Ehrung
Preis für Völkerverständigung 2026: Carol Kahn Strauss in Dortmund ausgezeichnet
Mit der vierten Verleihung des Preises für Völkerverständigung hat die Auslandsgesellschaft Carol Kahn Strauss geehrt. Die langjährige Direktorin des Leo Baeck Instituts in New York setzt sich seit Jahrzehnten für die Bewahrung deutsch-jüdischer Geschichte und den internationalen Dialog ein. Die Laudatio hielt Bundespräsident a. D. Joachim Gauck vor rund 300 Gästen in der Bürgerhalle des Dortmunder Rathauses.
Die Geschichte der Preisträgerin ist familiär eng mit der Stadt verbunden: Ihre Eltern Alfred Kahn und Lotte Landau mussten 1939 vor der nationalsozialistischen Verfolgung aus Dortmund fliehen und fanden in New York eine neue Heimat.
Ein Zeichen für Erinnerung und Verständigung
Carol Kahn Strauss‘ Wirken wurde durch diese Fluchtgeschichte geprägt: Sie hat ihr Leben der Vermittlung und Bewahrung deutsch-jüdischer Geschichte und dem deutsch-jüdisch-amerikanischen Dialog gewidmet. Mit dem mit 10.000 Euro dotierten Preis würdigt die Auslandsgesellschaft ihr Engagement für Verständigung über Grenzen und Generationen hinweg.
In seiner sehr persönlichen Rede würdigte Bundespräsident a. D. Joachim Gauck Carol Kahn Strauss als Vorbild und hob ihre Geduld, ihre Haltung und ihre innere Stärke hervor: „Wir sollten weniger fragen, was der Staat für uns tun kann, sondern vielmehr, was wir selbst für unsere Gesellschaft tun können. Unsere Freiheit ist unsere Verantwortung. Die Älteren haben dafür gekämpft, dass wir in einer der sichersten Demokratien leben. Das darf nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Die Freiheit, die wir heute haben, ist nicht selbstverständlich. Sie ist hart erarbeitet.“
Carol Kahn Strauss erzählte in ihrer Dankesrede von der besonderen Beziehung zu Dortmund, wie ihre Eltern die Erinnerung an ihre Heimatstadt auch in New York immer wachhielten – trotz der Vertreibung und des Naziterrors. „Ich habe als Kind mit meinen Eltern Deutsch gesprochen. Mit zehn Jahren war ich das erste Mal hier in Dortmund. Ich habe mich der Stadt und den Menschen immer verbunden gefühlt.“ Das Preisgeld spendet sie dem Jüdischen Museum Berlin für ein besonderes Projekt, das Orte der nationalsozialistischen Judenverfolgung digital sichtbar machen soll..
Persönliche Worte und Begegnungen
Dortmunds Oberbürgermeister Alexander Kalouti würdigte das Lebenswerk von Carol Kahn Strauss: „Der Preis für Völkerverständigung würdigt Menschen, die Brücken bauen. Menschen, die dafür sorgen, dass wir einander besser verstehen, dass wir Unterschiede nicht als Hindernis betrachten und dass aus Begegnung Vertrauen entstehen kann. Genau dafür steht ihr jahrzehntelanges Wirken.“
Auch Klaus Wegener, Präsident der Auslandsgesellschaft, würdigte die Preisträgerin: „Carol Kahn Strauss hat sich ihr Leben lang eingesetzt für die Bewahrung der deutsch-jüdischen Geschichte – und damit auch für die Jugend – unsere Zukunft – und den transatlantischen Dialog. Wir brauchen mutige Menschen wie sie, um dem schon wieder metastasierenden Krebsgeschwür des Antisemitismus in der Gesellschaft entschlossen entgegenzutreten.“
Die Preisverleihung wurde von der Ausstellung „Flucht Dortmunder Jüdinnen und Juden in die USA | 1933–1945“ begleitet. Sie schlägt eine Brücke zwischen den historischen Erfahrungen von Verfolgung und Flucht und der persönlichen Familiengeschichte der Preisträgerin. Die Ausstellung ist ab dem 6. November in der Auslandsgesellschaft zu sehen.
Im Rathaus war zudem ein Bild der von den Nationalsozialisten zerstörten Alten Synagoge ausgestellt, das Carol Kahn Strauss dem Dortmunder Theater gespendet hat – als Zeichen der Verbundenheit mit Dortmund.
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