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Interview

Fünf Fragen an Stadtbeschreiberin Ika Sperling

Die Comic-Zeichnerin Ika Sperling ist noch bis Ende Oktober Dortmunder Stadtbeschreiberin. Wie hat sie Dortmund bisher erlebt? Welchen Rat würde sie jungen Menschen geben, die kreativ werden wollen? Und was sind eigentlich „Zines“? Lesen Sie in unserem Kurzinterview fünf spannende Antworten der Stadtbeschreiberin.

Ika Sperling wurde 1996 in Mainz geboren und wuchs in einem kleinen Dorf in Rheinhessen auf. Sie studierte an der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg Illustration. Dem Comic-Publikum wurde sie mit der Graphic-Novel „Der große Reset“ bekannt. Seit Mai ist Sperling Stadtbeschreiberin in Dortmund – und gibt gern einen Einblick in diese Zeit und ihre Pläne für „danach“.

Frau Sperling, seit Mai 2025 sind Sie Stadtbeschreiberin in Dortmund, sind also sozusagen bereits in der zweiten Halbzeit. Welches Resümee ziehen Sie, wie kommen Ihnen Dortmund und die Menschen hier entgegen?

Bild: Johannes Schriek
Ika Sperling steht vor einem Kiosk.
„Man kann in Dortmund einfach sehr viel machen und lernt schnell neue Leute kennen“, so Ika Sperlings bisherige Erfahrung in der Stadt.
Bild: Johannes Schriek

Ika Sperling: Ich mag Dortmund sehr gerne, ich finde es superschön hier! Allein das Leben im Kreuzviertel finde ich einfach toll. Ich habe in der Stadt sehr schnell Anschluss gefunden. Und abgesehen davon bin ich sehr froh, dass mein Stipendium als Stadtbeschreiberin über ein halbes Jahr geht. Dafür bin ich dem Kulturbüro Dortmund und dem Literaturhaus sehr dankbar!

Eine meiner ersten Aktivitäten war, mich nach Kampfsportangeboten zu erkundigen. Ich mache Muay Thai (Anm. der Redaktion: eine traditionelle thailändische Kampfsportart) und habe den offenen Kampfsporttreff im Sozialökologischen Zentrum gefunden. Da trainiere ich einmal in der Woche und habe dort sogar selbst einen Kurs geleitet. Außerdem mache ich beim Hochschulsport der TU Dortmund Kickboxen.

Dort habe ich auch die ersten Freund*innen kennengelernt, mit denen ich auch schon einiges unternommen habe. Man kann in Dortmund einfach sehr viel machen und lernt schnell neue Leute kennen.

Sie haben unter anderem bereits einen Workshop im Fritz-Henßler-Haus gegeben – wie haben Sie diesen aufgezogen?

Ika Sperling: Also, ich finde es sehr schwer, jemandem das Zeichnen beizubringen. Das kann ich, glaube ich, gar nicht (lacht). Aber jemandem Comic beibringen fällt mir relativ leicht. Viele denken ja, ich muss erst richtig gut zeichnen können, und dann kann ich einen Comic versuchen. Mein Motto ist: Fang einfach an, du kannst es dann später noch richtig gut machen.

Das ist ein bisschen wie beim Sport: Viele denken, man müsse erst hart Kondition bolzen, und dann könne man zum Beispiel Kampfsport machen. Ich sage: Mach erst einmal den coolsten Kampfsport, den du dir vorstellen kannst, und dann wirst du automatisch besser und fitter.

Im Workshop habe ich die jungen Leute motiviert, einfach das zu zeichnen, was ihnen in den Sinn kam. Und dann schauen wir, was wir damit machen. Ihr könnt es später noch mal neu und besser zeichnen. Meistens ist das, was man zuerst macht, am coolsten.

Das Ziel in dem Workshop war, dass jede*r an einem Tag ein Zine machte. Das ist eine kleine kurze Abfolge von Bildern, die eine kleine Handlung ergeben. Am Ende hat man dann ein kleines Heft. Man kann das einfach so auf den Kopierer ballern und 50 Stück davon drucken. Das ist ein Weg, relativ schnell eine kleine Publikation zu machen. Das Zine kommt ursprünglich aus dem Punk.

Ika Sperling
Ika Sperling
Dortmunder Stadtbeschreiberin (Mai bis Oktober 2025)
Bild: Gregor Stockmann

Fang einfach an, du kannst es dann später noch richtig gut machen.

