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Erinnerungskultur

Neue Ausstellung "Aber ich lebe" zeigt grafische Geschichten zu Erinnerungen an den Holocaust

Die aktuelle Ausstellung im schauraum: comic + cartoon beschäftigt sich mit den Erinnerungen von vier Überlebenden des Holocaust. In einem internationalen Projekt entstand in der Zusammenarbeit von Zeitzeugen und drei Künstler*innen der Comicband "Aber ich lebe - Den Holocaust erinnern", der Grundstein für die gleichnamige Ausstellung.

Bild: Stadt Dortmund / Eleni Arapidis
Ein Blick in die Ausstellung "Aber ich lebe" im schauraum: comic + cartoon. An der Wand hängt ein Porträtfoto des Überlebenden David Schaffer und ein Porträt der Comic-Künslterin Miriam Libicki. Im Hintergrund sind Ausschnitte aus dem Comic zu sehen, in dem es um David Schaffers Überlebensgeschichte geht.
Einer der Überlebenden ist David Schaffer. Die Künstlerin Miriam Libicki hat in Zusammenarbeit mit ihm das Comic "A kind of resistance / Jenseits der Regeln" geschaffen.
Bild: Stadt Dortmund / Eleni Arapidis

Wie können Erinnerungen und Berichte aus dem Holocaust vermittelt und für die Nachwelt festgehalten werden? Diese Frage bekommt mit fortschreitender Zeit eine immer größere Relevanz, da immer weniger Zeitzeugen am Leben sind, um ihre Geschichten selbst zu erzählen.

Das vielschichtige Projekt „Aber ich lebe“, eine Zusammenarbeit von Überlebenden, Comic-Künstler*innen, Fachleuten für Holocaust- und Menschenrechtspädagogik, Historiker*innen sowie Bibliotheken und Archiven, stellt sich der Aufgabe des Bewahrens und Vermittelns auf ungewöhnliche Weise: Es lässt grafische Geschichten entstehen, für die es nahezu keine dokumentarischen Vorlagen gibt.

Die Geschichten der Zeitzeugen, die alle vier als Kinder den Holocaust überlebten, sind trotz ihrer Ähnlichkeiten individuell. Emmie Arbel überlebte als kleines Mädchen die Konzentrationslager Ravensbrück und Bergen-Belsen. David Schaffer entkam dem Genozid in Transnistrien, weil er sich nicht an die Regeln hielt. Die Brüder Nico und Rolf Kamp, von ihren Eltern getrennt, wurden vom niederländischen Widerstand an 13 verschiedenen Orten vor ihren Mördern versteckt.

Sehgewohnheiten aufbrechen, Erinnerungen vermitteln

Die entstandene Anthologie „Aber ich lebe“, herausgegeben von Dr. Charlotte Schallié (Universität von Victoria, Kanada), und die Ausstellung im schauraum: comic + cartoon, kuratiert von Jakob Hoffmann, brechen Sehgewohnheiten und Bilder des Holocaust auf. Die Geschichten visualisieren unmittelbar und auf ergreifende Weise ein unfassbares Geschehen und schaffen gleichzeitig ein neues Erinnerungsarchiv für zukünftige Generationen. Das Medium Comic erweist sich dabei als starkes Mittel zur Rekonstruktion des visuell nicht Dokumentierten, als plausible, subjektive und möglichst wahrhaftige Erzählung jenseits der fotorealistischen Abbildung.

Anhand von Originalzeichnungen, Skizzen, Archivmaterial und Interviews mit Beteiligten beleuchtet die Ausstellung auch den Entstehungsprozess des Buches.

Die Geschichten und ihre Aufzeichnung

Den Weg für die Kunstform Comic bzw. Graphic Novel als ernstzunehmendes Medium - insbesondere wie in diesem Fall für die Erzählung von Erinnerungen aus dem Holocaust´ - wurde von Art Spiegelmans Werk "Maus" geebnet, das 1992 mit einem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Ähnlich wie "Maus" thematisieren auch die Comics der Anthologie "Aber ich lebe" ihren eigenen Schaffensprozess und die Schwierigkeiten, die sich dabei ergeben haben.

Im schauraum: comic + cartoon können Besucher*innen über bereitgestellte Kopfhörer sich Interviews anhören, zum Beispiel mit der Künstlerin Miriam Libicki aus Kanada. Für die Ausstellung kooperieren schauraum: comic + cartoon, Stadtmuseum Erlangen und Comic-Salon Erlangen. Zur Ausstellung gehört ein umfangreiches Begleitprogramm aus Lesungen, Workshops, Vorträgen, Filmen und Gesprächen.

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