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Dortmund historisch

Historie und heute: Dortmund ist beim Hansetag dabei

Tradition verbindet. Vom 5. bis 8. Juni 2025 kommen in Visby auf der schwedischen Insel Gotland Delegationen der historischen Hansestädte zum 45. Internationalen Hansetag unter dem Motto „Gemeinsam weiter" zusammen. Auch die ehemalige Reichs- und Hansestadt Dortmund ist in Schweden vertreten.

Mosaik Hansekogge
Bild: Stadt Dortmund / Stadtarchiv
Dortmund als Hansestadt symbolisiert das Mosaik einer Hansekogge im Alten Hafenamt.
Bild: Stadt Dortmund / Stadtarchiv

Zu Zeiten der mittelalterlichen Hanse kamen die Hansestädte regelmäßig auf dem Hansetag zusammen. Dort wurden Handelsfragen erörtert und gemeinsame Beschlüsse gefasst. Diese Tradition der Hansetage greift der Städtebund „Die Hanse“ seit 1980 mit dem „Internationalen Hansetag der Neuzeit” wieder auf. Im jährlichen Wechsel ist eine andere Hansestadt Gastgeberin und lädt dazu ein, Tradition und Völkerverständigung zu feiern. Dortmund war zuletzt 1982 Gastgeberin des Traditionstreffens. In zahlreichen Aktionen, Märkten und Ausstellungen wird die Welt der Hanse auf dem Hansetag lebendig. Außerdem auf dem Programm: der aktuelle Gedankenaustausch zwischen den modernen Hansestädten.

Oberbürgermeister Thomas Westphal: „Dortmund ist eine Hansestadt mit großer Tradition. Das wird manchmal vergessen. Die Idee der Hanse: Verbinden und Freundschaften schließen, um in Ruhe Geschäfte zu machen – nicht der schlechteste Einfall. Deshalb ist die Hanse für Dortmund nach wie vor aktuell.“ Dortmund ist stolz, dieses Jahr bei der Premiere des Orgelfestivals in Visby dabei zu sein – mit einem musikalischen Beitrag von dem Reinoldikantor Christian Drengk. Neben dem Stand auf dem Hansemarkt bringt Dortmund außerdem die Künstlergruppe Artscenico mit nach Visby!

Die Bedeutung der historischen Hanse

Ein Mann und eine Frau führen eine Feuershow vor.
Bild: Stadt Dortmund / Niklas Kähler
Der alljährliche Hansemarkt erinnert an Dortmunds große Tradition als Hansestadt.
Bild: Stadt Dortmund / Niklas Kähler

Historisch feiert Dortmund mit der Zugehörigkeit zur Hanse im 14. Jahrhundert seine erste große Blütezeit. Der Hanse gehörten etwa 70 Städte fest an. Das vorrangige Ziel des Hanse-Bundes war die Sicherung der Handelswege über die Ostsee, dem Ausbau der Privilegien in anderen Staaten und gegenseitiger Hilfe im Kriegsfall. Die Tätigkeit der Hanse erstreckte sich auf den Norden Deutschlands und den gesamten Ostseeraum.

Dortmunds Rolle in der Hanse

Die Fundorte von in Dortmund geprägten, königlichen Münzen zeigen, dass bereits im 10. und 11. Jahrhundert Dortmunder Kaufleute weiträumig Handel betrieben. Dortmunder Händler*innen waren im gesamten Nord- und Ostseeraum tätig und unterhielten schon früh vielfältige Handelskontakte.

Ein Zeugnis aus dem ausgehenden 13. Jahrhundert belegt die wichtige Rolle Dortmunds und die Bedeutung der diesjährigen Gastgeberstadt Visby für die Hanse: Die sogenannten Adlerleute aus Dortmund und Soest sollten neben denjenigen aus Lübeck und Gotland einen Schlüssel zu der Truhe in der Marienkirche in Visby auf Gotland aufbewahren. Der Inhalt: wichtige Dokumente und Überschüsse aus dem Russlandhandel der Hansekaufleute. Dortmund entwickelte sich also zu einer der bedeutendsten Hansestädte des späten Mittelalters.

Dortmund wird international

Anfangs waren Dortmunder Kaufleute vor allem in östlichen Ländern präsent. Ein Indiz dafür: Die Verehrung des Stadtpatrons Reinoldus in weit entfernten Städten. In Danzig oder Thorn etwa gab es so genannte Reinoldusbänke.

Mit der wachsenden Bedeutung Lübecks orientierten sich die Dortmunder Kaufleute seit dem 13. Jahrhundert aber mehr nach Westen. Vor allem in Brügge, später Antwerpen, und in London zählten sie zu den wichtigsten Hansekaufleuten. Im Hundertjährigen Krieg (1337 bis 1453) unterstützten Angehörige der Hanse – auch aus Dortmund – die Engländer finanziell gegen Frankreich, weil sie sich davon Vorteile für den Woll- und Tuchhandel auf dem Kontinent versprachen.

Dortmund im Mittelalter als Modell.
Bild: Stadt Dortmund / Martin Baumeister
Dieses Stadtmodell Dortmund aus der späten Phase der Hanse 1610 ist im Museum für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen.
Bild: Stadt Dortmund / Martin Baumeister

Englands Krone in Dortmunder Besitz

Im 14. Jahrhundert war sogar die große Königskrone Englands auf Umwegen in die Hände eines Konsortiums von westfälischen Kaufleuten unter Dortmunder Führung gelangt, bevor der englische König 1344 seine Schulden bei ihnen begleichen konnte und seine Krone wiederbekam.

Womit handelten Dortmunder Kaufleute?

Angehörige der Dortmunder Kaufmannsfamilien betrieben für die Handelsimperien ihrer Familien Niederlassungen in London oder Brügge, Lübeck oder Danzig, Tallinn oder Krakau, um vor Ort die Geschäfte zu führen. Einige ihrer Namen sind noch heute im Dortmunder Stadtleben präsent: Berswordt, Sudermann, Klepping, Muddepenning, Wißstrate oder Wickede. Dortmunder Fernkaufleute handelten unter anderem mit Produkten der einheimischen Schmiede und Goldschmiede; die große Anzahl von Kürschnern im spätmittelalterlichen Dortmund dürfte auf den intensiven Import, die Verarbeitung und den Weiterverkauf von kostbaren Pelzen aus Nowgorod, der ältesten Stadt Russlands, hinweisen. Die kostbaren Altaraufsätze aus Antwerpen und Brügge in den Dortmunder Kirchen deuten darauf, dass auch Kunstwerke und andere Luxuswaren wichtige Handelsgüter nach Osten waren, die von Dortmunder Kaufleuten vermittelt wurden.

Der Niedergang der Hanse begann im 16. und 17. Jahrhundert als schleichender Prozess. Der letzte Hansetag in Lübeck 1669 markiert ein Ende. Die Hanse hatte zuvor zunehmend an Einfluss und Bedeutung verloren, da sich die politischen und wirtschaftlichen Strukturen in Europa veränderten und neue Handelswege und -partner entstanden.

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