Die 1982/83 entstandene „Stahl-Skulptur“ von Ansgar Nierhoff besteht aus einer langen, rechteckigen Stahlplatte, die in drei Teile geteilt ist. Nur schmalste Stege verbinden diese jeweils an der oberen Kante miteinander. Die drei Einzelteile sind so stark gegeneinander verdreht, dass der Eindruck entsteht, die Stege könnten diese Spannung nicht länger halten, die „Stahl-Skulptur“ würde im nächsten Augenblick in drei lose Teile zerfallen. Die bisweilen kleinen Standflächen der einzelnen Stahlfragmente auf dem Boden verstärken diesen fragilen, momenthaften Ausdruck der Arbeit. Es empfiehlt sich, die freistehende Plastik von allen Seiten anzuschauen um dieser Momenthaftigkeit, diesen Übergangszustand, intensiver zu erleben. Nierhoff, der sich seit 1977 in seinen Arbeiten verstärkt auf den Arbeitsprozess statt auf das Ergebnis konzentriert, geht es hier nicht bloß um das Ausloten der Eigenschaften des Stahls, um das Spiel zwischen der Schwere des Materials und der fragilen Erscheinung der Plastik. Durch das Zerschneiden und Verformen schafft er eine plastische neue Form, bei der der handwerkliche Akt genauso im Vordergrund steht, wie das übergangshafte Resultat. SR
Literatur Kunstwerk
Westfälische Rundschau, 5.5.1983; Ruhr Nachrichten 6.5.1983; Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Sammlung: Bilder, Plastiken, Objekte Environments, Ausst.-Kat. Museum am Ostwall Dortmund, Dortmund 1984, S. 172f.; Öffentliche Denkmäler und Kunstobjekte in Dortmund. Eine Bestandsaufnahme unter Leitung von Jürgen Zänker, erarbeitet von Iris Boemke u. a., Dortmund 1990, Nr. 392, S. 302f; https://www.kunstgebiet.ruhr/kunstform/skulpturen/eisenplastik/ [Abruf:12.12.2018]; http://welt-der-form.net/Ansgar_Nierhoff/Nierhoff-1982-Stahlskulptur-06.html [Abruf:12.12.2018]
Literatur Künstler*in
Ansgar Nierhoff. Lothar Romain (Hg.), Ausst.-Kat. Galerie Hennemann, Bonn 1981, S. 141-144.; Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Sammlung: Bilder, Plastiken, Objekte Environments, Ausst.-Kat. Museum am Ostwall Dortmund, Dortmund 1984, S. 172f.; Lothar Romain und Detlef Bluemler (Hg.): Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, München 1990, Ausgabe 12.; Thomas Kliemann: Gedenken an Bildhauer Ansgar Nierhoff, in: Generalanzeiger, 09. August 2010.; http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/kultur-und-medien/bonn/Gedenken-an-Bildhauer-Ansgar-Nierhoff-article25966.html [Abruf: 5.12.2016]; Anonym: Bildhauer Ansgar Nierhoff gestorben, in: Focus online, 12.08.2010.; http://www.focus.de/kultur/kunst/kunst-bildhauer-ansgar-nierhoff-gestorben_aid_540624.html [Abruf:5.12.2016]; Walter Smerling/Ferdinand Ullrich(Hg.):Public Art Ruhr. Die Metropole Ruhr und die Kunst im öffentlichen Raum, Recklinghausen 2012, S. 221f.;
Biografie
