Stadt Dortmund Wappen
Newsroom

Gesundheit & Ernährung

Impulse aus Kopenhagen: Verpflegung in Kitas und Schulen soll gesünder werden

Die Delegation aus Vertreterinnen und Vertretern der Stadtverwaltung, Ratspolitik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ist aus Kopenhagen zurück und hat viele Inspirationen mitgebracht. Für zwei Tage war die Delegation in die dänische Hauptstadt gereist, um sich über nachhaltige und gesundheitsfördernde Kita- und Schulverpflegung zu informieren.

Die 27 Teilnehmenden der Fachexkursion tauschten sich vor Ort mit verschiedenen Expertinnen und Experten für die Kopenhagener Gemeinschaftsverpflegung aus. Die Exkursion wurde möglich gemacht durch eine Kooperation mit der Königlichen Dänischen Botschaft, dem Dänischen Fachverband für Ernährung und Landwirtschaft und dem „plantbased food grant“, einem staatlichen Programm in Dänemark zur Förderung pflanzlicher Lebensmittel.

Kopenhagen hat wieder mehr Frischeküchen

Bild: Christian Schön / Laura Heiduk
Klassenzimmer in der Essensschule der Zentralküche EAT.
Klassenzimmer in der Essensschule der Zentralküche EAT.
Bild: Christian Schön / Laura Heiduk

Als internationale Vorreiterstadt im Bereich nachhaltiger und gesunder Außer-Haus-Verpflegung bot Kopenhagen wertvolle Einblicke in strategische Ansätze und erfolgreiche Umsetzungsmodelle. In einem umfassenden Prozess wurde in den letzten 15 Jahren die Versorgung in den über 1.000 städtischen Einrichtungen von der Kita bis zum Seniorenheim auf eine hochwertige, gesunde und nachhaltige Frischküche umgestellt. Mittlerweile erreicht die Stadt dort einen Bio-Anteil von 90 Prozent, der als Ziel auch politisch vorgegeben ist. An konkreten Beispielen vor Ort wurde während der Exkursion sichtbar, wie die Außer-Haus-Verpflegung nach sozial- und umweltpolitischen Zielen ausgerichtet sein kann und gleichzeitig zur lokalen Wertschöpfung beiträgt.

Neben der von der Politik der Stadt Kopenhagen ebenfalls geforderten nachhaltigen Lebensmittelbeschaffung trägt vor allem auch der gezielt von der Stadt vorangetriebene (Wieder-)Aufbau von Frischküchen in kleinen und großen städtischen Einrichtungen zu einer qualitativ hochwertigen Verpflegung bei. Durch einen starken pflanzlichen Schwerpunkt bei den Speisen ist es möglich, die Qualität nahezu budgetneutral zu heben.

Aber da auch in Kopenhagen nicht an jeder Schule oder in jedem Stadtteil Platz für eine eigene Frischeküche ist, wurde die Zentralküche EAT gebaut, die aktuell ca. 50 Schulen und 6.500 Schülerinnen und Schüler in Kopenhagen mit qualitativ hochwertigem Schulessen beliefert. Die einzelnen Schulstandorte haben Aufwärmküchen, wo das Essen von Schülerinnen und Schülern angerichtet und ausgegeben wird. EAT hat das dänische Bio-Siegel in Gold, was bedeutet, dass zwischen 90 und 100 Prozent der verwendeten Produkte ökologisch sind.

Stefan Szuggat, Dezernent für Umwelt, Planen und Wohnen betont: „In der EAT Zentralküche in Kopenhagen werden nicht nur extrem hohe ökologische Standards erreicht, sondern durch das Konzept auch täglich bis zu 400 Grundschüler*innen an der Zubereitung der Mahlzeiten beteiligt. Das fördert gesundes und klimafreundliches Ernährungsverhalten und Kochkompetenzen von Klein auf.“

Kurze Lieferwege und regionale Lebensmittel

Bild: Stadt Dortmund / Laura Heiduk
Gruppenbild vor der Zentralküche EAT.
Gruppenbild vor der Zentralküche EAT. Der Stadt Kopenhagen ist es wichtig, dass das Essen möglichst nah am Konsumort (Schule) produziert wird. Aktuell werden 6.500 Kinder täglich in rund 50 Schulen beliefert. Die Bio-Quote entspricht mit über 90 Prozent dem dänischen Goldstandard.
Bild: Stadt Dortmund / Laura Heiduk

Die Delegation aus Dortmund besuchte auch eine Madskola („Essensschule) an einer Schule mit Frischeküche. Davon gibt es insgesamt 25 in Kopenhagen. Die Stadt verfolgt das Ziel, die Essensproduktion möglichst nah an die Schulen zu bringen, um kurze Lieferwege zu haben und um Lebensmittel regional beschaffen und somit die regionale Wertschöpfung fördern zu können. Mehr Frischeküchen sind erklärtes Ziel. In der besuchten Madskola machen die Siebtklässler rotierend jeweils Praktika in der Küche und sind in dieser Zeit vollwertige Mitglieder des Küchenteams. Sie übernehmen früh Verantwortung, ihre Koch- sowie Teamkompetenzen wachsen parallel dazu.

