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Ausstellung "Staying West" lässt kritisch auf Western blicken

Das Genre Western prägte das letzte Jahrhundert deutlich. Zuletzt wurden Western aber kritisch betrachtet. In der Ausstellung "Staying West" im schauraum: comic+cartoon, die am 22. September um 18:00 Uhr im Studio B eröffnet, richtet sich der Blick auf diskussionswürde Elemente: Was davon entspricht der Realität, was ist Fiktion?

Bild: Maximilian Mann
Kurator Dr. Alexander Braun zeigt die Vielfältigkeit des Western-Genres in Comics.
Kurator Dr. Alexander Braun zeigt die Vielfältigkeit des Western-Genres in Comics.
Bild: Maximilian Mann

Das Western-Genre hat das 20. Jahrhundert geprägt wie kaum ein anderes. Es war allgegenwärtig in Form von Groschenromanen, Kinofilmen, TV-Serien und Comics und übt bis heute eine große Faszination aus.

Die Ausstellung "Staying West" im schauraum: comic + cartoon präsentiert anhand von Originalexponaten die spannende Geschichte des Westerns im Comic: von Karl May zu Walt Disney, von Prinz Eisenherz zu Bessy und Silberpfeil, von MAD zu Ralf Königs Lucky Luke-Parodie. Eröffnet wird die von Dr. Alexander Braun kuratierte Schau am Freitag, 22. September, 18:00 Uhr im Studio B (Max-von-der-Grün-Platz 7).

Kulturelle Aneignung?

Das Western-Genre stand zuletzt wiederholt unter Beschuss: Noch immer ist den indigenen Völkern Nordamerikas keine Gerechtigkeit widerfahren; zu Recht wird über kulturelle Aneignung debattiert. Vertreter indigener Völker kritisieren das Beharren auf Stereotypen: "Hugh" als Gruß, Tipi, Marterpfahl, Skalpieren etc. – solche unerträglich gewordenen Klischees beleidigen die Vielfalt und Unterschiedlichkeit indigener Kultur. Die "Eroberung des Westens" bleibt ein ambivalentes Kapitel aus heroischen Pioniertaten, Völkermord und Raubbau an der Natur.

Bild: Maximilian Mann
Walt Disney hat viele Comic-Figuren im Western-Style erschaffen.
Walt Disney hat viele Comic-Figuren im Western-Style erschaffen.
Bild: Maximilian Mann

Doch es lohnt es sich, genau hinzuschauen: Was ist reine Fiktion, und wo haben populäre Kunstformen wie der Comic schon sehr früh im 20. Jahrhundert eine Lanze für die Kultur der Indigenen Nordamerikas gebrochen?

Abenteuer und Abgründe

Comics spiegeln die Ambivalenz des Western-Genres wider. Sie bedienen Klischees, stellen aber auch früh kritische Fragen. Mal geht es in den Geschichten um abenteuerlichen Eskapismus, mal um düstere Abgründe der menschlichen Natur. Gerade europäische Comiczeichner legten früher und nachdrücklicher den Finger in die Wunden von Rassismus und Völkermord.

Von den "Canyon Kiddies" bis Lucky Luke

Aber auch Zeichner wie Harold Foster (1892-1982) ignorierten früh alle Klischees und schilderten indigenes Leben respektvoll und authentisch bis in die Details. James Swinnerton (1875-1974) trug mit seinen "Canyon Kiddies" schon in den 1920er-Jahren einen authentischen Indian-Spirit ins Herz der amerikanischen Mittelklasse – zu einer Zeit, als in Hollywood noch skalpiert wurde und die Indianer-Darstellungen allein auf ein Angst- und Gewalt-Potenzial zielten.

Bild: Maximilian Mann
Kurator Dr. Alexander Braun in der Ausstellung.
Kurator Dr. Alexander Braun in der Ausstellung.
Bild: Maximilian Mann

Während US-Leser*innen der Mythos von der "Eroberung des Westens" eher heilig war, galt Wild West für Europäer*innen als ein aufregender und großer Abenteuerspielplatz, eine ideale Projektionsfläche für Sehnsüchte, Spannung, aber eben auch Humor, wie das Beispiel "Lucky Luke" beweist, der auch nach 77 Jahren erfolgreich von einem Abenteuer zum nächsten reitet.

Zur Ausstellung erscheint ein Buch: Alexander Braun: Staying West. Comics vom Wilden Westen. Salleck Publications, 272 Seiten, Preis im schauraum: comic + cartoon: 25 Euro (Buchhandel EUR 49 Euro), zusammen mit Katalog „Going West“ von 2015: 45 Euro.

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