Friedrich Gräsel bediente sich als einer der Ersten industriell gefertigter Formen und hat ihre Bedeutung für die moderne Skulptur erkannt. So erreicht er eine "ästhetische Formung der industriell gestalteten Welt durch deren eigene Mittel" (Uwe Rüth). Fünf industriell gefertigte Eternitröhren wurden 1969 anlässlich der „Euroflor 1969“ als „Röhrenlandschaft“ auf der Grünfläche im Westfalenpark installiert, speziell für diesen Standort konzipiert. Die einzelnen symmetrischen Elemente wurden hintereinander auf einer Achse angeordnet. Gräsel schuf damit seine erste weiträumig verteilte Großplastik. Durch den genormten Röhrendurchmesser und die gleiche Farbe sind die fünf Installationen als Gesamtkunstwerk erkennbar, obwohl jede Form auch allein als Plastik zu verstehen ist. Die vorhandene Raumsituation wurde in das Konzept eingebunden, indem die Werkgruppe mit der Industrielandschaft des Phönix-Stahlwerks im Hintergrund korrespondierte: Hier wurden Raumgrenzen aufgelöst und eine raum-ästhetische Einheit entstand. Eine gleiche Farbgebung der Industrieanlage war geplant, aber nicht ausgeführt worden. Dieser Eindruck war charakteristisch für seine Röhrenarbeiten, die intensiv mit dem Umraum, der Landschaft und der Bebauung interagierten und als Reminiszenz an die industrielle Bedeutung des Ruhrgebietes zu verstehen sind. Dies war Gräsels erste realisierte „Umräumplastik“ mit der werkinhärenten Option die Einzelteile zu bewegen. Die Aufstellung im öffentlichen Raum macht die Arbeit interaktiv, als Sky-Line-Projekt und Wendeplastik. Sie fordert eigene Initiative vom Betrachter, denn die Installationen aus abgeknickten, ineinander verlaufenden Röhren sind eigentlich nur zerlegte Einzelteile eines Würfels, der in Gedanken wieder zusammengesetzt werden kann. Der Röhrenkubus folgt einem kanonischen Modulsystem basierend auf dem genormten Durchmesser der Röhren. IF
Literatur Kunstwerk
Eugen Thiemann: Westfalenpark Dortmund. Park und Bildwerk, Friedrich Graesel, Erich Reusch, Dortmund o.J. (1969); Heiner Stachelhaus: Moderne Kunst in der Dortmunder Stadtlandschaft, in: Hier. Dortmunder Kulturarbeit, 1973, H. 28, S. 2.; Karl-Ernst Backhaus, Jürgen Brandes und Friedhelm Günther: Dortmund in Schwarz und Weiß. Dortmund o.J. (1977), S. 96.; Gerhard Charles Rump: Friedrich Gräsel, in: Bildhauer heute, Bd. 2, Hildesheim 1978, S. 10 f.; Robert Häusser und Dieter Honisch (Hg.), Kunst, Landschaft, Architektur. Architekturbezogene Kunst in der Bundesrepublik Deutschland, Bad Neuenahr-Ahrweiler 1983, S. 72.; Öffentliche Denkmäler und Kunstobjekte in Dortmund. Eine Bestandsaufnahme unter Leitung von Jürgen Zänker, erarbeitet von Iris Boemke u. a., Dortmund 1990, Nr. 333, S. 260 f.; Michael Astroh u.a.: Friedrich Gräsel. Anja Ziebarth (Hg.), Köln 2007, S. 25 ff., S. 37-41.; Uwe Rüth: Friedrich Gräsel- Ästhetisierung des Handlungsraumes, in: Anja Ziebarth (Hg), Friedrich Gräsel, Köln 2007, S. 37.; Walter Smerling/Ferdinand Ullrich(Hg.):Public Art Ruhr. Die Metropole Ruhr und die Kunst im öffentlichen Raum, Recklinghausen 2012, S. 58.; http://welt-der-form.net/Friedrich_Graesel [Abruf:5.12.2015]; http://www.kunst-am-moltkeplatz.de/kunstwerke/friedrich-graesel/friedrich-graesel-weiteres [Abruf: 15.08.2019]
Literatur Künstler*in
Sunke Herlyn/ Hans-Joachim Manske/ Michael Weisser (Hg.): Kunst im Stadtbild. Von „Kunst am Bau“ zu „Kunst im öffentlichen Raum“, Bremen 1976, S.176.; Gerhard Charles Rump: Friedrich Gräsel, in: Bildhauer heute, Bd. 2, Hildesheim 1978, S. 20.; Kunst des 20.Jahrhunderts. Die Sammlung: Bilder, Plastiken, Objekte Environments, Ausst.-Kat. Museum am Ostwall Dortmund, Dortmund 1984, S. 71.; Magistrat der Stadt Kassel (Hg.): Kunst im öffentlichen Raum. Kassel 1950-1991, Marburg 1991, S. 88.; Michael Astroh u.a.: Friedrich Gräsel. Anja Ziebarth (Hg.), Köln 2007, Werkverzeichnis (DVD).; Walter Smerling und Ferdinand Ullrich(Hg.):Public Art Ruhr. Die Metropole Ruhr und die Kunst im öffentlichen Raum, Recklinghausen 2012, S. 217 f.; Ronny von Wangenheim: Pionier der Industriekunst ist tot. Bildhauer Friedrich Gräsel gestorben, in: Ruhr Nachrichten, 11.Juli 2013.; http://www.nrw-skulptur.de/de/page6.cfm?kat=66&obj=356 [Abruf: 5.12.2015];