In Dortmund sind viele Akteurinnen und Akteure an der Organisation, und Gestaltung der Mittagsverpflegung in Schulen und Kitas beteiligt. Die Verpflegung ist sehr unterschiedlich organisiert, so dass ein einheitliches Qualitätsniveau nicht durchgängig gewährleistet ist. An Grund- und Förderschulen, bzw. im offenen Ganztag, gibt es kaum Frischeküchen, sondern Aufwärmküchen. Die OGS-Träger, die auch für die Verpflegung verantwortlich sind, orientieren sich an der Anweisung, externes Catering zu organisieren. In einer Bestandsaufnahme wurde jüngst der Status Quo der Kita- und Schulverpflegung in Dortmund erhoben. Der Bericht ist online verfügbar.

„In Kopenhagen haben wir erfahren, wie mit einfachen Maßnahmen eine ökologisch ausgewogene Ernährung umgesetzt werden kann – und das ohne erhebliche Mehrkosten“, sagt Karen Schubert-Wingenfeld. Sie ist stellvertretende Geschäftsführung beim Paritätischen Wohlfahrtsverband, der sich als OGS-Träger in Dortmund engagiert. „Die Reise hat zudem den fachlichen Austausch und die Vernetzung untereinander gestärkt. Sie hat deutlich gemacht, dass die qualitative Weiterentwicklung der Verpflegung im Offenen Ganztag ein gemeinsamer Prozess ist, den wir partnerschaftlich gestalten und voranbringen wollen. Unser Ziel ist klar: Alle Kinder sollen von einem guten und gesunden Verpflegungsangebot profitieren.“

FABIDO ist Vorreiter in Dortmund

Vorreiter in Dortmund ist der städtische Kitaträger FABIDO. In 48 von insgesamt 89 Einrichtungen wird täglich in Wirtschaftsküchen frisch gekocht. Die Bio-Quote liegt aktuell bei knapp 70 Prozent. Ausschlaggebend für den Erfolg waren neben einer starken Verankerung nachhaltiger Prinzipien im Gesamtkonzept des Trägers, politische Beschlüsse der Stadt (z.B. die Charta Faire Metropole Ruhr 2030), der enge Austausch sowie das Mitwirken der Küchenleitungen in regelmäßigen Arbeitskreisen.

Städtische Vorgaben können Schlüssel sein

Bild: Stadt Dortmund / Viola Schulze Dieckhoff
Die Dortmunder Delegation konnte bei Meyers Madhus selbst Hand anlegen und ausprobieren.
Die Dortmunder Delegation konnte bei Meyers Madhus selbst Hand anlegen und ausprobieren.
Bild: Stadt Dortmund / Viola Schulze Dieckhoff

In Kopenhagen wurde deutlich, dass städtische Vorgaben für die Qualität in Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung den Ausschlag geben. Beim Dänischen Fachverband für Ernährung und Landwirtschaft machte Line Rise Nielsen, eine ehemalige Mitarbeiterin der Kommune Kopenhagen und Gründerin des Food LabsChanging Food“ deutlich: „Die Aufgabe einer Kommune besteht darin, die Ernährung ihrer Bevölkerung aktiv mitzugestalten.“ Ziel müsse es sein, eine Verpflegung anzubieten, die gesundheitsfördernd, nährstoffreich und nachhaltig ist. Auf diese Weise könnten Kommunen einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Gesundheit ihrer Bürgerinnen und Bürger sowie zu mehr Klimaschutz leisten.

Auch in Dortmund wurden bereits Ziele und Maßnahmen für eine gesundheitsfördernde und nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung im Offenen Ganztag mit dem „Qualitätsrahmen Ganztägige Förderung für Kinder im Grundschulalter“ festgelegt.

„In Kopenhagen ziehen alle Akteurinnen und Akteure an einem Strang“, sagt die Dezernentin für Schule, Jugend und Familie Monika Nienaber-Willaredt. „Die Mittagsverpflegung wird als weit mehr als ein organisatorischer Baustein des Alltags gesehen. Auch in Dortmund sehen wir es so. Die Mittagsverpflegung ist ein zentraler Bestandteil einer qualitativ hochwertigen Ganztagsbetreuung – und damit ein entscheidender Faktor für die Gesundheit, Chancengleichheit und Entwicklung unserer Kinder. Wir möchten, dass alle Kinder in Dortmund in Kitas, Schulen und Jugendfreizeitstätten gesund, lecker und klimafreundlich miteinander essen können.“

Gemeinsam soll nun in Dortmund in den kommenden Jahren an einer schrittweisen Umsetzung der Anforderungen für den Offenen Ganztagsbereich gearbeitet werden. Die Exkursion nach Kopenhagen, bei der auch Verantwortliche aus der Trägerlandschaft des Offenen Ganztags mit dabei waren, bot konkrete Inspiration für die Weiterentwicklung in Dortmund.

