Kunst im öffentlichen Raum

Wasserherz

Künstler*in:
Norbert Kricke
Jahr:
1969
Technik und Material:
betoniertes Wasserbecken mit Stahlbändern und Pumpe
Maße:
  • Höhe: Durchmesser ca. 25 m
Kunstwerknr.:
44139-040
Standort:
Do-Mitte, Westfalenpark, 44139 Dortmund
Wasserherz
Wasserherz, Norbert Kricke

Der Dortmunder Westfalenpark wurde 1969 zum zweiten Mal Austragungsort der Bundesgartenschau. Vom 25. April bis 12. Oktober strömten fünf Millionen Besucher in den Park rund um den Fernsehturm. Unter dem Titel „Euroflor“ wurden neue Materialien wie Eternit vorgestellt und die Schau widmete sich ausgiebig dem Thema „Wasser“ in unterschiedlichsten Formen. Am Buschmühlenteich stiegen mit der „Wasserorgel“ an- und abschwellende Wasserfäden in die Höhe, in den Wassergärten wuchsen Seerosen und Lotusblumen. Eine weitere Variation des Themas zeigte das Wasserherz von Norbert Kricke, mit dem seit April 1967 erste Verhandlungen für die Gestaltung einer gartenkünstlerischen Arbeit aufgenommen wurden. Für das neue Rosarium entwarf der Düsseldorfer Bildhauer mit wassertechnischer Unterstützung der Firma Richter & Borchert ein betoniertes Wasserbecken in der anatomischen Form eines Herzens. Im Inneren teilen Stahlbänder das Wasserbecken in sechs Kammern mit unterschiedlichen Höhenniveaus. Ist das „Wasserherz“ gefüllt, steigt und fällt der Wasserspiegel durch Fluten und Abpumpen alle 15 Minuten im fünfteiligen Rhythmus, so dass einzelne Stahlbänder an der Wasseroberfläche als dünne Stege sichtbar und wieder unsichtbar werden.Kricke, der für seine sogenannten „Raumplastiken“ aus meist feinen Edelstahlrohren bekannt ist, hat seit 1956 Wasser als Gestaltungsmittel in seine Kunst eingebunden. So schrieb er im selben Jahr in seinem mit John Anthony Thwaites verfassten Text „Forms of Water“: „Ein wirkliches Wasserspiel ist nicht irgendeine passive Form, die Wasser speit, es ist Wasser – das passive Element -, dem Aktivität gegeben wurde, es ist Wasser – das gestaltlose Element – das eine Form erhielt.“Kricke entwarf in der Mitte der 1950er Jahre Plexiglassäulen-Ensembles, an denen Wasser herablief. Die 1973 umgesetzte Arbeit „Grosser Wasserwald“ am Arbeitsamtsgebäude in Nürnberg ist ein heute noch im öffentlichen Raum sichtbares Beispiel. Für den Neubau der Universität in Bagdad entwarf Kricke zusammen mit Walter Gropius zwischen 1958 und 1960 eine Wassergestaltung, die jedoch nicht ausgeführt wurde. Das „Wasserherz“ ist somit Teil einer intensiven Auseinandersetzung mit dem flüssigen Gestaltungselement. SR

Literatur Kunstwerk

Stadt Dortmund, Stadtarchiv Dortmund, Bestand 167, Nr. 40; Anonym (ekf): Gartenarchitektur auf der Euroflor Dortmund 1969, in: Zürich Bauen + Wohnen GmbH (Hg.): Bauen + Wohnen = Construction + habitation = Building + home: internationale Zeitschrift, Band: 23/1969, IX 6.; Gesamtleitung der Bundesgartenschau Euroflor Dortmund 1969 (Hg.) Euroflor 1969, Dortmund 1969, S. 59; Öffentliche Denkmäler und Kunstobjekte in Dortmund. Eine Bestandsaufnahme unter Leitung von Jürgen Zänker, erarbeitet von Iris Boemke u. a., Dortmund 1990, Nr. 292, S. 233; 50 Jahre Westfalenpark Dortmund. Kunst-Kulturführer, hg. v. Stadt Dortmund und Freundeskreis Westfalenpark e.V., Dortmund 2009, S. 32; http://bundesgartenschau.de/buga-iga/bisherige-gartenschauen/buga-dortmund-1969.html [Abruf: 09.02.2015]; http://welt-der-form.net/Nuernberg/Kricke-1957-Grosser_Wasserwald-02-4957.html [Abruf: 09.02.2015]

