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Gedenken

20 Jahre nach grausamer Tat: Dortmund erinnert an Mehmet Kubaşık

Am 4. April 2006 stürmen Neonazis in einen Kiosk in der Dortmunder Nordstadt. Sie richten ihre Waffe auf den Dortmunder Mehmet Kubaşık – und schießen. Ein kaltblütiger Mord aus tiefem Hass, der bis heute unvergessen ist, der bis heute schockiert und der bis heute tiefe Trauer in Dortmund hinterlassen hat, bei der Familie und den Freunden des damals 39-Jährigen sowie bei vielen Dortmunderinnen und Dortmundern.

Bild: Stadt Dortmund / Stephan Schütze
Oberbürgermeister Alexander Kalouti (vorne l.) mit Mehmet Kubaşıks Tochter, Gamze Kubaşık.
Oberbürgermeister Alexander Kalouti (vorne l.) mit Mehmet Kubaşıks Tochter, Gamze Kubaşık, am Mahnmal für die Opfer des NSU in der Steinstraße.
Bild: Stadt Dortmund / Stephan Schütze

20 Jahre später, am 4. April 2026, versammeln sich hunderte Menschen an der Gedenkstätte Kubaşıks in der Dortmunder Nordstadt. Es ist ein stiller Moment. Das Leid und die Trauer sind auch an diesem Tag greifbar, genau wie das Unverständnis und vor allem auch die Wut über den rechtsextremen Terror, der hinter der Tat steht. Der Dortmunder Familienvater ist damals das achte von insgesamt zehn Opfern des Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). Neun Menschen mit Migrationshintergrund sowie eine Polizistin kommen im Zeitraum von 2000 bis 2007 ums Leben.

Gedenken an die Opfer der NSU-Morde
Alexander Kalouti
Oberbürgermeister der Stadt Dortmund
Bild: Stadt Dortmund / Stephan Schütze

Wer Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer Religion angreift, der greift uns alle an. Aber der wird auch die Entschlossenheit der Gesellschaft zur Verteidigung von Freiheit und einer offenen Gesellschaft fürchten müssen.

Trauernde aus ganz Deutschland

Bild: Stadt Dortmund / Stephan Schütze
Trauernde Menschen an der Gedenkstätte von Mehmet Kubaşık
Am 4. April wurde auch der anderen NSU-Opfer gedacht. An der Gedenkstätte für Mehmet Kubaşık legten zahlreiche Menschen Kränze und Blumen nieder.
Bild: Stadt Dortmund / Stephan Schütze

Am Tag des Gedenkens hat sich nicht nur die Familie Kubaşık mit der Dortmunder Stadtgesellschaft versammelt, um an diese grausamen Taten zu erinnern. Auch Familienangehörige der anderen Opfer aus Köln oder Nürnberg sind angereist. Minutenlang legen sie Blumen nieder. Anstecker und Aufkleber zeigen das Gesicht Kubaşıks. Gerahmte Bilder werden verteilt, die auch an die anderen Opfer des rechten Terrors erinnern.

Auch Dortmunds Oberbürgermeister Alexander Kalouti ist die Bestürzung über die Tat an diesem Tag anzusehen. Er steht neben Kubaşıks Tochter Gamze und richtet seinen Blick schweigend auf die Gedenkstätte. „Wir werden uns als Stadt, als Gesellschaft, einem solchen Terror immer entgegenstellen. Wer Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer Religion angreift, der greift uns alle an. Aber der wird auch die Entschlossenheit der Gesellschaft zur Verteidigung von Freiheit und einer offenen Gesellschaft fürchten müssen“, sagt Kalouti.

Hendrik Wüst bei der Gedenkfeier zum 20. Todestag von Mehmet Kubasik.
Hendrik Wüst
Ministerpräsident des Landes NRW
Bild: Stadt Dortmund / Stephan Schütze

Mehmet Kubaşık war einer von uns. [...] Nordrhein-Westfalen bleibt weltoffen und solidarisch. Hass und Hetze haben in unserem Land keinen Platz.

Trauerzug zum Mahnmahl an der Steinstraße

Bild: Stadt Dortmund / Stephan Schütze
Hunderte nehmen am Trauermarsch für Mehmet Kubaşık teil
Hunderte nehmen am Trauermarsch für Mehmet Kubaşık teil.
Bild: Stadt Dortmund / Stephan Schütze

Von der Gedenkstätte geht es in einem Trauerzug weiter zum Dortmunder Hauptbahnhof. Dort findet eine Kundgebung des gesellschaftlichen Bündnisses „Tag der Solidarität – kein Schlussstrich“ am NSU-Mahnmal an der Steinstraße statt, bei der auch Ministerpräsident Hendrik Wüst auf der Bühne steht.

„NRW bleibt weltoffen“

Bild: Stadt Dortmund / Stephan Schütze
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst bei der Gedenkfeier zum 20. Todestag von Mehmet Kubasik.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst sprach bei der Gedenkfeier zu den Versammelten an der Nordseite des Hauptbahnhofs.
Bild: Stadt Dortmund / Stephan Schütze

„Vor 20 Jahren war ein schwarzer Tag in der Geschichte unseres Landes“, so NRW-Ministerpräsident Wüst. „Mehmet Kubaşık war einer von uns. Wir sind in Gedanken bei der Familie Kubaşık, die unfassbares Leid, aber auch Verdächtigungen und Diffamierungen ertragen musste. Die Erinnerung an Mehmet Kubaşık mahnt uns alle zu entschlossenem Handeln: Nordrhein-Westfalen bleibt weltoffen und solidarisch. Hass und Hetze haben in unserem Land keinen Platz“, ist der Ministerpräsident über die Lautsprecher zu hören.

Es ist ein Nachmittag, der zeigt, dass der Mord an Mehmet Kubaşık unvergessen bleibt. Und das eine Stadt bis heute zeigen will, dass Hass keinen Platz in Dortmund hat.

Text: Markus Trümper

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