Biografie
Friedrich Gräsel wurde 1927 in Bochum geboren. Von 1952 bis 1956 studierte er an der Staatlichen Kunsthochschule München Bildende Künste und an der Universität Hamburg schloss er 1956 mit einem Staatsexamen in Kunstpädagogik und Germanistik ab. Danach begann er mit keramischen Plastiken. 1964 entwickelte er Steinzeug-Röhrenmontagen, dann solche aus Faserzement (AC) und ab 1967 bevorzugte Gräsel als Material Röhren aus Kunststoff (PVC). 1970 erhielt er das British Council Stipendium für einen Studienaufenthalt in London und eine Professur für Kunsterziehung in Münster. Von 1972 bis 1987 war er Professor für Bildhauerei an der Universität-Gesamthochschule Essen und arbeitete als Gastprofessor in Kairo (1979-84). Als deutscher Beitrag nahm er an der 36. Biennale in Venedig teil. 1973 war Gräsel bei der 12. Internationalen Biennale für Plastik in Antwerpen und bei der Ausstellung „ars multiplicata“ in Stuttgart vertreten. Auch an der X. u. XIII. Internationalen Biennale für Kleinplastik in Padua war er beteiligt sowie an zahlreichen weiteren Gruppenausstellungen weltweit. Darüber hinaus hatte er von 1966 bis 2006 jährlich Einzelausstellungen in Deutschland. Die zumeist abstrakten Werke Gräsels sind einer rationalen Ordnung folgend von klaren, geometrischen Formen und von den verwendeten Industriematerialien gekennzeichnet. Er entwickelte Funktionsplastiken, Wendeplastiken und Umbauplastiken sowie Rasenreliefs für den öffentlichen Raum. Für seine Arbeiten erhielt er zahlreiche Auszeichnungen wie den Cornelius-Preis (1967), den Konrad von Soest-Preis (1970) oder 1980 den BRD JUNIOR-Preis für Kunst im öffentlichen Raum. Friedrich Gräsel war Ehrenmitglied des Westdeutschen Künstlerbundes. Er erhielt 1999 den Ehrenring seiner Geburtsstadt Bochum. Seit 2001 besteht die Friedrich-Gräsel-Schenkung für Wissenschaft und Kunst an der Ruhr-Universität Bochum (RUB), die insgesamt 47 Plastiken und Zeichnungen aus seinem Œuvre umfasst. 2013 ist der Bildhauer in Osnabrück verstorben. IF
Quelle
Lit. Zänker: Eugen Thiemann, Westfalenpark Dortmund, Park und Bildwerk, Friedrich Graesel, Erich Reusch, Dortmund undatiert (1969); Stachelhaus, S. 2; Backhaus/Brandes/Günther, S. 96; Häusser/Honisch, S. 72/ Kunst und Kulturführer - 50 Jahre Westfalenpark, S. 37.
Weitere Kunst im öffentlichen Raum
Jahr:
1898
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks auf "Zeche Zollern" in Kirchlinde
Künstler*in: Künstler unbekannt
Jahr:
1952 (Einweihung: 16.März 1952)
Denkmal für die Opfer der Grubenunglücke vom 4.7.1940, 16.3.1944 und 22.3.1979
Künstler*in: Wilhelm Wulff
Jahr:
1936
Denkmal für die Opfer eines Grubenunglücks von 1935
Künstler*in: Wilhelm Wulff
Jahr:
1927
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 11. Februar 1925
Künstler*in: Friedrich Bagdons
Jahr:
nach 1920
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks am 8.8.1920
Künstler*in: Benno Elkan(?)
Jahr:
1954-1960
Mahnmal Bittermark
Künstler*in: Will Schwarz, Karel Niestrath, Léon Zack
Jahr:
1931
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 16.5.1925
Künstler*in: Friedrich Bagdons (Entwurf)
Jahr:
1993
Gedenktafel für den jüdischen Friedhof
Künstler*in: Künstler unbekannt
Jahr:
1956
Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges
Künstler*in: Vorname? Endlich, Herwarth Schulte u. Heinrich Bayer
Jahr:
1946/47
Denkmal für die gefallenen Sowjets
Künstler*in: F. J. Kraus
Jahr:
nach 1945
Denkmal für die jüdischen Opfer des NS-Regimes
Künstler*in: Künstler unbekannt
Jahr:
1924/25
Mahnmal für die 1914/18 gefallenen Bürger aus Dortmund
Künstler*in: Friedrich Bagdons
Jahr:
1965
Haltet Frieden
Künstler*in: Curt Unger
Jahr:
1934, (Einweihung: 16.9.1934)
Kriegerdenkmal in Dorstfeld, Gefallene 1914-1918
Künstler*in: Bildhauer: Heinrich Bayer; Architekt: Josef Wentzler;