym (Löttringhausen. 1. Juni. Kriegerehrenmal.), in: Dortmunder Zeitung, 5. Juni 1928; Anonym: Das Ehremal für Hombruch und Kirchhörde, in: Dortmunder Zeitung, 12. März 1930; Anonym: Dortmund-Kirchhörde. Arbeitet und Werbet für das Ehrennmal!, in: Dortmunder Zeitung. 23. Juli 1930; Anonym (o): Ohne Titel (Dortmund-Hombruch), in: Dortmunder Zeitung, 1. Mai 1935; Anonym (d): Ohne Titel (Dortmund-Hombruch), in: Dortmunder Zeitung, 10. Januar 1936; Anonym (d): Dortmund-Hombruch. Neues vom Bau des Ehrenmals, Dortmunder Zeitung, 28. Januar 1936; Anonym: Grundsteinlegung des Kirchhörder-Hombrucher Ehrenmals, in: Dortmunder Zeitung, 4. Oktober 1937; Westfälische Landeszeitung - Rote Erde, 16. Oktober 1938; Westfälische Landeszeitung - Rote Erde, 10. Juli 1939; Westfälische Landeszeitung – Rote Erde, 4. Oktober 1939; Westfälische Landeszeitung - Rote Erde, 11. März 1940; Tremonia, 11. März 1940; Hörder Volksblatt, 11. März 1940; Fritz H. Sonnenschein: Verzeichnis der Denkmäler, Brunnen, Ehrenmäler in der Stadt Dortmund, 1.8.1956, Ms. Im Hochbauamt der Stadt, Stadtarchiv Dortmund, VIII, 6; Thomas Duhme, u.a.: "Unseren tapferen Helden ...": Kriegs- und Kriegerdenkmäler und politische Ehrenmale - Dortmunder Beispiele, Essen 1987, S. 42; Ruhr-Nachrichten, 11. Juni 1987; Westfälische Rundschau, 12. Juni 1987; Ruhr-Nachrichten,15. Juni 1989; Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 16. Juni 1989; Westfälische Rundschau, 16. Juni 1989; Öffentliche Denkmäler und Kunstobjekte in Dortmund. Eine Bestandsaufnahme unter Leitung von Jürgen Zänker, erarbeitet von Iris Boemke u. a., Dortmund 1990, Nr. 68, S. 83; Stadt Dortmund/Stadtplanungsamt: Denkmalverzeichnis der Stadt Dortmund, Stand 07/1990, Nr. A 0421, Stadtarchiv Dortmund, S. 157; Ruhr-Nachrichten, 29. November 1990; Ruhr-Nachrichten, 17. März 1999; Ruhr-Nachrichten, 6. August 1999; Westfälische Rundschau, 9. August 1999; Tag des offenen Denkmals. Krieg und Frieden. 11. September 2005, Broschüre hg. von Stadt Dortmund, Denkmalbehörde und Bauordnungsamt, Iserlohn 2005, S. 55, 60-63; Westfälische Rundschau, 15. Oktober 2010; Markus Günnewig: Was vom Kriege übrig blieb. Kriegerdenkmäler in Dortmund, in: Historischer Verein für Dortmund und die Grafschaft von der Mark e.V. und Stadtarchiv Dortmund (Hg.): Heimat Dortmund, Dortmund im Ersten Weltkrieg, 1/2014, S. 60-64; http://www.denkmalprojekt.org/ohne_namen/dortmund-loettringhausen_on.htm [Abruf: 30.6.02014]; Marc Wernicke: Mahnung zur Aufmerksamkeit, in: Ruhr Nachrichten, 14. November 2016;

Literatur Künstler*in

Dresslers Kunsthandbuch, hg. von Willy Oskar Dressler Bd. 2, Bildende Kunst: das Buch der lebenden deutschen Künstler, Altertumsforscher, Kunstgelehrten und Kunstschriftsteller, Berlin 1930, S. 735; Ulrich Thieme, Felix Becker: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 28, Leipzig 1934, S. 303; Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts, Bd. 4, Leipzig 1958, S. 64; Autor unbekannt: Dialog, in: Sammler Journal. Kunst, Antiquitäten, Auktionen, B 1309, September 2013, S. 7f. http://issuu.com/gemi-verlag/docs/sammler-journal-0913 [Abruf: 23.06.2014]; http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Richter-Elsner [Abruf: 23.06.2014]

