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Dortmunds Wirtschaftsfaktor Eisenbahn: Da ist Zug drin

Es ist eine wichtige Weichenstellung für die Dortmunder Wirtschaft: Früher als geplant kann die Deutsche Bahn mit dem Bau des neuen ICE-Werks am Dortmunder Hafen beginnen. Am Mittwoch, 20. November, erfolgte der Baustart für das Megaprojekt der DB in der Eisenbahn-Stadt Dortmund. OB Thomas Westphal: „Dortmund wird deutschlandweit zu einem Hotspot der Bahntechnik.“ Spätestens jetzt ist klar: Der Wirtschaftsfaktor Eisenbahn ist ein starker Triebwagen für Industrie und Jobs in der Stadt.

Bild: Deutsche Bahn
Das Gelände des ICE-Werks Dortmund Hafen
Das Gelände des ICE-Werks Dortmund Hafen ist 25 Hektar groß. Kernstück ist die viergleisige Werkstatthalle mit einer Länge von 480 Metern
Bild: Deutsche Bahn

Bis 2007 diente das 25 Hektar große Areal mehr als 100 Jahre lang als Güterbahnhof. Danach lag es bis 2022 im Dornröschen-Schlaf. Nach Planfeststellung und Offenlegung erfolgte nun die Baugenehmigung. Das Großprojekt hat nicht nur gigantische räumliche, sondern auch wirtschaftliche Dimensionen: 400 Millionen Euro investiert die Bahn in das neue Instandsetzungswerk. 500 neue Jobs werden geschaffen. Kernstück des neuen Job-Paradieses ist die viergleisige Werkstatthalle mit einer Länge von 480 Metern sowie Behandlungs- und Abstellanlagen für die Wartung, Reparatur und Reinigung der Züge. Laut Fahrplan soll der Betrieb 2027 starten.

Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Erster Spatenstich für das ICE-Werk Dortmund Hafen
„Ein guter Tag für Dortmund": Erster Spatenstich für das ICE-Werk Dortmund Hafen.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Entwicklung im ICE-Tempo

Zum ersten Spatenstich kam auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst. Er betont: „Die Investitionsentscheidung der Deutschen Bahn im Ruhrgebiet bestätigt nicht nur die hervorragenden Standortortbedingungen mitten im Herzen Europas, sie ist auch ein wichtiges Signal für die Menschen und die Wirtschaft.“

Dr. Michael Peterson, DB-Vorstand Personenfernverkehr ist vom Standort Dortmund überzeugt: „Das ist ein guter Tag für Dortmund und alle unsere Fahrgäste. Wir bauen gemeinsam Zukunft, weil sich diese Ruhrgebietsmetropole auch in schwierigen Zeiten innovativen Herausforderungen stellt. Hier entsteht ein neues Werk im ICE-Tempo. Allen Beteiligten in den Behörden von Bund und Stadt sowie dem Land NRW möchte ich ausdrücklich hierfür danken.“ Bis zu 330 km/h bringt ein ICE auf die Schiene. In ähnlicher Geschwindigkeit wird in Dortmund der Wirtschaftsfaktor Eisenbahn aufs Gleis gesetzt.

 Dr. Michael Peterson, DB-Vorstand Personenfernverkehr.
Dr. Michael Peterson, DB-Vorstand Personenfernverkehr
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Das ist ein guter Tag für Dortmund und alle unsere Fahrgäste. Wir bauen gemeinsam Zukunft, weil sich diese Ruhrgebietsmetropole auch in schwierigen Zeiten innovativen Herausforderungen stellt. Hier entsteht ein neues Werk im ICE-Tempo.

Bild: Siemens Mobility
Das Instandhaltungswerk für den Rhein-Ruhr-Express (RRX) in Dortmund
2018 wurde ein neu errichtetes Instandhaltungswerk für den Rhein-Ruhr-Express (RRX) in Betrieb genommen.
Bild: Siemens Mobility

„In Dortmund spielt die Musik“

Bereits im vergangenen Jahrzehnt investierte Siemens Mobility 80 Millionen Euro auf dem 70-Hektar-Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs Dortmund-Eving in ein regional lebenswichtiges Gegenwarts- und Zukunftsprojekt: 2018 wurde ein neu errichtetes Instandhaltungswerk für den Rhein-Ruhr-Express (RRX) in Betrieb genommen. Im Rail Service Center in Dortmund-Eving warten und reparieren seitdem 75 Mitarbeiter die 82 elektrischen Triebzüge des RRX vom Typ Desiro HC über einen Zeitraum von 32 Jahren. Mittlerweile werden hier auch Züge weiterer Hersteller und Bauarten gewartet. Ein Siemens-Sprecher: „In Dortmund spielt die Musik. Das Werk ist für uns ein Leuchtturm im Bereich der Instandhaltung und Wartung. Technologisch ist es top in Europa.“