Literatur Künstler*in

Norbert Kricke, hg. vom Karl Ernst Osthaus Museum, Ausst.-Kat, Karl Ernst Osthaus Museum, Hagen, Hagen 1963; Norbert Kricke. XXXII Biennale di Venezia 1964. Padiglione della Germania, hg. vom Kulturkreis im Bundesverband d. Dt. Industrie e.V., Ausst.-Kat., Köln 1964; Norbert Kricke, hg. von Jürgen Morschel, Ausst.-Kat., Staatsgalerie Stuttgart und Westfälisches Landesmuseum Münster, Stuttgart 1976; Norbert Kricke. Raumplastiken und Zeichnungen, hg. von Klaus Gallwitz, Ausst.-Kat., Städtische Galerie Frankfurt, Frankfurt am Main 1980; Norbert Kricke, hg. von Stadt Bottrop, Ausst.-Kat., Quadrat Bottrop, Moderne Galerie, Bottrop 1980; Manfred Schneckenburger: Norbert Kricke. Über den Konstruktivismus hinaus, in: Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, München 1988; Norbert Kricke. Plastiken und Zeichnungen 1953-1955, hg. von der Galerie Edith Wahlandt, Ausst.-Kat., Galerie Edith Wahlandt, Stuttgart 1994; Norbert Kricke. Zeichnungen, hg. von Volker Adolphs, Kunstmuseum Bonn, Ausst.-Kat., Kunstmuseum Bonn, Kunstverein Braunschweig, Köln 1995; Norbert Kricke. Mitte suchen – erscheinen. Raumplastiken und Zeichnungen 1953-1984, hg. von der Galerie Edith Wahlandt, Ausst.-Kat., Galerie Edith Wahlandt, Stuttgart 2002; Norbert Kricke. Raumplastiken und Zeichnungen – eine Retrospektive, hg. von Stephan von Wiese und Sabine Kricke-Güse, Ausst.-Kat., Museum Kunst Palast Düsseldorf, Düsseldorf 2006; Günter Engelhard: Der Zeus vom Rhein, in: art-magazin, 9/2006, S. 48-52; Norbert Kricke. Raumplastiken und Zeichnungen aus Vier Jahrzehnten, hg. von Galerie Edith Wahlandt, Ausst.-Kat., Galerie Edith Wahlandt, Stuttgart 2008; Norbert Kricke. Raum, Linie, hg. von Roland Scotti im Auftr. der Stiftung Liner Appenzell, Ausst.-Kat., Museum Liner Appenzell, Göttingen 2012; Norbert Kricke und Emil Schumacher - Positionen in Plastik und Malerei nach 1945, hg. von Ulrich Schumacher und Rouven Lotz, Emil Schumacher Museum, Ausst.-Kat., Emil Schumacher Museum, Hagen, Bönen 2013; http://www.nrw-museum.de/#/mehr/biografien/detailansicht/details/artists///norbert-kricke.html [Abruf: 27.9.2014]; http://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Kricke [Abruf: 27.9.2014]; http://welt-der-form.net/Norbert_Kricke/index.html [Abruf: 27.9.2014]

