Mit einem überlebensgroßen, bronzenen Stacheldraht und einer Inschrift gestaltete der Dortmunder Bildhauer Theodor Nöker das Kriegerdenkmal zu einem Mahnmal um. Eine Bronzeplatte im Boden weist auf die Sinngebung des Mahnmals hin „Den Opfern von Krieg und Gewalt zum Gedächtnis, den Lebenden zur Mahnung“ und lässt aus ehemaliger Heldenverehrung einen mahnenden Trauergestus werden.Gehalten werden die fünf vollplastischen, stilisierten Stacheldrahtelemente von sieben wuchtigen steinernen Pylonen. Sie grenzen das Areal zur Straßenseite hin ab. Der überdimensionale Stahldraht bringt die Greul des Krieges zum Ausdruck und ist als Symbol für Krieg und Gewalt zu interpretieren. Das Kunstwerk ist signiert und datiert mit „NÖKER |92“. Die Großplastik ist ein Bronzeguss, der nach einer vom Bildhauer gestalteten Holzform in Süddeutschland gegossen wurde.Bereits 1954 engagierten sich die Lütgendortmunder Vereine für eine Neugestaltung des Denkmals. Es folgte eine jahrzehntelange Suche nach einem geeigneten Standort. Verschiedene wurde in Erwägung gezogen und wieder verworfen.Anfang der 1990er Jahre entstand die Idee das Kriegsdenkmal in ein Mahnmal umzuwandeln. In einem öffentlich ausgeschriebenen Künstler-Wettbewerb wurde Theodor Nökers Entwurf vom Mahnmalausschuss unter Leitung von Architekt Karl Pöting ausgewählt. Jährlich findet am Volkstrauertag eine Gedenkfeier statt um der Opfer der Weltkriege und der Opfer von Gewalt zu gedenken. IF
Literatur Kunstwerk
Inschrift am Baudenkmal vom Stadtbezirksmarketing Lütgendortmund, 2012.; Stadt Dortmund, Denkmalbehörde, Leitender städt. Baudirektor Ludger Wilde (Hg.): Tag des offenen Denkmals. Unbequeme Denkmale?, Dortmund 2013, S. 67.; Matthias vom Büchel: Theodor Nöker wird fehlen, aber seine Werke bleiben, in: Westfälische Rundschau, 7. März 2019.; https://www.in-stadtmagazine.de/luedo/vom-ehrenmal-zum-mahnmal-von-der-heldenverehrung-zur-gedenkstaette-fuer-die-opfer-80554[Abruf:14.1.2021]Wilhelm Mohrenstecher: Vom „Ehrenmal“ zum Mahnmal – von der Heldenverehrung zur Gedenkstätte für die Opfer, in: IN-StadtMagazine (SK), 16. November 2019.
Literatur Künstler*in
Roland Altmann u. a.: 25 Jahre Dortmunder Gruppe, Dortmunder Künstlerbund. Eine Dokumentation, Dortmund 1980, S. 152-156.; Tayfun Belgin: Dortmunder Künstlerverzeichnis, Dortmund 1997, S. 105; http://wkd-kunst.de/wp-content/uploads/2020/02/2015_phase-2-wkd-katalog-zur-ausstellung.pdf[Abruf:14.1.2021] (Silvia Schmidt-Bauer: WKD: Phase 2, in: Ausst.-Kat. des Westfälischen Künstlerbundes Dortmund, 2015, S. 8.); Matthias vom Büchel: Theodor Nöker wird fehlen, aber seine Werke bleiben, in: Westfälische Rundschau, 7. März 2019.
