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Freizeit und Kultur

Ausstellung im Schulmuseum erzählt vom Aufbruch der Jugend

Wie war es, in dieser Ära des Aufbruchs zur Schule zu gehen? Welche (schul-)politischen Reformen gab es? Darum geht es in der Ausstellung "Talking ‘bout my generation – Der Aufbruch der Jugend in den 1960er- und 70er-Jahren", die vom 4. Juni bis 22. Oktober im Westfälischen Schulmuseum zu sehen ist.

Juliane Rückert, Wissenschaftliche Volontärin im Westfälischen Schulmuseum, und Hans Schreiber, Leiter des Archivs für populäre Musik im Ruhrgebiet e.V., geben Einblick in die neue Ausstellung.
Bild: Maximilian Theissig / Schulmuseum
Juliane Rückert, Wissenschaftliche Volontärin im Westfälischen Schulmuseum, und Hans Schreiber, Leiter des Archivs für populäre Musik im Ruhrgebiet e.V., geben Einblick in die neue Ausstellung.
Bild: Maximilian Theissig / Schulmuseum

Aufbruch und Abkehr von strengen gesellschaftlichen Regeln, Forderungen nach mehr Freiheit und Proteste für Selbst- und Mitbestimmung: In den "wilden" 1960er- und 70er-Jahren distanzierten sich Schüler*innen und Student*innen von der Erwachsenengeneration, nicht nur durch ihr anderes Erscheinungsbild. Im Lehrplan fand naturwissenschaftliches Wissen immer mehr Raum, Themen wie gewaltfreie Erziehung und sexuelle Aufklärung kamen auf. Vor allem das Jahr 1968 steht für die politischen und geschichtlichen Ereignisse, aber auch für pädagogische, modische und musikalische Veränderungen.

In dieser Zeit aufzuwachsen - das will die Ausstellung "Talking ‘bout my generation – Der Aufbruch der Jugend in den 1960er- und 70er-Jahren" widerspiegeln, die vom 4. Juni bis 22. Oktober im Westfälischen Schulmuseum zu sehen ist.

Eine Zeitreise in die 1960er-Jahre…

Der Rundgang durch die Sonderausstellung beginnt in den 1960er-Jahren, der Zeit des "Wirtschaftswunders". Sogenannte Stellvertreterkriege wie der Vietnamkrieg bewegten die Gesellschaft. Die Generation der "Babyboomer" wollte die weitgehend tabuisierte Zeit des Nationalsozialismus aufarbeiten. Das Jahr 1968 gilt als Höhepunkt der (jugendlichen) Protestbewegungen dieser Zeit.

Die Jugendlichen stellten die gesellschaftlichen Regeln immer mehr in Frage. Sie betonten ihren Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit auch durch andere Frisuren und Kleidung – so wurde der Minirocks stark diskutiert. Auch Musik von Bands wie "The Beatles" oder "The Rolling Stones" beeinflusste die Jugendlichen in den 1960er-Jahren und prägte diese Ära. Die erste Mondlandung 1969 löste ein großes technisches Interesse und eine Begeisterung für die Raumfahrt aus.

Ausgaben der Zeitschrift "Bravo" von 1968.
Bild: Charlotte Herzog
Ausgaben der Zeitschrift "Bravo“ von 1968
Bild: Charlotte Herzog

… und in die 1970er-Jahre

Die Zeitreise führt weiter in die 1970er-Jahre, als die entstehende Hippie-Kultur die Wohn- und Modetrends beeinflusste. Florale Motive und Moden wie die Schlaghose wurden immer beliebter. Gesellschaftliche, politische und kulturelle Ereignisse wie die Ölkrise oder die Verbrechen der terroristischen Vereinigung RAF prägten die späten 1960er- und vor allem die frühen 1970er-Jahre.

Zugleich wollten sich die jungen Menschen während der aufkommenden "Discowelle" mit Besuchen in den Clubs und Discotheken von ihren Alltagssorgen ablenken und ein Gefühl von Freiheit erleben. Individualität und Demokratie wurden zu wichtigen Werten, für die zunehmend junge Menschen auf die Straße gingen und sich bei Protestaktionen für ihre Rechte und Freiheiten einsetzten.

Schulreformen

Ein Artikel des Pädagogen Georg Picht über die sogenannte "Bildungskatastrophe" attestierte deutschen Schüler*innen eine im internationalen Vergleich schlechte Bildung. Auch vor diesem Hintergrund wurde 1969 die Einrichtung der Gesamtschulen im Modellversuch beschlossen. Weitere Schul- und Bildungsreformen wie das "Hamburger Abkommen" wurden angestoßen.

Objekte aus der Sammlung des Westfälischen Schulmuseums erzählen von den neuen Lehrmitteln und dem erweiterten Lehrplan zu dieser Zeit. So wurde aus den USA der Trend der "New Math" übernommen und mithilfe bunter Klötzchen die Mengenlehre vermittelt. Fremdsprachen wurden nun im Sprachlabor gelernt. Wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens wurde die Verkehrserziehung immer wichtiger und fand Eingang in die Schulfibeln. Auch die Abkehr vom traditionellen Familienmodell spiegelte sich in den Fibeln.

Die Sonderausstellung entführt junge und ältere Besucher*innen in die ereignis- und folgenreiche jüngere Vergangenheit.

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