Film: »Berlin – Die Sinfonie der Großstadt« (Deutschland 1927)
Das Dortmunder U feiert Geburtstag: Vor einhundert Jahren wurde das ehemalige Firmenhochhaus der Dortmunder Union-Brauerei nach Plänen des Architekten Emil Moog errichtet. Heute zählt der Bau zu den bedeutendsten Zeugnissen der 1920er Jahre im Dortmunder Stadtbild. Seine markante Silhouette steht für Dortmunds Aufbruch zur modernen Großstadt und für die Industriekultur des Ruhrgebiets. Als weithin sichtbare Landmarke verband es wirtschaftliche Macht mit städtischer Repräsentation. Seine heutige Nutzung als Kultureller Ort macht zugleich den Strukturwandel der Industriestadt anschaulich.
Die TU Dortmund nimmt das Jubiläum zum Anlass für die Filmreihe »Großstadtvisionen«. Vier Spielfilme aus den Jahren 1927 bis 2003 zeigen, wie das Kino die moderne Metropole wahrnimmt und imaginiert: als beschleunigten Rhythmus von Arbeit, Verkehr und Konsum, als dystopischen Raum von Kontrolle und Gewalt, als globalisierte Erfahrungswelt von Fremdheit und Einsamkeit und als sozial segregierten Lebensraum. Die Kamera bildet die Stadt dabei nicht einfach ab. Montage, Bildkomposition, Ton und Musik verdichten sich zu einer ästhetischen Konstruktion, die die Stadt selbst zum handelnden Subjekt macht.
Die Reihe fragt nach den Hoffnungen auf Freiheit, Mobilität und Vergnügen, die sich seit den 1920er Jahren mit dem großstädtischen Leben verbinden, aber auch nach den Ängsten vor Anonymität und Kontrollverlust. Wie prägen Architektur, Interaktion und Verkehr die Wahrnehmung des urbanen Raums und menschliche Beziehungen? Im Anschluss an jede Filmvorführung im Kino des Dortmunder U diskutieren Wissenschaftler der TU Dortmund, Gäste und Publikum über diese Fragen und über die visuellen und musikalischen Formen, in denen das Kino die Großstadt entwirft.
Zum Film
»Berlin – Die Sinfonie der Großstadt« (Deutschland 1927), Regie: Walter Ruttmann
Altersfreigabe: Ohne Altersbeschränkung (FSK 0)
Gesprächsgast: Maren Lickhardt
Der Name Berlin steht bis heute für das großstädtische Lebensgefühl der 1920er Jahre. Kein anderer Film fing dieses besser ein als Walter Ruttmanns »Filmsinfonie« von 1927. Entstanden im selben Jahr wie Fritz Langs »Metropolis«, dokumentiert Ruttmann den Ablauf eines einzigen Tages in der Riesenmetropole, vom frühmorgendlichen Erwachen der Stadt bis zu ihren nächtlichen Vergnügungen. Bilder von Arbeit, Verkehr und Konsum verdichtete und rhythmisierte er dabei in experimenteller Montagetechnik. Die Stadt erscheint wie ein anonymer Koloss, der im Takt der Maschine funktioniert und das Leben der Bewohner unerbittlich vorantreibt. Für den Stummfilm schuf der Komponist Edmund Meisel eigens eine sinfonische Filmmusik, die das Geschehen in kongenialer Weise dramatisiert.
Maren Lickhardt beschäftigt sich als Literatur- und Medienwissenschaftlerin mit der Kultur der Weimarer Republik, insbesondere mit dem Berlin der 1920er Jahre. Ihr Blick auf Großstadt, Populärkultur und moderne Lebensformen eröffnet einen besonderen Zugang zu Ruttmanns filmischem Porträt der Metropole.
Veranstaltungsort
Kino im U
Anschrift und Erreichbarkeit44137 Dortmund
Veranstalter
Technische Universität Dortmund - Fakultät Kunst- und Sportwissenschaften
Anschrift und Erreichbarkeit44227 Dortmund
Schlagwörter
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