Newsroom

Holocaust-Gedenken

Jüdische Familie Reich bekommt Stolpersteine in Dortmund - Ausstellung zur "Polenaktion" in der Steinwache eröffnet

In einer Massenaktion wurden 1938 rund 17.000 Menschen aus dem Deutschen Reich nach Polen ausgewiesen. Darunter waren auch Mitglieder der jüdischen Familie Reich, für welche am 6. Juni 2023 in der Leopoldstraße Stolpersteine verlegt wurden. Die aktuelle Sonderausstellung in der Steinwache thematisiert ebenfalls die sogenannte "Polenaktion".

Alan Reich, zusammen mit seinem Bruder Martin und dem Künstler Gunter Demnig, der seit 1996 die Stolpersteine in Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus verlegt.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Die bei der "Polen-Aktion" verfolgten Menschen waren Jüd*innen polnischer Staatsangehörigkeit, die im Deutschen Reich lebten. Bis heute ist diese Deportationsaktion in der Erinnerung wenig präsent.

In der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache erzählt die Ausstellung "Ausgewiesen! 28. Oktober 1938 - Die Geschichte der 'Polenaktion'" nun u.a. davon, wie auch 600 Männer, Frauen und Kinder aus Dortmund von dieser ersten reichsweit organisierten und gewalttätig durchgeführten Massenausweisung betroffen waren. Biografische Tafeln stellen Lebenswege und Schicksale von Ausgewiesenen aus verschiedenen Städten und Orten in Deutschland dar, Kontexttafeln erläutern die Hintergründe.

Die Nachfahren der Überlebenden aus der Familie Reich vor "ihrer" Tafel in der Ausstellung "Ausgewiesen!"
Bild: Stadt Dortmund / Eleni Arapidis
Die Nachfahren der Überlebenden aus der Familie Reich vor "ihrer" Tafel in der Ausstellung "Ausgewiesen!".
Bild: Stadt Dortmund / Eleni Arapidis

Schicksal der Dortmunder Familie Reich

Bei der Verlegung der Stolpersteine am Dienstag, 6. Juni, sprach auch Martin Reich aus England. Er und sein Bruder Alan sind Nachfahren der Familie Reich, die im Oktober 1938 aus Dortmund deportiert wurde und für die am Vormittag des 6. Juni 2023 Stolpersteine in der Leopoldstraße 20 verlegt wurden. Ihr Vater konnte als Kind rechtzeitig vor den Nazis in Sicherheit gebracht werden, dessen Eltern jedoch wurden ermordet.

Von seinen Großeltern - Markus Leib Mordechai Reich und Regina Rebecca Reich - so erzählte Martin Reich, gebe es keine Fotos, keine Erinnerungsstücke. Sie waren einst aus Polen nach Deutschland gekommen, um ein besseres Leben für ihre Familie zu finden. Rund 20 Jahre hätten sie mit ihren Kindern in Deutschland gelebt, bevor sie bei der "Polenaktion" deportiert wurden.

Historischer Hintergrund der "Polenaktion"

Wie von Dr. Alina Bothe, Historikerin am Selma-Stern-Zentrum für Jüdische Studien an der Freien Universität Berlin, darlegt, handelte es sich bei der "Polenaktion" um eine Deportation vor den Deportationen, die maßgeblich für die Beschleunigung der Verfolgung von Jüd*innen 1938 war. Demnach war die Ausweisungsaktion durch die deutschen Täter bereits Monate im Voraus geplant und organisiert.

Alan Reich ordnet die Geschehen rund um seine Familie wie folgt ein: "Die 'Polenaktion' ist eine Ereignis, das durch die später erfolgten Geschehnisse nahezu in Vergessenheit geraten ist. Doch ist die 'Polenaktion' ein wesentlicher Teil des Ganzen - sie kann als eine Art Generalprobe für das verstanden werden, was folgte; koordinierte Festnahmen und Deportationszüge nach Polen."

Dr. Alina Bothe (links) führte die Anwesenden durch die neue Sonderausstellung. Auch der Leiter der Steinwache, Markus Günnewig (rechts), war dabei.
Bild: Stadt Dortmund / Eleni Arapidis
Dr. Alina Bothe (links) vom Selma-Stern-Zentrum für Jüdische Studien führte die Anwesenden am 6. Juni durch die neue Sonderausstellung "Ausgewiesen!". Auch der Leiter der Steinwache, Markus Günnewig (rechts), war dabei.
Bild: Stadt Dortmund / Eleni Arapidis

Mit Blick auf seine Vorfahren sagt Reich: "Viele jüdische Familien sind durch die Taten der Nationalsozialisten zerstört worden, und ich persönlich bleibe mit mehr Fragen als Antworten zurück. Ich möchte mehr wissen über das Leben, das meine Familie hier in Dortmund hatte - um zu verstehen, was vor den brutalen Deportationen kam und was passierte, bevor mein Vater und seine beiden Geschwister zu Geflüchteten in England wurden."

Mahnende Erinnerungen

Die Wanderausstellung "Ausgewiesen! 28. Oktober 1938 - Die Geschichte der 'Polenaktion'" basiert auf einer vom Osteuropa-Institut der Freien Univerität Berlin und dem Aktiven Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V. gemeinsam mit Studierenden erarbeiteten Ausstellung zur Geschichte der "Polenaktion" in Berlin, die 2018 in der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum und 2019 im Jüdischen Historischen Institut Warschau gezeigt wurde.