Bild: Siemens Mobility
Mitarbeiterin im RRX-Werk Dortmund.
Die Jobs im RRX-Werk sind Paradebeispiele für moderne Malocher-Arbeitsplätze.
Bild: Siemens Mobility

Moderne Malocher-Arbeitsplätze

Die Werksbeschäftigten sind Paradebeispiele für moderne Malocher-Arbeitsplätze. Bluetooth & Co. ersetzen den Blaumann: Sämtliche Instandhaltungsprozesse können komplett papierlos gesteuert werden. Die Mitarbeiter*innen erhalten ihre Arbeitsaufträge sowie alle Informationen, die sie für Reparaturen und Wartungsmaßnahmen benötigen, auf Tablets zur Verfügung gestellt. Hierfür liefern die Züge über eine Reihe von Sensoren Zustandsdaten, die an das Depot gesendet und dort verarbeitet werden.

Prüf-Premiere: Das RRX-Depot verfügt über eine hochmoderne Fahrzeug-Inspektions-Anlage (AVI), die erstmals in Deutschland zum Einsatz kommt. Während der Einfahrt der Züge in das Depotgelände passieren sie die Anlage und bei jedem Fahrzeug werden automatisch Räder, Achsen und Laufflächenprofile mit modernster Lasertechnologie überprüft.

Auch Siemens investiert weiter

Im Frühjahr gab Siemens Mobilitiy seine Ausbaupläne für das Dortmunder Werk bekannt: 150 Millionen Euro investiert das Unternehmen, um seinen Standort in Dortmund-Eving um 87.550 m² zu erweitern. Auf der neuen Fläche ist der Bau einer zusätzlichen, 12.300 m² großen Werkstatthalle geplant für die betriebsnahe Instandhaltung von bis zu 400 Meter langen Schienenfahrzeugen inklusive Lager, Büroräumen und Werkstätten. Der Neubau soll bis 2026 fertiggestellt werden. Nach der Erweiterung umfasst das Siemens Mobility-Depot in Dortmund insgesamt 157 Hektar, bis zu 250 Mitarbeitende sollen am Standort beschäftigt werden.

„Spähenfelde“: Schienentradition mit großer Zukunft

Ein Standort mit großer Eisenbahn-Historie in Dortmund ist das Werk Spähenfelde mit einer fast 90-jährigen Geschichte. Früher wurden hier Reisezüge, Sonderzüge und Touristikzüge gewartet. Heute ist „Spähenfelde“ ein wichtiger bundesweiter Knotenpunkt für die ICE- und IC-Flotte. Das belegen die Zahlen des Betriebspensums: 55 ICE und 33 IC1 und IC2 sind wöchentlich in der Instandhaltung im Werk Spähenfelde. In der Regel ICE 3 und ICE T. Der ICE 3 ist mit über 300 km/h der schnellste Zug der DB-Flotte; der ICE T ist mit seiner Neigetechnik in der Lage, in Kurven schneller zu fahren.

Dortmund verantwortet die Leitwerksfunktion, bündelt also am Standort das Fachwissen, für den ICE T. Außerdem werden hier wöchentlich 307 Züge verschiedener Baureihen bereitgestellt.

Bild: Stadt Dortmund / Martin Baumeister
Eisenbahngleise in Dortmund
„Spähenfelde“ ein wichtiger bundesweiter Knotenpunkt für die ICE- und IC-Flotte.
Bild: Stadt Dortmund / Martin Baumeister

Die Bahn betont: „Als Arbeitgeber ist das Werk Spähenfelde regional von großer Bedeutung.“ Aktuell arbeiten 514 Menschen im Werk - die meisten von ihnen in der Instandhaltung. Hinzu kommen rund 100 Auszubildende im gewerblich-technischen Bereich – viele von ihnen werden für den Einsatz im zukünftigen ICE-Werk Dortmund-Hafen ausgebildet.

Auch die Ausdehnung des Riesenwerkes beeindruckt: Die Gesamtfläche beträgt rund 62.250, die überbaute Fläche etwa 29.000 Quadratmeter. Das Herzstück ist die Werkstatt mit ihren drei Hallen. In der längsten von ihnen haben die Gleise eine Nutzlänge von 340 Metern. Besonderheiten: Es gibt eine „Waschanlage für Züge“ (Außenreinigung), Bahnsteige für die Innenreinigung sowie eine Unterflurdrehbank zur regelmäßigen Wartung der Räder.

Logistik-Schlagader im Revier

Die traditionsreiche Dortmunder Eisenbahn GmbH ist bereits seit 1899 eine Logistik-Schlagader im Revier. Das Unternehmen der Captrain-Gruppe mit 284 Mitarbeitenden betreibt Werksbahnen für die Stahlindustrie und transportiert Güter für die Bau-, Holz oder chemische Branche. Die Dortmunder Eisenbahn verfügt selbst über eine Fläche von ca. 140.000 Quadratmetern und betreibt über eine Tochtergesellschaft 33 Kilometer Gleis im Dortmunder Hafen.

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