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Auf Tauchgang für den Ernstfall: Wie wird man eigentlich Taucher bei der Feuerwehr?

Innenstadt-Nord

45 Kilogramm Ausrüstung, schlechte Sicht und absolute Präzision: Feuerwehrtaucher trainieren für Einsätze, bei denen jeder Handgriff sitzen muss. Wie die anspruchsvolle Ausbildung abläuft, warum Vertrauen unter Wasser überlebenswichtig ist und welche Gefahren im Dortmunder Hafen lauern, zeigt dieser Blick hinter die Kulissen der Taucherstaffel.

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Spezialeinheit Wasserrettung: Dortmunder Feuerwehr taucht ab

34 Grad Außentemperatur, rund 20 Grad Wassertemperatur. Die Sonne brennt auf den Dortmunder Hafen , während sich unter der Kanalbrücke an der Anlegestelle der „Santa Monika“ Feuerwehrmänner auf ihren nächsten Tauchgang vorbereiten. Mit routinierten Handgriffen prüfen sie den Druck ihrer Atemluftflaschen, kontrollieren Masken und Ventile, ziehen Gurte fest. Wenige Minuten später tragen sie rund 45 Kilogramm Ausrüstung auf dem Rücken. Dann steigen sie über eine Leiter ins Wasser. Ein kurzer Druckausgleich – und schon verschwinden sie unter der Oberfläche. Nur aufsteigende Luftblasen und die Sicherungsleine verraten noch ihren Standort.

Zehn Wochen Ausbildung für den Spezialdienst

Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Ein Mann taucht aus dem Dortmunder Hafenbecken auf und ist von Seegras umhüllt.
Dichter Pflanzenbewuchs ist eine Herausforderung für die Taucherinnen und Taucher.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Was wie eine harmlose Übung wirkt, ist Training für den Ernstfall. Die Teilnehmer absolvieren den zehnwöchigen Taucherlehrgang der Berufsfeuerwehr Dortmund . Geübt wird bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit. Denn wenn die Taucherstaffel alarmiert wird, spielen Außentemperatur oder Sichtverhältnisse keine Rolle.

Während des Lehrgangs sind die Teilnehmenden vollständig vom regulären Wachdienst freigestellt. In dieser Zeit dreht sich alles um die Arbeit als Feuerwehrtaucher. Jeder von ihnen absolviert mindestens 50 Tauchgänge und trainiert dabei unterschiedlichste Einsatzlagen – von der Suche nach vermissten Personen bis zur Bergung von Fahrzeugen, Tresoren oder Beweismitteln für die Polizei.

Auf dem Trainingsplan am Dortmunder Hafen steht an diesem Tag die Suche nach Gegenständen. Zwei Holzkreuze wurden mit Gewichten auf dem Grund des Hafenbeckens versenkt. In etwa vier Metern Tiefe tasten sich die Taucher zwischen dichtem Pflanzenbewuchs und Algen Zentimeter für Zentimeter voran. Die Sicht unter Wasser ist schlecht, Orientierung bietet fast ausschließlich die Sicherungsleine. Es ist tatsächlich die Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen.

Vertrauen ist überlebenswichtig

Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Vier Taucher sitzen am Hafenbeckenrand in voller Tauchmontur.
Feuerwehrtaucher trainieren regelmäßig, um bestmöglich einsatzbereit zu sein.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Jeder Taucher wird von einem Sicherungstaucher an Land begleitet. Er hilft beim Anlegen der Ausrüstung, überprüft jedes Detail und hält während des gesamten Tauchgangs Kontakt. Gesprochen wird nicht – kommuniziert wird ausschließlich über Signale an der Schleppleine. Einmal ziehen, zweimal oder dreimal – jeder Zug hat Bedeutung. Der Taucher unter Wasser muss sich jederzeit auf seinen Kollegen verlassen können.

Genau dieses gegenseitige Vertrauen ist ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Zwischen den Teilnehmenden entstehen oft enge Kameradschaften, denn im Einsatz kann das Zusammenspiel über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Auch die beiden erfahrenen Ausbilder beobachten jeden Handgriff aufmerksam. Nach rund acht Wochen sitzen die meisten Abläufe bereits routiniert. Im Einsatz bleibt schließlich keine Zeit für lange Vorbereitungen – dann wird die Ausrüstung oft schon während der Anfahrt im Feuerwehrfahrzeug angelegt.