Biografie

Der Bildhauer Norbert Kricke zählt zu den wichtigsten Vertretern der deutschen abstrakten Nachkriegsmoderne. Er wurde am 30. November 1922 in Düsseldorf geboren. Ab 1946 studierte er an der Akademie der Künste in Berlin bei Richard Scheibe und Hans Uhlmann, der als einer der Ersten abstrakte Plastiken aus Draht schuf. Ein Jahr später zog Kricke zurück in seine Geburtsstadt. Ab den 1950er Jahren entstanden seine abstrakten Plastiken aus Stahl, einfache geometrisch gestaltete Verlaufsfiguren oder gestisch formulierte Plastiken, wie die Bochumer „Raumplastik Kugel“ von 1955. Der Begriff „Raumplastik“ ist prägend für Krickes Werk. Anders als die klassischen voluminösen Massenkörper aus Stein oder Holz greifen seine filigranen, aus Linien geformten Gebilde in den Raum hinein, mit dem sie sich zu verbinden scheinen. Norbert Kricke nahm bereits 1959 an der documenta in Kassel teil. Ein weiteres Mal 1964, als er auch eine Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf erhielt. Von 1972 bis 1981 war er Direktor der Düsseldorfer Akademie. Kricke realisierte zahlreiche Plastiken für den öffentlichen Raum, davon viele im Rheinland und im Ruhrgbiet. Vor dem Düsseldorfer Mannesmannhaus steht die „Große Mannesmann“, eine gestische Raumplastik, die zwischen 1958 und 1961 entstand. Krickes erster öffentlicher Auftrag ist die Wandgestaltung „Röhrendickicht“ für das Kleine Haus des Musiktheaters Gelsenkirchen. Das „Wasserherz“ im Dortmunder Westfalenpark stellt in seiner Form und landschaftlichen Einbettung eine Besonderheit in Krickes Werk dar. Norbert Kricke starb am 28. Juni 1984 in Düsseldorf. SR

Quelle

Stadt Dortmund, Stadtarchiv Dortmund, Bestand 167, Nr. 40

Weitere Kunst im öffentlichen Raum

Jahr: 1898
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks auf
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks auf "Zeche Zollern" in Kirchlinde

Künstler*in: Künstler unbekannt

Jahr: 1952 (Einweihung: 16.März 1952)
Denkmal für die Opfer der Grubenunglücke vom 4.7.1940, 16.3.1944 und 22.3.1979
Denkmal für die Opfer der Grubenunglücke vom 4.7.1940, 16.3.1944 und 22.3.1979

Künstler*in: Wilhelm Wulff

Jahr: 1936
Denkmal für die Opfer eines Grubenunglücks von 1935
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Künstler*in: Wilhelm Wulff

Jahr: 1927
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 11. Februar 1925
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 11. Februar 1925

Künstler*in: Friedrich Bagdons

Jahr: nach 1920
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks am 8.8.1920
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Künstler*in: Benno Elkan(?)

Jahr: 1954-1960
Mahnmal Bittermark
Mahnmal Bittermark

Künstler*in: Will Schwarz, Karel Niestrath, Léon Zack

Jahr: 1931
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 16.5.1925
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 16.5.1925

Künstler*in: Friedrich Bagdons (Entwurf)

Jahr: 1993
Gedenktafel für den jüdischen Friedhof
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Künstler*in: Künstler unbekannt

Jahr: 1956
Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges
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Künstler*in: Vorname? Endlich, Herwarth Schulte u. Heinrich Bayer

Jahr: 1946/47
Denkmal für die gefallenen Sowjets
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Künstler*in: F. J. Kraus

Jahr: nach 1945
Denkmal für die jüdischen Opfer des NS-Regimes
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Künstler*in: Künstler unbekannt

Jahr: 1924/25
Mahnmal für die 1914/18 gefallenen Bürger aus Dortmund
Mahnmal für die 1914/18 gefallenen Bürger aus Dortmund

Künstler*in: Friedrich Bagdons

Jahr: 1965
Haltet Frieden
Haltet Frieden

Künstler*in: Curt Unger

Jahr: 1934, (Einweihung: 16.9.1934)
Kriegerdenkmal in Dorstfeld, Gefallene 1914-1918
Kriegerdenkmal in Dorstfeld, Gefallene 1914-1918

Künstler*in: Bildhauer: Heinrich Bayer; Architekt: Josef Wentzler;

Jahr: undatiert
o. T. (Kunstobjekt )
o. T. (Kunstobjekt )

Künstler*in: Künstler unbekannt