Gibt es schon Ideen, die Sie aus Dortmund mit in Ihre Arbeit aufnehmen möchten?

Bild: Ika Sperling
Eine Reihe von Zeichnungen in Form sogenannter Zines, das sind einfach gesagt Mini-Comics.
Eine Reihe von Zeichnungen in Form sogenannter Zines, das sind einfach gesagt Mini-Comics.
Bild: Ika Sperling

Ika Sperling: Was mich grafisch schon lange interessiert, ist das Thema ehemalige Industriegebiete. Das soll auch als Nebenhandlung in die Graphic-Novel einfließen, an der ich gerade arbeite. Hier hat Dortmund mit seiner Pflege der Industriekultur sehr viel zu bieten, nehmen wir nur das Beispiel Phoenix West. Seit Anfang August mache ich regelmäßig Zines über verschiedene Sachen in Dortmund – eins davon auch über Phoenix West. Gerade mache ich eins zum Thema „Stipendium und Arbeit“. Auf den Gedanken haben mich die jungen Leute aus dem Workshop gebracht. Für mich selber hatte ich schon länger kein Zine mehr gemacht, aber Zines sind eine tolle Möglichkeit, sich seine Umwelt grafisch zu erschließen.

Und dann möchte ich gerne eine Gruppe von jungen Leuten, die so in der Innenstadt abhängen, fragen, ob ich mit denen mal einen Tag verbringen kann. Einfach mal sehen, was die so machen, und sie, wenn’s passt, mal fragen, was ihnen an Dortmund gefällt und sie natürlich auch zeichnen. Das kostet mich einiges an Überwindung, weil ich natürlich Sorgen habe, dass die mich mit Tomaten bewerfen oder ausbuhen (lacht).

Und ich finde das Thema Brombeeren sehr interessant (lacht), ich habe das Gefühl, es gibt in Dortmund sehr, sehr viele davon. Ich habe auch schon Brombeermarmelade eingekocht.

Gibt es schon Pläne für die Zeit „nach“ Dortmund?

Manchmal denke ich, ich möchte am liebsten hierbleiben. Die Leute hier in Dortmund sind supernett, man kommt mit den Menschen sehr gut in Kontakt und es gibt immer etwas Interessantes zu entdecken. Es gab bisher keinen Abend, an dem ich zuhause auf der Couch gelegen habe.

Und, was mir sehr wichtig ist: Dortmund hat eine echte Beziehung zum Comic. Die Aussage, man möchte die Comic-Hauptstadt von Deutschland werden, trifft es auf den Punkt. Ich hoffe, Dortmund bleibt auf diesem Weg!

Ist Dortmund schon eine Comic-Stadt ?

Auf jeden Fall! Ich kenne viele Leute, die Comics machen, und die haben Dortmund definitiv auf dem Schirm. Sei es, weil sie hier schon zu Lesungen waren oder einen Workshop gemacht haben. Oder nehmen wir die vorletzte Ausstellung „BlackComics“ im schauraum: comic + cartoon : Die Ausstellung war für mich eine Ausnahmeerscheinung im deutschsprachigen Raum!

Und ein tolles Zeichen in die Szene hinein ist der noch junge Dortmunder Comic-Preis , gerade in Zeiten, wo die Förderung von Kultur tendenziell wieder abgebaut wird und es sowieso nur wenig Förderung für das Comic-Genre gibt. Dortmund ist schon sehr etabliert, was das angeht.

Um Comic-Hauptstadt Deutschlands zu werden, könnte Dortmund noch einen Masterstudiengang Comic einführen! Mit dem Schwerpunkt Comic und grafischer Erzählung. Die erste Stadt, die diesen Studiengang hat, die wird Comic-Hauptstadt Deutschlands! Und, ganz wichtig: In diesem Studiengang sollte nicht unterschieden werden zwischen Manga und Comic. Das passiert oft, und das ist sehr schade. Es gibt eine ganze Generation von jungen Comic-Zeichner*innen wie mich, die durch Mangas das Zeichen gelernt haben. Denen man dann aber sagte, nein, mach Manga nicht in die Mappe, das wirkt unprofessionell.

Ein Masterstudiengang würde viele, vor allem junge Leute, anziehen, die Comics machen. Dazu braucht man natürlich die nötigen Fachleute und die beruflichen Perspektiven, das man die Leute nach dem Studium auch in Dortmund hält. Zum Beispiel durch ein Arbeitsstipendium, um die ersten Schritte in der Branche gehen zu können.

Die Vorgeschichte

Interview: Torsten Tullius

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