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schauraum: comic + cartoon

Ukrainische Comic-Künstler*innen zeichnen Traumata und Träume

Sie zeigen Traumata, Alltag und Zerstörung: Acht ukrainische Künstler*innen haben ihre bewegenden Erlebnisse als Comics aufgezeichnet. Zu sehen in der neuen Ausstellung „UKRAINE COMICS – Leben in der Kriegszone“ im schauraum: comic + cartoon.

Die überwiegend schwarz-weiße Comic-Zeichnung zieht sich über die gesamte Wand im Eingang des schauraum: comic + cartoon am Max-von-der-Grün-Platz gegenüber dem Hauptbahnhof. Wie ein Wimmelbild, nur nicht so lustig. Beim genauen Betrachten ist das „Kriegspanorama“ von Leo Reznik die akribisch gezeichnete Szenerie eines Stellungskrieges, nur die Kampfjets und Soldaten haben eher die Ästhetik eines Videospiels. Leo Reznik wurde zusammen mit seinem Zwillingsbruder Antony 1993 in Charkiw geboren. „Beide haben in Comics ihre Kriegserlebnisse aufgezeichnet – auch, um sie so zu verarbeiten“, sagt Kurator Titus Ackermann.

Die Bilder von Antony Reznik hängen gegenüber an der Wand. „Er hat das ,Herr der Ringe'-Setting für die Aufarbeitung seiner Traumata gewählt, sehr detailliert auf Kästchenpapier gezeichnet. Das sind zwei der wenigen Originale, die wir zeigen können“, sagt Sophia Paplowski, Leiterin des Schauraums. Sophia Paplowski, Titus Ackermann und der Comic-Sammler und -Experte Alexander Braun haben diese Ausstellung gemeinsam kuratiert.

Mit persönlichen Comics online Menschen erreichen

Die meisten Künstler*innen der Ausstellung „UKRAINE COMICS - Leben in der Kriegszone“ haben ihre Bilder online geschickt und auch so veröffentlicht. Viele leben noch in der Ukraine. Dort Comicmagazine oder Bücher zu produzieren, um viele Menschen zu erreichen, ist kompliziert geworden. Deshalb haben manche Bilder auch die quadratische Instagram-Ästhetik.

Wie die Bilderreihe „Großmutter“, in der sich Antony Reznik mit der pro-russischen Haltung seiner Großmutter auseinandersetzt. Daneben ist in dem in dunklem Rot gestrichenen Raum eine Stoffrakete ausgestellt, die tatsächlich in der Ukraine verkauft wird, genauso wie der Weihnachtspulli, auf dem erst auf den zweiten Blick der brennende Kreml zu erkennen ist. Oder Turnschuhe, die das Bildnis einer Madonna mit einer Abwehrrakete zeigen. Diese Ausstellungsstücke in den Vitrinen hat Comic-Experte Alexander Braun zusammengetragen.

Träume und Traumata mit der Welt teilen

Die Idee zur Ausstellung und die Basis dazu entstand schon kurz nach Beginn des Krieges im Team um Titus Ackermann und dem „Moga Mobo“-Comic-Magazin. Damals recherchierten die Herausgeber*innen nach ukrainischen Comic-Kollektiven, um die Sicht der Künstler*innen auf den Krieg zu zeigen. So erschien 2023 eine Extra-Ausgabe des Magazins mit ukrainischen Comics. Auf dem Comic-Salon in Erlangen 2024 wurden diese Arbeiten zum ersten Mal präsentiert. Sie erzählen Geschichten von Widerstand, Verlust, Hoffnung und dem alltäglichen Überleben inmitten eines anhaltenden Konflikts.

Wie die Geschichte von Anna Ivanenko und Jenya Polosina über Frauen im Militär, die die weibliche Sicht des Krieges spiegeln. Alle Geschichten erinnern daran, dass hinter den Schlagzeilen Menschen stehen: Künstler*innen, die ihre Erfahrungen, Ängste und Träume zu Papier bringen, um mit der Welt zu teilen, was Worte allein oft nicht ausdrücken können.

Zeichnungen für die Sammlung angekauft

So wie auch wie die Zeichnungen der Brüder Reznik, die heute in Berlin leben und arbeiten. Leo Raznik brachte sein „Kriegspanorama“, das aus mehreren Einzelzeichnungen besteht, sogar persönlich nach Dortmund, um es zusammen mit Sophia Paplowski zu arrangieren. Die Werke der Brüder hat der Comic-Schauraum für seine Sammlung angekauft. „Wir sind sehr stolz und berührt, dass uns die Künstler ihre persönlichen Zeichnungen anvertraut haben“, sagt Sophia Paplowski.

Zum Schauraum
Vielseitiges Rahmenprogramm zur Ausstellung

Zu sehen ist die Ausstellung „UKRAINE COMICS – Leben in der Kriegszone“ noch bis zum 2. November 2025.

Dazu gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm in Zusammenarbeit mit der Auslandsgesellschaft. Darunter Vorträge über die Geschichte der Ukraine (18. Juni, 17. September, 22. Oktober, 17 Uhr) in der Auslandsgesellschaft, die ukrainischen Filmtage im Dortmunder U, oder ein Kuratoren-Gespräch mit Titus Ackermann und Künstler*innen am 4. Juli im Schauraum.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog: UKRAINE COMICS – Leben in der Kriegszone, Hrsg. Titus Ackermann, Sophia Paplowski und Alexander Braun, Panini-Verlag.

Internationales Bildung

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