Der Bildhauer Ansgar Nierhoff wurde 1941 in Meschede im Sauerland geboren. Nach einer Maurerlehre studierte Nierhoff von 1964 bis 1969 an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Norbert Kricke, Joseph Fassbender, Eduard Trier und Walter Warnach. Zu seinen Werken gehören seit 1967 vor allem raumbezogene Stahlblech- und Edelstahlskulpturen, die er faltet, entfaltet, rollt und entrollt, knickt, biegt, zerreißt und zergliedert und verformt. Daneben bilden Graphit- oder Schmiedelack-Zeichnungen seit 1977 einen weiteren Schwerpunkt in seinem Œuvre. 1986 war er als Gastprofessor an der Gesamthochschule in Kassel tätig, 1988 bis 2008 hatte er eine Professur für Bildhauerei an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz inne. Mit zahlreichen Kunstwerken, Mahnmalen und Platzgestaltungen ist er im öffentlichen Raum mehrerer deutscher Städte vertreten, außerdem in allen wichtigen Skulpturmuseen Deutschlands. Seit 1968 nahm er jährlich deutschlandweit an Einzelausstellungen und europaweit an Gruppenausstellungen teil, 1977 auch an der documenta in Kassel unter der künstlerischen Leitung von Manfred Schneckenburger. 1983 hat er in New York mit Georg Rickey gearbeitet. Zu Nierhoffs zahlreichen Auszeichnungen gehören der August-Macke-Preis (2000), der Kunstpreis für Bildhauerei des Landes Rheinland- Pfalz (2004) sowie zwischen 1968 und 1976 jährlich zahlreiche Förderpreise, Stipendien und Kunstpreise. So erhielt er 1969 den Villa Romana Preis für einen Aufenthalt in Florenz und 1972 ein Stipendium für Paris. Mit seinen teilweise provokanten Skulpturen hat er keine Auseinandersetzungen gescheut. 1995 wurde seine Skulptur „Ausgleich“ von einer Kirche in Frankenberg abgelehnt, seine Reaktion lautete: „Nicht die Masse darf bestimmen, was Kunst ist“. 2010 ist Ansgar Nierhoff in Köln gestorben, wo er seit 1965 lebte. Er war Vorstandsmitglied des Deutschen Künstlerbundes. IF/SR
Quelle
Lit. Zänker: Westfälische Rundschau, 5.5.1983; Ruhr Nachrichten 6.5.1983; Kat. Museum am Ostwall 1984, S. 172 f.
Weitere Kunst im öffentlichen Raum
Jahr:
1898
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks auf "Zeche Zollern" in Kirchlinde
Künstler*in: Künstler unbekannt
Jahr:
1952 (Einweihung: 16.März 1952)
Denkmal für die Opfer der Grubenunglücke vom 4.7.1940, 16.3.1944 und 22.3.1979
Künstler*in: Wilhelm Wulff
Jahr:
1936
Denkmal für die Opfer eines Grubenunglücks von 1935
Künstler*in: Wilhelm Wulff
Jahr:
1927
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 11. Februar 1925
Künstler*in: Friedrich Bagdons
Jahr:
nach 1920
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks am 8.8.1920
Künstler*in: Benno Elkan(?)
Jahr:
1954-1960
Mahnmal Bittermark
Künstler*in: Will Schwarz, Karel Niestrath, Léon Zack
Jahr:
1931
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 16.5.1925
Künstler*in: Friedrich Bagdons (Entwurf)
Jahr:
1993
Gedenktafel für den jüdischen Friedhof
Künstler*in: Künstler unbekannt
Jahr:
1956
Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges
Künstler*in: Vorname? Endlich, Herwarth Schulte u. Heinrich Bayer
Jahr:
1946/47
Denkmal für die gefallenen Sowjets
Künstler*in: F. J. Kraus
Jahr:
nach 1945
Denkmal für die jüdischen Opfer des NS-Regimes
Künstler*in: Künstler unbekannt
Jahr:
1924/25
Mahnmal für die 1914/18 gefallenen Bürger aus Dortmund
Künstler*in: Friedrich Bagdons
Jahr:
1965
Haltet Frieden
Künstler*in: Curt Unger
Jahr:
1934, (Einweihung: 16.9.1934)
Kriegerdenkmal in Dorstfeld, Gefallene 1914-1918
Künstler*in: Bildhauer: Heinrich Bayer; Architekt: Josef Wentzler;