Sicherheit & Ordnung
„Es reicht!": Klinikum Dortmund schützt Personal mit Bodycams
Als erstes Krankenhaus bundesweit testet das Klinikum Dortmund Bodycams in den Notaufnahmen - und sieht nach den ersten Wochen bereits einen verbesserten Schutz der Mitarbeiter vor Bedrohungen und gewalttätigen Übergriffen.
Es habe in den ersten Wochen der insgesamt dreimonatigen Testphase bereits mehrere Anlässe gegeben, in denen die bloße Ankündigung, die kleine Kamera am Kittel anzuschalten, geholfen habe, eine sich hochkochende Situation zu beruhigen, schilderte Thorsten Stohmann, Leiter der Zentralen Notaufnahme.
„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass allein das Tragen der Cams tatsächlich nicht nur auf das Gegenüber deeskalierend wirkt, sondern auch bei uns dazu führt, dass wir uns ein bisschen sicherer fühlen“, ergänzt Christian Eggers, der die Notaufnahme am Klinikstandort Nord leitet.
Wie kommen die Kameras zum Einsatz?
Seit mehr als einem Monat können Mitarbeiter in den vier Notaufnahmen des großen Klinikums freiwillig Bodycams tragen - und einschalten, wenn sich im Empfangsbereich Konflikte mit Wartenden oder Patienten erkennbar zuspitzen. Während medizinischer Behandlungen oder in vertraulichen Gesprächen werden sie nicht eingesetzt.
Die Kamera darf zudem nur nach deutlicher Ankündigung aktiviert werden und verfüge über einen zusätzlichen Notrufknopf. Das Projekt sei laut Klinikum im Vorfeld rechtlich geprüft und mit dem Betriebsrat abgestimmt worden. Insgesamt wurden 24 Bodycams angeschafft: jeweils acht für die Notaufnahmen Nord und Mitte sowie jeweils vier für die zwei Kinderklinik-Aufnahmen.
„99,9 Prozent der Kontakte sind freundlich"
Hintergrund der Maßnahme sei ein Anstieg der Gewalttaten und Angriffe auf das Personal in Krankenhäusern, insbesondere in Notaufnahmen, schilderte Michael Kötzing, Arbeitsdirektor der Klinik. „Wir haben die Bodycam-Testphase eingeführt, weil wir gesagt haben: Es reicht!“
Zwar benehme sich nur ein verschwindend geringer Anteil der Patienten in der Notaufnahme daneben, für diese Fälle brauche es aber ein wirksames Mittel der Prävention.
Michael Körzing: „99,9 Prozent der Kontakte mit Patienten oder Angehörigen sind freundlich, respektvoll und herzlich. Da macht eine Bodycam keinen Sinn. Aber wir haben im gesamten Klinikum pro Jahr rund 100.000 dieser Kontakte. Da summieren sich die Fälle, die negativ auffallen, das Personal bedrohen oder körperlich übergriffig werden.“
Bodycam sind Teil eines Maßnahmenpaketes
Die Bodycams seien aber nur eine Maßnahme in einem ganzen Paket, betonte er. So kommt in den Notaufnahmen bereits ein Sicherheitsdienst zum Einsatz, der nach dem Wunsch der Geschäftsführung künftig rund um die Uhr präsent sein soll. Zudem werden unter anderem Deeskalationstrainings und Selbstverteidigungskurse angeboten, es gibt Notrufknöpfe für die Tasche und es sind bauliche Veränderungen an den Zugängen vorgesehen. Nach der Testphase der Bodycams sei auch eine Ausweitung auf weitere Klinikbereiche denkbar.
Die Testphase im Klinikum Dortmund stößt deutschlandweit auch bei anderen Krankenhäusern auf Interesse. „Ich kann mich vor Anfragen betreffend unsere Erfahrungen mit dem Bodycam-Einsatz kaum retten“, sagt Michael Körzing.
Das ist das Klinikum Dortmund
Das
Mit 26 Kliniken, 40 Zentren und fünf Instituten bietet das Klinikum Dortmund Spitzenmedizin aller Fachrichtungen mit Ausnahme der Psychiatrie. Mit rund 600 Ausbildungsplätzen ist das Klinikum Dortmund der zweitgrößte Ausbildungsbetrieb in der Region.
Das Klinikum Dortmund befindet sich zu 100 Prozent in kommunaler Trägerschaft. Zudem ist das Haus Klinikum der Universität Witten/Herdecke.
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