Biografie

Fritz Richter-Elsner wurde am 8.1.1884 im thüringischen Köppelsdorf (heute Sonneberg) geboren. Sein Studium absolvierte er an der Industrie- und Kunstgewerbeschule Sonneberg und in München. Zwischen 1905 und 1916 war Richter-Elsner künstlerischer Leiter der bekannten Hofbildgießerei Oskar Gladenbeck in Friedrichshagen bei Berlin. Er schuf 1912 das Denkmal für Friedrich Ludwig Jahn, das sich noch heute auf dem Sportplatz im brandenburgischen Perleberg befindet. Danach entwarf Richter-Elsner zahlreiche Kriegerdenkmäler für den Ersten Weltkrieg, unter anderen in Reetz, Schöneiche (1927) und Grimmen (1928). Im benachbarten Holzwickede ist seine bildhauerische Arbeit mit dem sogenannten „130er Denkmal am Kellerkopf“ vertreten, das 1929 eingeweiht wurde und schon die entschiedene Kampfbereitschaft des Nationalsozialismus spürbar werden lässt. Richter-Elsner schrieb das Drehbuch zum 1931 produzierten Dokumentarfilm „Heldentum-Volkstum-Heimatkunst“. Vermutlich ab 1943 wurde er zum Arbeitseinsatz einberufen. Nach Kriegsende verliert sich seine Spur, Todesdatum und Sterbeort sind unbekannt. SR

Weitere Kunst im öffentlichen Raum

Jahr: 1898
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks auf
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks auf "Zeche Zollern" in Kirchlinde

Künstler*in: Künstler unbekannt

Jahr: 1952 (Einweihung: 16.März 1952)
Denkmal für die Opfer der Grubenunglücke vom 4.7.1940, 16.3.1944 und 22.3.1979
Denkmal für die Opfer der Grubenunglücke vom 4.7.1940, 16.3.1944 und 22.3.1979

Künstler*in: Wilhelm Wulff

Jahr: 1936
Denkmal für die Opfer eines Grubenunglücks von 1935
Denkmal für die Opfer eines Grubenunglücks von 1935

Künstler*in: Wilhelm Wulff

Jahr: 1927
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 11. Februar 1925
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 11. Februar 1925

Künstler*in: Friedrich Bagdons

Jahr: nach 1920
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks am 8.8.1920
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks am 8.8.1920

Künstler*in: Benno Elkan(?)

Jahr: 1954-1960
Mahnmal Bittermark
Mahnmal Bittermark

Künstler*in: Will Schwarz, Karel Niestrath, Léon Zack

Jahr: 1931
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 16.5.1925
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 16.5.1925

Künstler*in: Friedrich Bagdons (Entwurf)

Jahr: 1993
Gedenktafel für den jüdischen Friedhof
Gedenktafel für den jüdischen Friedhof

Künstler*in: Künstler unbekannt

Jahr: 1956
Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges
Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges

Künstler*in: Vorname? Endlich, Herwarth Schulte u. Heinrich Bayer

Jahr: 1946/47
Denkmal für die gefallenen Sowjets
Denkmal für die gefallenen Sowjets

Künstler*in: F. J. Kraus

Jahr: nach 1945
Denkmal für die jüdischen Opfer des NS-Regimes
Denkmal für die jüdischen Opfer des NS-Regimes

Künstler*in: Künstler unbekannt

Jahr: 1924/25
Mahnmal für die 1914/18 gefallenen Bürger aus Dortmund
Mahnmal für die 1914/18 gefallenen Bürger aus Dortmund

Künstler*in: Friedrich Bagdons

Jahr: 1965
Haltet Frieden
Haltet Frieden

Künstler*in: Curt Unger

Jahr: 1934, (Einweihung: 16.9.1934)
Kriegerdenkmal in Dorstfeld, Gefallene 1914-1918
Kriegerdenkmal in Dorstfeld, Gefallene 1914-1918

Künstler*in: Bildhauer: Heinrich Bayer; Architekt: Josef Wentzler;

Jahr: undatiert
o. T. (Kunstobjekt )
o. T. (Kunstobjekt )

Künstler*in: Künstler unbekannt