Biografie
Der Bildhauer Theodor Nöker wurde 1929 in Dortmund geboren. Er absolvierte von 1944-46 eine Schmiede- und Schlosserlehre im väterlichen Betrieb, später übernahm er sogar die Schmiedewerkstatt in der er seine Kunst ausführen konnte. 1951 bis 1957 holte er sein Abitur am Castrop-Rauxeler Gymnasium nach und begann eine Ausbildung zum Kunst- und Werkerzieher an der Kunstakademie Düsseldorf, ein Biologiestudium in Köln folgte. Nach dem Zweiten Staatsexamen 1958 war er als Kunsterzieher und Biologielehrer an Gymnasien in Rheine und dann in Dortmund tätig. Ab 1970 war er Pädagogischer Fachleiter am Helene-Lange-Gymnasium in Dortmund. 1977 übernahm er zeitweilige Unterrichtsaufträge an der Pädagogischen Hochschule Ruhr im Fachbereich Kunst.Theodor Nöker hatte u.a. Ausstellungen in der Galerie Küstermann, Bensberg (1969), 1971 in der Stadthaus Galerie Dortmund und 1972 im Informationszentrum Ruhr in Bochum. Erst ab 1992 war er als freischaffender Künstler tätig.Seit 1972 war Theodor Nöker Mitglied im Dortmunder Künstlerbund, infolgedessen war er 2012 bei der gruppenübergreifenden „Big Bang“ Ausstellung in der BIG Gallery in Dortmund vertreten. Seine Wandobjekte „burgess shale“ und „fasciculum“ (beide von 2011) „greifen industriegeschichtliche Aspekte der Region aber auch entlegener kulturhistorischer Stätten auf“ (Silvia Schmidt-Bauer) und waren bei der zweiten Ausstellung des WKD „Phase 2“ in der BIG Gallery 2015 zu sehen. Werke von Theodor Nöker im öffentlichen Raum Dortmunds sind 2 Sonnenuhren, eine an der Lieberfeld-Grundschule 1972 und 1979 am Immanuel-Kant-Gymnasium, eine Beteiligung am Dortmunder Kunstkalender 1984 und das aufsehenerregende Mahnmal an der Bartholomäus-Kirche 1994 sowie eine Gedenktafel für den ersten Lütgendortmunder (2005). Die „Y-Plastik“, eine Gemeinschaftsarbeit mit Andreas Knappe und Ulrich Schürmann, entstand 1973 aufgrund des Wettbewerbes „Kunst am Bau“ an der Geschwister-Scholl-Schule. Viele Grafiken, Skizzen und Zeichnungen aus dem Bergbaualltag, den er selbst aus der Arbeit im Bergwerk in den Semesterferien kannte, runden sein Œuvre ab. Theodor Nöker ist 2019 in Dortmund verstorben. IF
Quelle
Roland Altmann u. a.: 25 Jahre Dortmunder Gruppe, Dortmunder Künstlerbund. Eine Dokumentation, Dortmund 1980, S. 152.; Tayfun Belgin: Dortmunder Künstlerverzeichnis, Dortmund 1997, S. 105; Matthias vom Büchel: Theodor Nöker wird fehlen, aber seine Werke bleiben, in: Westfälische Rundschau, 7. März 2019Stadt Dortmund, Denkmalbehörde, Leitender städt. Baudirektor Ludger Wilde (Hg.): Tag des offenen Denkmals. Unbequeme Denkmale?, Dortmund 2013, S.67;
Weitere Kunst im öffentlichen Raum
Jahr:
1898
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks auf "Zeche Zollern" in Kirchlinde
Künstler*in: Künstler unbekannt
Jahr:
1952 (Einweihung: 16.März 1952)
Denkmal für die Opfer der Grubenunglücke vom 4.7.1940, 16.3.1944 und 22.3.1979
Künstler*in: Wilhelm Wulff
Jahr:
1936
Denkmal für die Opfer eines Grubenunglücks von 1935
Künstler*in: Wilhelm Wulff
Jahr:
1927
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 11. Februar 1925
Künstler*in: Friedrich Bagdons
Jahr:
nach 1920
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks am 8.8.1920
Künstler*in: Benno Elkan(?)
Jahr:
1954-1960
Mahnmal Bittermark
Künstler*in: Will Schwarz, Karel Niestrath, Léon Zack
Jahr:
1931
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 16.5.1925
Künstler*in: Friedrich Bagdons (Entwurf)
Jahr:
1993
Gedenktafel für den jüdischen Friedhof
Künstler*in: Künstler unbekannt
Jahr:
1956
Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges
Künstler*in: Vorname? Endlich, Herwarth Schulte u. Heinrich Bayer
Jahr:
1946/47
Denkmal für die gefallenen Sowjets
Künstler*in: F. J. Kraus
Jahr:
nach 1945
Denkmal für die jüdischen Opfer des NS-Regimes
Künstler*in: Künstler unbekannt
Jahr:
1924/25
Mahnmal für die 1914/18 gefallenen Bürger aus Dortmund
Künstler*in: Friedrich Bagdons
Jahr:
1965
Haltet Frieden
Künstler*in: Curt Unger
Jahr:
1934, (Einweihung: 16.9.1934)
Kriegerdenkmal in Dorstfeld, Gefallene 1914-1918
Künstler*in: Bildhauer: Heinrich Bayer; Architekt: Josef Wentzler;