Kinder & Freizeit
In „Mini Dortmund“ lernen Kinder und Jugendliche, eine Stadt zu gestalten
Die Mini-Dortmunderinnen und Dortmunder leben in der Erlebniswelt Fredenbaum. Seit Montag, 27. Juli, hat die Spielstadt „Mini Dortmund“ geöffnet. 80 Kinder und Jugendliche kümmern sich hier um die wesentlichen Dinge im Leben: um ein gutes und schönes Zusammenleben, um die Kultur und um Demokratie und Mitbestimmung.
„Mini Dortmund“ ist Teil vom Dortmunder Ferienspaß 2026. Nach der erfolgreichen Premiere in 2025 findet das Planspiel jetzt zum zweiten Mal statt. 80 Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 14 Jahren gestalten hier für eine ganze Woche ihre eigene Stadt. „Es ist voll und bislang sind auch noch alle Kinder da – obwohl Heimweh vorhanden ist“, so Sarah Grisko, Betreuerin des Camps und Referentin für die Innenstadt Nord. Falls dann doch noch ein Kind abspringen sollte, gibt es eine Nachrücker-Liste, erläutert Grisko.
Das Stadtleben aus der Perspektive von Kindern
Die Kinder wählen am ersten Tag eine/n Oberbürgermeisterin bzw. Oberbürgermeister, übernehmen politische Ämter und gestalten das Zusammenleben ihrer Stadt eigenverantwortlich. Wie im letzten Jahr konnte sich die 14-jährige Lia gegen die Konkurrenz durchsetzen. Sie hatte sich im Vorfeld viele Gedanken gemacht, wie sie ihre „Wählerschaft“ überzeugen könnte und sogar ein eigenes Wahlplakat mit ihren Wahlversprechen angefertigt.
Oberbürgermeisterin Lia, 14 Jahre alt, findet ihren Job als Oberbürgermeisterin super: „Ein Wahlversprechen von mir war, die Kinder glücklich zu sehen – und das sind sie, was mich sehr freut. Dafür liebe ich diesen Job als Oberbürgermeisterin.“ Ein weiteres Ziel von ihr sei gewesen, eine Party zu organisieren. „Die findet nun am Donnerstag statt.“ Die Wahl sei nicht so einfach gewesen, schließlich gab es ernstzunehmende Konkurrenz. „Ich habe die Kinder angesprochen und ihnen erzählt, was ich hier erreichen möchte und habe zusätzlich Wahlplakate aufgehangen, auf denen meine Wahlziele stehen.“ Am Ende habe sie damit überzeugen können. „Sie kam sehr gut vorbereitet, sag ich mal“, so Fabian Reckel schmunzelnd, Fachreferent beim Jugendamt für den Stadtbezirk Huckarde.
Gewählte Oberbürgermeisterin von Mini-Dortmund 2026
Ein Wahlversprechen von mir war, die Kinder glücklich zu sehen – und das sind sie, was mich sehr freut. Dafür liebe ich diesen Job als Oberbürgermeisterin.
Demokratie (er)leben
Die Kinder erwerben spielerisch Kenntnisse über gesellschaftliche Zusammenhänge, Partizipation, Verantwortung und das Zusammenleben in einer Stadt.
„Demokratie wird dabei nicht erklärt, sondern unmittelbar erlebt. Die Kinder erleben Selbstwirksamkeit, indem ihre Ideen Wirkung entfalten und sie Verantwortung für eine Gemeinschaft übernehmen“, sagt Fabian Reckel. „Wir wollen die Stadtgesellschaft in möglichst vielen Zügen darstellen.“
Die 80 Kinder und Jugendlichen verwandeln „Mini Dortmund“ in eine lebendige Kinderstadt. Geschlafen wird im Zeltlager, tagsüber gibt es jede Menge Aufgaben. „Wir haben ein Nachtlager gegenüber vom Zeltlager, so dass die Kinder in der Nacht vollständig betreut und begleitet werden“, so Grisko. In der Mitte des Zeltlagers ist ein großer Pavillon aufgestellt, der Bezirkstreff genannt wird – dort sitzen die Kinder und Betreuerinnen und Betreuer zusammen, bis es ins Bett geht. „Die letzten zwei Abende haben wir hier zum Beispiel noch Stockbrot gemacht – das gehört zum Campen einfach dazu“, so Fabian Reckel.
Das Zeltlager ist in vier Stadtbezirke aufgeteilt, in denen jeweils ein Bezirksbürgermeister bzw. eine Bezirksbürgermeisterin das Sprachrohr ihres jeweiligen Zeltlagers ist – eines davon wird von der gewählten Oberbürgermeisterin Lia bewohnt. Die Zeltlager bzw. „Stadtbezirke“ heißen „New DO“, „Schlumpfhausen“, „Green City“ und „Ladies in Red“ – das letzte Zeltlager besteht nur aus Mädchen. „Die Namen haben sich die Kinder selbst ausgesucht in unserem Beteiligungsverfahren“, ergänzt Sarah Grisko. Wer mit wem in einem Zelt schläft, wird selbst bestimmt, mit der Ausnahme, dass die Geschlechter getrennt voneinander in den Zelten schlafen müssen. „Verwandtschaft wird berücksichtigt: Wir haben hier zum Beispiel eine Cousine und einen Cousin, da möchte der Junge unbedingt bei der Cousine schlafen, weil er sonst Angst hat – das ist natürlich in Ordnung.“
Mini-Dortmund
Selbstbestimmtes Programm in den Workshops und in der Freizeit
Insgesamt stehen vier Workshops morgens auf dem Programm:
- Kunst & Kultur: Die „Mini Dortmunder“ legen hier ihr Programm immer wieder neu fest: Musik, Tanz, Theater und kreative Arbeit – alles ist möglich. Beispielsweise werden T-Shirts gebatikt.