Systematische Suche unter Wasser

Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Der Dortmunder Hafen an einem schönen Sommertag. Das Wasser ist ruhig.
Das Hafenbecken wirkt ruhig, kann aber tückisch sein: Schlechte Sicht im Wasser führt häufig zu schweren Badeunfällen.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Sobald die Taucher abgetaucht sind, beginnt die eigentliche Arbeit. Im sogenannten Parallelsuchverfahren bewegen sie sich in kleinen Bahnen über den Gewässergrund. Keine Fläche darf ausgelassen werden. Immer wieder erhält der Taucher über die Schleppleine Richtungsanweisungen von seinem Sicherungspartner an Land.

Gerade bei der Suche nach vermissten Personen kann diese Genauigkeit entscheidend sein. Während drei Taucher im Wasser arbeiten, steht ein weiterer vollständig ausgerüstet am Ufer bereit. Sollte es zu einem Zwischenfall kommen, kann er sofort eingreifen. Je nach Aufgabe und Tiefe bleiben die Taucher zwischen 30 Minuten und einer Stunde unter Wasser. Die maximale Einsatztiefe beträgt nach Vorschrift 30 Meter. In solchen Tiefen muss besonders auf den kontrollierten Aufstieg geachtet werden, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden.

Nach dem Tauchgang beginnt die Vorbereitung auf den nächsten

Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Der Hafen und sein Hafenbecken aus der Vogelperspektive.
Im Dortmunder Hafenbecken finden regelmäßig Tauchschulungen statt.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Kaum sind die beiden Holzkreuze gefunden und geborgen, beginnt bereits die Vorbereitung für den nächsten Durchgang. Die Ausrüstung wird erneut kontrolliert, leere Atemluftflaschen ausgetauscht und Wasser aus den Systemen abgelassen. Das laute Zischen des Druckventils hallt unter der Kanalbrücke wider. Wenige Minuten später ist alles wieder einsatzbereit.

An einem Lehrgang zum Rettungstaucher und Strömungsretter nehmen in der Regel sieben Feuerwehrbeamte teil. Auch nach erfolgreichem Abschluss endet das Training nicht: Regelmäßige Übungen gehören dauerhaft zum Dienst. Da Dortmund vergleichsweise wenige Gewässer besitzt, sind reale Taucheinsätze seltener. Umso wichtiger ist es, die Einsatzfähigkeit kontinuierlich aufrechtzuerhalten.

„Man muss sich auf seine Ausbildung verlassen können“

Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Taucher befinden sich im Hafenbecken Dortmund.
Die Teilnehmer absolvieren den zehnwöchigen Taucherlehrgang der Berufsfeuerwehr Dortmund.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Einer der Lehrgangsteilnehmer ist Nico Görlich. Er hat bei der Feuerwehr Dortmund die kombinierte Ausbildung zum Notfallsanitäter und Brandmeister absolviert und arbeitet seit drei Jahren im Dienst. Nun möchte er Rettungstaucher werden.

Vorkenntnisse bringt er bereits mit: Er ist seit seiner Kindheit Sporttaucher. Gerade die unterschiedlichen Gewässer und wechselnden Sichtverhältnisse machen den Reiz der Aufgabe für ihn aus. „Bei schlechten Sichtverhältnissen ist die einzige Orientierung die Leine. Da muss man sich auf seine Ausbildung verlassen können“, sagt er.

Wenn keine Taucheinsätze anstehen, versehen die Mitglieder der Taucherstaffel ihren Dienst regulär auf der Feuer- und Rettungswache oder im Rettungsdienst. Erst bei speziellen Einsatzlagen werden sie alarmiert. Hinzu kommen die besonderen Anforderungen des Schichtdienstes: Die Angehörigen der Feuerwehr Dortmund arbeiten im 24-Stunden-Dienst.

Appell: Baden im Hafen ist lebensgefährlich

Bei ihrer Arbeit erleben die Feuerwehrtaucher immer wieder die Gefahren des Schwimmens im Kanal. Deshalb weist die Feuerwehr Dortmund ausdrücklich darauf hin, dass das Baden im Hafenbecken verboten ist. Auch das Springen von Brücken ist untersagt.

Immer wieder kommt es zu schweren, teils tödlichen Badeunfällen – beim Brückenspringen, aber auch durch geringe Wassertiefen und schlechte Sicht: Hindernisse und Gegenstände auf dem Gewässergrund sind kaum zu sehen. Die Taucher der Feuerwehr trainieren regelmäßig für genau solche Notfälle – damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt.

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