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Trauer um Karla Schefter – Dortmunder Pflegeexpertin baute Krankenhaus in Afghanistan auf

Die Stadt Dortmund trauert um Karla Schefter. Die gelernte Krankenschwester, Pflegeexpertin und humanitäre Helferin widmete ihr Leben der Pflege und der Hilfe für Menschen in Not.

Ihr jahrzehntelanger Einsatz in Afghanistan machte sie weit über Deutschland hinaus bekannt. Für ihr außergewöhnliches Engagement erhielt sie viele Auszeichnungen – darunter die Ehrennadel der Stadt Dortmund. Sie starb am 3. März im Alter von 83 Jahren in Dortmund.

Schefter half anderen Menschen in Deutschland und international

Bild: privat
Karla Schefter sitzt auf einer Wiese, neben ihr sind Wassermelonen.
Karla Schefter setzte sich für die Menschen in Afghanistan ein.
Bild: privat

Karla Schefter kam am 25. März 1942 in Allenstein in Ostpreußen zur Welt. Schon früh entschied sie sich für den Pflegeberuf. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie als OP-Schwester und bildete sich in Pflegemanagement und Pflegepädagogik weiter. Bundesweit engagierte sie sich für Fortbildungen im Operationsdienst.

Sie veröffentlichte zwölf Fachpublikationen und wirkte an internationalen Kongressen für OP-Pflege mit. Berufliche Aufenthalte führten sie auch nach Brasilien, in die USA und in die Türkei.

Medizinische Hilfe unabhängig von Herkunft und Religion

1989 reiste sie für ein Hilfsprojekt erstmals nach Afghanistan. Das Land befand sich damals im Krieg. Gemeinsam mit zwei deutschen Ärzten versorgte sie dort Verletzte – zunächst in zwei notdürftig eingerichteten Räumen eines ehemaligen Kraftwerks. Nach einem Jahr kehrten die Ärzte nach Deutschland zurück - Karla Schefter blieb.

Von da an arbeitete sie mit afghanischen Pflegekräften und Ärztinnen und Ärzten zusammen. Unter schwierigsten Bedingungen entwickelte sie Schritt für Schritt ein Krankenhaus. Sie entwarf Baupläne, sprach mit Dorfältesten und verhandelte mit unterschiedlichen Machthabern. Ihr Ziel blieb immer gleich: Menschen medizinisch helfen – unabhängig von Herkunft, Religion oder politischer Haltung.

Gründung und Leitung eines Hospitals in Afghanistan

Bild: privat
Karla Schefter steht an einer Mauer in Afghanistan.
Karla Schefter baute in Afghanistan ein Hospital mit auf.
Bild: privat

Über viele Jahre entstand so das Chak-e-Wardak-Hospital, das sie ab 1992 leitete. Heute gehören ein Impfzentrum und ein Ausbildungsbereich für Frauen dazu. Dort lernen angehende Krankenschwestern und Hebammen ihren Beruf. Gerade diese Ausbildung lag Karla Schefter besonders am Herzen. Sie eröffnete Frauen in einer streng patriarchal geprägten Gesellschaft neue Chancen.

Das Projekt erlebte auch Rückschläge. Politische Veränderungen zwangen das Krankenhaus zeitweise zur Schließung. Karla Schefter gab dennoch nicht auf. In Deutschland sammelte sie Spenden und gewann Unterstützerinnen und Unterstützer. Schließlich konnte das Hospital wieder öffnen.

Jedes Jahr erhalten im Chak-e-Wardak-Hospital rund 48.000 Patientinnen und Patienten medizinische Hilfe – etwa 70 Prozent von ihnen sind Frauen und Kinder. Insgesamt fanden seit der Gründung mehr als 1,5 Millionen Menschen dort Behandlung.

Auszeichnungen für Karla Schefter

Für ihr Engagement erhielt Karla Schefter zahlreiche nationale und internationale Ehrungen. Dazu zählen das Bundesverdienstkreuz am Bande (1993) und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (2004), der Human Rights & Nursing Award (2001), der Bambi-Preis (2001), der Deutsche Pflegepreis (2009) sowie hohe afghanische Auszeichnungen wie der Malalai-Orden und der Mir-Masjidi-Khan-Orden.

Mut, Ausdauer und tiefes Mitgefühl

Eine besondere Würdigung erfuhr sie in ihrer Wahlheimat: 2007 verlieh die Stadt Dortmund Karla Schefter die Ehrennadel der Stadt. Mit dieser Auszeichnung ehrt Dortmund Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise für das Gemeinwohl einsetzen. Karla Schefter verkörperte diesen Anspruch in besonderer Weise. Ihr Einsatz verband medizinische Hilfe mit dem Dialog zwischen Kulturen und Religionen.

Mit Karla Schefter verliert die internationale humanitäre Arbeit eine beeindruckende Persönlichkeit. Ihr Lebenswerk steht für Mut, Ausdauer und tiefes Mitgefühl mit Menschen in Not.

Viele Patientinnen, Familien und Kolleginnen in Afghanistan verdanken ihr Gesundheit, Hoffnung und neue Perspektiven.

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