- Tiere & Nachhaltigkeit: In diesem Workshop kümmern sich die Kinder und Jugendlichen um die Pflege der Tiere in der Erlebniswelt Fredenbaum und haben sich zusätzlich dazu entschieden, Jutebeutel zu gestalten.
- Handwerk: In der Holzwerkstatt entstehen hier Dinge, die für die Infrastruktur von Mini-Dortmund nötig sind.
- Öffentlichkeitsarbeit: Tag für Tag wird an einer Zeitung gearbeitet, um die Bürgerinnen und Bürger über die Arbeit und Erfolge in „Mini Dortmund“ zu informieren. Außerdem ist eine Fotosafari geplant. Leserbriefe werden auch berücksichtigt.
Täglich werden die Themen der Workshops demokratisch bestimmt, es gibt pro Workshop drei Angebote, über die dann abgestimmt werden: „Morgens besprechen wir, was wir einen Tag später machen werden“, erläutert der 10-jährige Jonathan. Die Workshops gehen täglich etwa zweieinhalb Stunden, bevor zu Mittag gegessen wird. Dann geht es in die Freizeitgestaltung.
Die restliche Zeit ist zum Spielen da, schließlich brauchen die Mini-Dortmunderinnen und Dortmunder auch viel Freizeit: Die Kinder und Jugendlichen werden mitunter ein Tischtennisturnier veranstalten, mit Airbrush arbeiten und am Lagerfeuer Stockbrot machen. Dazu wird es Gesellschaftsspiele geben. Es gibt auch Aktivitäten außerhalb des Camps. Am Donnerstag zum Beispiel geht es zum Hengsteysee zum Kanu fahren und schwimmen – mit Unterstützung des DLRG und Kolleginnen und Kollegen der Freizeitstätte Eichlinghofen.
Ob Inhalte der Workshops oder Freizeitaktivitäten – alles wird gemeinsam entschieden
Nachmittags tagt der Kinder-Stadtrat, der beispielsweise über Arbeitsaufträge für die Workshops oder über neue Ideen zur Freizeitgestaltung abstimmt – erst wird dies in der Bezirksregierung diskutiert, dann werden die Anträge im Rat abgestimmt.
Erste Anträge sind da schon eingegangen: Länger wachbleiben steht oben auf der Liste, auch eine Disco soll es geben. „Die Nachtruhe muss eingehalten werden, weswegen der Antrag des länger wach seins leider abgelehnt werden musste“, erklärt Fabian Reckel schmunzelnd. „Wir sind da ein bisschen dann wie die Bundesregierung: Die Kinder sind stellvertretend die Bundesländer, die Anträge stellen können, aber wir, die Betreuerinnen und Betreuer, sind der Bund und bestimmen dann, was umgesetzt wird.“
Und für das nächste Jahr wurde bereits wieder eine eigene Währung wie im vergangenen Jahr beantragt. „Die Beteiligungsverfahren werden so gut angenommen, dass der Kinderrat gar nicht hinterher kommt, die entsprechenden Anträge abzuarbeiten“, erklärt Sarah Grisko lachend. „Es wird unglaublich viel diskutiert über die Sachen.“ Zum Beispiel über das Frühstück. Da waren einige nicht zufrieden und wollten das Frühstück noch mit Müsli und Cornflakes ergänzen. „Dem Antrag wurde zugestimmt – heute gab es also neben Brötchen und Brot auch Müsli und Cornflakes“, so Fabian Reckel.
Das Wahlversprechen einer Disco erhielt auch eine Mehrheit im Rat – dann wird im Zeltlager getanzt. Die Musikwünsche der Kinder wurden im Vorfeld aufgenommen und in einer Playlist berücksichtigt.
Begleitet werden die Kinder und Jugendlichen von rund 50 pädagogischen Fachkräften, Studierenden der Sozialen Arbeit, Bundesfreiwilligendienstleistenden und ehrenamtlich Engagierten. Sie alle arbeiten in einem Schichtsystem und sind rund um die Uhr für die Kinder und Jugendlichen da. Durch die verlässliche Begleitung entsteht für die Kinder ein geschützter Raum, der Sicherheit, Gemeinschaft und Eigenverantwortung fördert und gleichzeitig Familien während der Sommerferien entlastet.
Noch bis zum 31. Juli 2026 gestalten Kinder und Jugendliche im Alter ihre eigene Stadt. Veranstaltet wird das Projekt von der Kinder- und Jugendförderung der Stadt Dortmund in Kooperation mit dem Dortmunder Jugendring.
Schlagwörter
Weitere Nachrichten