Die offizielle Eröffnung der Ausstellung findet am 6. Juni um 19:00 Uhr statt, die Tafeln können auch vorher schon bei einem Besuch der Steinwache angeschaut werden. Die Schau ist bis zum 30. September zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Familie

Weitere Nachrichten

Mehr Nachrichten
zur Nachricht „Back to the Beats" 2026: Das Juicy Beats Festival findet statt „Back to the Beats" 2026: Das Juicy Beats Festival findet statt
Fr 6. Februar 2026
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki
zur Nachricht Führungen am Sonntag: Lucky Luke, Kaiserviertel oder Mittelalter? Führungen am Sonntag: Lucky Luke, Kaiserviertel oder Mittelalter?
Fr 6. Februar 2026
Eine Besucherin betrachtet die Lucky Luke Ausstellung im Comic-Schauraum in Dortmund.
Bild: Maximilian Mann
zur Nachricht Wegen Update: Technische Einschränkungen bei Online-Services am Dienstag Wegen Update: Technische Einschränkungen bei Online-Services am Dienstag
Fr 6. Februar 2026
Zwei Männer arbeiten an Schreibtischen am PC
zur Nachricht „Wir haben eine Arbeit zu erledigen“: Der Neujahrsempfang im Konzerthaus „Wir haben eine Arbeit zu erledigen“: Der Neujahrsempfang im Konzerthaus
Do 5. Februar 2026
Bild: Stadt Dortmund / Stephan Schütze
zur Nachricht Stadt Dortmund investiert rund 21,6 Mio. Euro in Erhalt und Instandsetzung städtischer Gebäude Stadt Dortmund investiert rund 21,6 Mio. Euro in Erhalt und Instandsetzung städtischer Gebäude
Do 5. Februar 2026
Ein Gebäude wird abgerissen.
Bild: Stadt Dortmund / Städtische Immobilienwirtschaft
zur Nachricht „Mehr Ernte kann man nicht einfahren“: Preis für Macher des PHOENIX Sees „Mehr Ernte kann man nicht einfahren“: Preis für Macher des PHOENIX Sees
Mi 4. Februar 2026
Hörde
Preisverleihung "Dortmunder Dialog"
Bild: Stadt Dortmund / Leopold Achilles
zur Nachricht Pilotprojekt am Hundeweg: Stadt Dortmund testet neue Solar-Leuchten unter Realbedingungen Pilotprojekt am Hundeweg: Stadt Dortmund testet neue Solar-Leuchten unter Realbedingungen
Mi 4. Februar 2026
Hörde
Ein Fahrradfahrer fährt abends auf einem Fahrradweg.
Bild: Stadt Dortmund / Hendrik Konietzny
zur Nachricht Neue Kreuz-Grundschule wird kompakt, klimafreundlich – und optisch ein Highlight Neue Kreuz-Grundschule wird kompakt, klimafreundlich – und optisch ein Highlight
Di 3. Februar 2026
Innenstadt-West
Visualisierung der künftigen Kreuz-Grundschule.
Bild: Kresings Architektur Münster GmbH / Kleusberg Verwaltungs-GmbH
zur Nachricht Japanische Popkultur: Anime-Kult-Laden hat jetzt ein Zuhause in der Dortmunder City Japanische Popkultur: Anime-Kult-Laden hat jetzt ein Zuhause in der Dortmunder City
Di 3. Februar 2026
Ladenlokal „Tokyo Heartbeats“
Bild: Stadt Dortmund / Larissa Tieling
zur Nachricht „Eng mit der Stadt verbunden“: Dortmund trauert um Rita Süssmuth „Eng mit der Stadt verbunden“: Dortmund trauert um Rita Süssmuth
Mo 2. Februar 2026
Bild: Stella von Saldern
zur Nachricht Welttag der Feuchtgebiete: Wie Dortmund seine Biotope schützt Welttag der Feuchtgebiete: Wie Dortmund seine Biotope schützt
Mo 2. Februar 2026
Naturschutzgebiet am Lanstroper See. Menschen laufen auf einem Gehweg rechts vom See.
Bild: Stadt Dortmund / Stefanie Kleemann
zur Nachricht Bewerbungsphase für Berufskollegs und gymnasiale Oberstufe startet Bewerbungsphase für Berufskollegs und gymnasiale Oberstufe startet
Mo 2. Februar 2026
Auf dem Foto sieht man eine Gruppe von Frauen und Männern, die auf eine Tafel schauen.
Bild: Stadt Dortmund / Luisa Kunz
zur Nachricht Trauer um Marco Bülow Trauer um Marco Bülow
Fr 30. Januar 2026
Marco Bülow
Bild: Stadt Dortmund / Stephan Schütze
zur Nachricht Internationaler Saatgut-Tausch-Tag: Dortmund macht beim ewigen Pflanzen-Kreislauf mit Internationaler Saatgut-Tausch-Tag: Dortmund macht beim ewigen Pflanzen-Kreislauf mit
Fr 30. Januar 2026
Saatgutbibliothek
Bild: Stadt Dortmund / Silke Hempel
zur Nachricht Inke Arns, Bruno Knust und Ursula Mehrfeld erhalten die städtische Ehrennadel Inke Arns, Bruno Knust und Ursula Mehrfeld erhalten die städtische Ehrennadel
Do 29. Januar 2026
OB Kalouti ehrt Inke Arns, Bruno Knust und Ursula Mehrfeld mit der städtischen Ehrennadel.
Bild: Stadt Dortmund / Stephan Schütze