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Familien tauchen im Museum Ostwall „Kopfüber in die Kunst“

Das Museum Ostwall im Dortmunder U zeigt mit „Kopfüber in die Kunst“ ab dem 21. April eine Reihe von raumgreifenden Kunstwerken internationaler Künstler*innen. Passend für Kunstfans und Kinder mit Spaß an faszinierenden Entdeckungen.

Dicke, mit Fell überzogene Säulen geben bei Berührung Tierlaute von sich. „Du musst bei der Elefantenhaut ein bisschen fester streicheln“, sagt Kristina. Sie ist neun und eine der Kunst-Scouts, die spezielle Führungen für Kinder und Familien anbieten. In „Kopfüber in die Kunst – Vom Environment zur Immersion“ lädt ein Kunstparcours mit acht unterschiedlichen Installationen ein, Kunst mit dem Körper und allen Sinnen zu erfahren.

Bild: Roland Baege
Der „Schaumraum“ von Ferdinand Spindel lädt zum Erkunden, Fühlen und Fotografieren ein.
Der „Schaumraum“ von Ferdinand Spindel lädt zum Erkunden, Fühlen und Fotografieren ein.
Bild: Roland Baege

Leichter Zugang zur Kunst mit vielen Sinnen

Es ist eine organische Höhle in rosa – Schaumstoff zieht sich in Wellen an den Wänden entlang. Der „Schaumraum“ von Ferdinand Spindel lädt zum Erkunden, Fühlen und Fotografieren ein. Ein Selfie-Spot. Der Raum ist die erste Station dieses Ausstellungsparcours, der einen leichten Zugang für alle Sinne in die Kunst schafft. Und er hat viel mit der Geschichte des Museum Ostwall im Dortmunder U zu tun, das in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feiert.

Zurück zu den Anfängen des Museum Ostwall

Unter Direktor Eugen Thiemann (1967-1987) wurden im Museum erstmals Environments gezeigt, wie diese Arbeit von Ferdinand Spindel. Den „Schaumraum“ gab es schon einmal 1969 im Museum am Ostwall, nun anhand von Fotos aus dieser Zeit in Originalgröße rekonstruiert wurde. Ein Aufruf des Museums befragte Zeitzeug*innen, wie sie den damaligen „Schaumraum“ erlebt haben. „Zum Beispiel sagte eine Besucherin, dass man den Ausgang vom Eingang aus nicht gesehen hat. Das hat uns sehr geholfen,“ so Michael Griff, Kurator der Ausstellung.

Das gesamte Konzept der Ausstellung hat viel mit der im Wortsinn bewegten Geschichte des Museums zu tun. Auf einem Foto Ende der 60er Jahre sieht man Erwachsene, aber auch viele Kinder im Museum Ostwall. „Da wird bereits deutlich, dass schon Kinder von den Environments fasziniert waren. Die Ausstellung zieht einen Bogen zur unserer Museumsgeschichte“, sagt Museumsdirektorin Regina Selter.

Environment - Eintauchen in die Kunstwerke

Spätestens mit den Environments, des raumgreifenden Installationen der 1960er Jahre, haben Künstler*innen die Bewegung des Publikums im und um das Werk bewusst im Blick. Aus dem passiven Publikum werden Menschen, die mit allen Sinnen aktiv werden müssen, um in das Kunstwerk „einzutauchen“ – Kunstwerke sollen nicht mehr nur still und andächtig betrachtet werden; auch Bewegung und Spiel können zum Kunsterlebnis zählen. In einem Parcours aus acht Installationen können die Kunsträume aktiv erlebt und spielerisch erprobt werden.

Räume geraten in Bewegung

Wie zum Beispiel bei Marinella Pirellis Werk „Film Ambiente“ (1969/2004). Ein scheinbar durchsichtiger Kubus steht im Raum, darauf wird ein Film projiziert. Tatsächlich besteht das Raumgerüst aus transparenten Bahnen, durch die sich die Besucher*innen einen Weg hinein bahnen können, raschelnd durch die durchsichtigen Steifen gehen und somit mit ihrer Bewegung diese Elemente verändern. „Wir haben bei den Familiensonntagen im Dortmunder U Kinder gefragt, was sie sich für eine Ausstellung wünschen. Und Bewegung stand da an erster Stelle“, so die Kuratorin Viktoria von Pidoll.

Stefan Heitkemper
Leiter des Dortmunder U

Da haben wir jetzt über Jahre konsequent dran gearbeitet, dass das Dortmunder U ein Ort für Familien wird. Das zeigt sich jetzt auch in dieser Ausstellung.

Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Kinder turnen im Rathaus für die Kunst.
Kinder der Wilhelm-Röntgen-Realschule turnen mit ihrem Lehrer für die Kunstaktion „Sportstunde im Ratssaal” für die Ausstellung „Kopfüber in die Kunst” des Museum Ostwall im Dortmunder U.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki

„Sportstunde“ im Ratssaal

Die Interaktion mit Menschen ist auch für die Arbeiten von Christian Jankowski entscheidend. Im Auftrag des Museum Ostwall versammelte Jankowski Schüler*innen des 5. Jahrgangs der Wilhelm-Röntgen-Realschule aus Dortmund zu einer „Sportstunde“ im Ratssaal. Sie waren zum Teil schon bei der Eröffnung des neuen Ratssaals dabei und wissen, dass hier eigentlich Politiker*innen Entscheidungen für die Stadt und ihre Bürger*innen treffen. „Ich finde das beeindruckend, dass wir jetzt hier turnen, an so einem wichtigen Ort“, sagt Ben.

Christian Jankowski hat die Aktion eigens für die Ausstellung „Kopfüber in die Kunst" geplant: „Da geht es ja um Immersion, um Bewegung. Und ich finde es spannend, dass Kinder, auf die ja eine gewisse Macht ausgeübt wird, sich in einem Raum bewegen, in dem sonst politische Macht ausgeübt wird.“ Ziel ist es, den Raum, der eigentlich für politische Auseinandersetzungen genutzt wird, für eine Sportstunde umzufunktionieren. „Die Kinder sollen sich den Raum neu aneignen“, sagt Jankowski. Dadurch bekommt er eine neue Bedeutung. Die Performance wird als Videoinstallation in der Ausstellung präsentiert.

Kinder werden zu Expert*innen

Und schließlich die Säulen mit den Tierlauten: „un|fenced“ ist eine Interpretation des Gemäldes „Großer Zoologischer Garten“ von August Macke (1913, aus der Sammlung des Museum Ostwall). Es ist ein interaktives Environment, das in Zusammenarbeit mit dem Masterstudiengang Szenografie und Kommunikation der Fachhochschule Dortmund und dem Digitalen Koproduktionslabor des Dortmunder U entstanden ist. Die Tiere sind fühlbar, hörbar. Kunstscout Kristina führt gerade eine Gruppe hier durch, sie hat bei einem Osterferien-Workshop mitgemacht. „Und hier kannst du einen lauten Donner machen“, sagt Kunstscout Kristina, “der Schall wird nämlich durch das Mikrofon verstärkt.“ In dieser Ausstellung sind die Kinder eben die Expert*innen.

Bild: Roland Baege
Kinder stehen vor einer Wand mit einer tierischen Projektion.
Die Ausstellung ist für die ganze Familie gedacht.
Bild: Roland Baege

Weitere Informationen und Begleitprogramm online

Weitere Highlights im Ausstellungsparcours sind die Arbeiten von Joon Moon, in dessen Installation „Chasing Stars in Shadow“ (2021) Schattenkinder mithilfe einer Laterne und Bewegung aus der zweiten Dimension befreit werden müssen, und der immersive Raum „Field“ von Design I/O, in dem Pflanzenwelten erschaffen werden können. Carlos Cruz-Diez ist einer der wichtigsten künstlerischen Forscher des 20. Jahrhunderts zur Wirkung und den Einsatzmöglichkeiten von Farbe und Licht sowie deren Zusammenspiel im Raum. Seine Kunstwerke sind immer auch als immersive und dynamische Erfahrungen für Besucher*innen konzipiert, die in dieser Ausstellung seine Arbeit „Environnement Chromointerférent Translucide C“ (1974/2018) mitgestalten können.

Lesungen, Kino und Kunstworkshops für Kinder

Von Lesungen, über KinderUni, Kino, Kinderführungen durch die Kunst-Scouts – es gibt ein umfangreiches Programm für die ganze Familie. Die Ausstellung wird von einem vielseitigen Rahmen- und Vermittlungsprogramm aus über 80 Veranstaltungen begleitet, darunter Konzerte, Lesungen, Filme und Workshops. Weitere Informationen dazu finden sich online.

„Kopfüber in die Kunst“

Eine Ausstellung des Museum Ostwall im Dortmunder U
21. April bis 25. August 2024
Eröffnung: 21. April 2024 um 11:30 Uhr
Leonie-Reygers-Terrasse
44137 Dortmund
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So und an Feiertagen: 11.00 bis 18.00 Uhr, Do und Fr: 11.00 bis 20:00 Uhr

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Kultur & Freizeit

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