Fachtag in Dortmund setzt Fokus auf zugewanderte Frauen als Fachkräfte
Als Ingenieurin aus Syrien gleichwertige Arbeit in Deutschland finden? Das ist in der Praxis oft schwer. Unter dem Titel „Qualifiziert, engagiert und ausgebremst“ beschäftigte sich ein Fachtag mit neuzugewanderten Frauen und deren Jobchancen hierzulande.
„Viel zu oft arbeiten geflüchtete Frauen weit unterhalb ihrer erworbenen Qualifikationen in Deutschland“, mahnte die NRW-Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration, Josefine Paul, zum Fachtag heute (15. November) an. Per digitalem Grußwort teilte sie ins Keuninghaus mit: „Das Ankommen ist für geflüchtete Frauen stets ein Hürdenlauf. Dagegen will der Kongress jetzt Impulse setzen.“
Vor Ort im Keuninghaus machte Dortmunds Dezernentin für Kinder, Jugend und Familie, Monika Nienaber-Willaredt, die Hürden für die Frauen konkret. Angebote seien oft nicht an deren Bedürfnisse angepasst: „Der Besuch von Sprachkursen kann erschwert sein, wenn Frauen Kinder und insbesondere kleine Kinder versorgen.“ Dabei sei allen klar: „Die Chancen auf eine gute Beschäftigung stehen und fallen in hohem Maße mit den Deutschkenntnissen der Bewerberinnen.“ Sprachangebote müssten daher eine Kinderbetreuung integrieren.
Jede ist Expertin für sich selbst
Um die Angebote für neuzugewanderte qualifizierte Frauen zu verbessern, müssten diese einbezogen werden. Denn sie seien nun einmal die Expertinnen ihrer eigenen Lebenssituation.
Zur Lage in Dortmund äußert sich die städtische Gleichstellungsbeauftragte, Maresa Feldmann, im Interview.
Frau Feldmann, wie steht es um die berufliche Integration zugewanderter und geflüchteter Frauen in Dortmund?
Es gibt viele Frauen mit Migrations- und Fluchtgeschichte, die – anders als es gängige Klischees nahelegen – gut ausgebildet und qualifiziert sind. Doch ihnen fehlen zum einen Informationen über das Bildungs- und Beschäftigungssystem, zum anderen mangelt es an Einblicken, wie sie sich Qualifikationen anerkennen lassen können.
Auch Aufenthalts- und arbeitsrechtliche Hürden sowie mangelnde interkulturelle Öffnung bei bestimmten Akteursgruppen im Arbeitsmarkt spielen eine Rolle. Frauen mit Migrationshintergrund erfahren immer wieder Diskriminierung im Bildungs- und Beschäftigungssystem. Sie werden häufig mit stereotypen Vorstellungen konfrontiert, die sich teilweise auf ihre Herkunftsländer oder Religionszugehörigkeit beziehen. Oder sie werden in Arbeitsverhältnisse vermittelt, die deutlich unter ihrem Qualifikationsniveau liegen, obwohl sie selbst Bildungs- und Berufsziele entsprechend ihrer Qualifikation verfolgen.
Warum ist das ein Problem?
Die Frauen haben ein Recht darauf, ihren Qualifikationen entsprechend Zugang zum Arbeitsmarkt zu erhalten. Und wir können es uns vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels nicht leisten, auf die Potenziale von Frauen mit Migrationserfahrung zu verzichten. Alle Akteur*innen aus Wirtschaft und Gesellschaft sind aufgefordert, sich für eine gelungene Förderung von Migrantinnen einzusetzen.
Wie kann man die Frauen in den Arbeitsmarkt integrieren?
Es ist wichtig, dass die Frauen bedarfs- und ressourcenorientiert beraten und begleitet werden. Zudem sind Akteur*innen wie Jobcenter, Bildungseinrichtungen sowie arbeitgebende Unternehmen und Kommunen einzubeziehen, um Frauen mit Migrationserfahrung als potenzielle Beschäftigte auf Augenhöhe wahrzunehmen.
Was kann die Stadtverwaltung etwa als Arbeitgeberin tun?
Die Stadt Dortmund unterstützt auf sehr vielfältige Weise Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung. Erwähnt sei hier das
Auch die Mitwirkung an Projekten wie
Zum Hintergrund
Laut einer Studie des