Beratungsleistungen für die Küchen sind wichtig

Bild: Stadt Dortmund / Viola Schulze Dieckhoff
Bei Meyers Madhus, dem House of Food in Kopenhagen, gab es unter anderem auch ganz praktische Tipps.
Bei Meyers Madhus, dem House of Food in Kopenhagen, gab es unter anderem auch ganz praktische Tipps.
Bild: Stadt Dortmund / Viola Schulze Dieckhoff

In „Meyers Madhus“ (House of Food) in Kopenhagen wurde exemplarisch deutlich, wie städtische Vorgaben und starke Zusammenarbeit aller beteiligten Akteuriinnen und Akteure einen Wandel hin zur besseren Qualität in der Gemeinschaftsverpflegung bedeuten kann. Der Ort agiert als zentraler Beratungsort in Kopenhagen: Es besteht eine enge Partnerschaft mit den öffentlichen Küchen in der Kommune Kopenhagen, die von Meyers Madhus praxisnah beraten werden, um Geschmack, Nachhaltigkeit und Bioanteil budgetneutral voranzubringen.

In Deutschland gibt es bundesweit adaptierte Projekte, wie die Kantine Zukunft in Berlin oder das Haus der Kost in München. Erste kleine Unterstützungsangebote, inspiriert vom Kopenhagener Modell, werden auch bereits in Dortmund angeboten: Im Projekt „ Dortmund tischt auf “ können Produktionsküchen (z. B. Caterer) der Kita- und Schulverpflegung in Dortmund kostenfreie praktische Beratungen erhalten. Die Küchen werden bei der möglichst kostenneutralen Einführung und Weiterentwicklung von Bio-Quoten und weiteren Nachhaltigkeitsaspekten im Küchenalltag durch erfahrene Köchinnen und Köchen vom Unternehmen Speiseräume Urban Food Concepts GmbH unterstützt. Infos zum Programm und zur Teilnahme für Produktionsküchen (z. B. Caterer) gibt es online unter dortmund.de/dortmund-tischt-auf . Weitere Beratungsangebote bietet NAHhaft e.V. im Förderprojekte FoodConnectRuhr an: GV-Beratung – FoodConnectRuhr .

Wie geht es weiter?

Im Sommer startet in Dortmund der Prozess zur Entwicklung einer kommunalen Ernährungsstrategie. „Wie Kopenhagen streben wir in Dortmund eine gemeinsame Vision für das Ernährungssystem in der Stadt an. In einem breit angelegten Beteiligungsprozess mit der Verwaltung und der Stadtgesellschaft sollen Ziele und Maßnahmen für die Ernährungswende festgelegt werden. Eine klimafreundliche und gesundheitsfördernde Gemeinschaftsverpflegung wird neben weiteren Themen eine wichtige Rolle spielen“, so Stefan Szuggat.

Zum Thema

Die Exkursion wurde von der Europäischen Union im Rahmen des Projektes Turn the Tables” kofinanziert. Sie wurde von der Königlichen Dänischen Botschaft und der Stadt Dortmund organisiert. Für die Inhalte sind ausschließlich die Veranstalterinnen und Veranstalter verantwortlich; sie geben nicht notwendigerweise die Sichtweise der Europäischen Union wieder.

Schlagwörter

Umwelt, Nachhaltigkeit & Klimaschutz

Weitere Nachrichten

Mehr Nachrichten
Walter tippt wieder - Stadt duldet weiter TV-Übertragungen in der Außen-Gastro
Do 25. Juni 2026
Orang-Utan Walter sitzt unter einem Klettergerüst und holt sich Leckereien aus einem Jute-Beutel.
Bild: Stadt Dortmund / Niklas Kähler
Dortmund feiert Industriekultur zwischen Zechen, U-Turm und Fußballfieber
Mi 24. Juni 2026
Zwei Menschen sind mit Vogelmasken verkleidet und stehen auf Stelzen. Im Hintergrund ist das LWL-Museum Zeche Zollern zu sehen.
Bild: Ravi Sejk
Betteln direkt an Außengastronomien soll künftig verboten werden
Di 23. Juni 2026
Der 'Alter Markt' ist Treffpunkt für Jung und Alt in der Dortmunder City
Dortmund feiert Industriekultur zwischen Zechen, U-Turm und Fußballfieber
Di 23. Juni 2026
Zwei Menschen sind mit Vogelmasken verkleidet und stehen auf Stelzen. Im Hintergrund ist das LWL-Museum Zeche Zollern.
Bild: Ravi Sejk
#checkdeinnetz: NRW startet Mobilfunk-Messwoche 2026
Mo 22. Juni 2026
Zwei Frauen sitzen auf einer Bank und laden ihr Handy.
Bild: Smart City Dortmund
Gemeinsam statt allein: Dortmund setzt Zeichen gegen Einsamkeit
Mo 22. Juni 2026
Zwei Männer sitzen in einer Rikscha während ein dritter Mann sie fährt
Bild: Maik Kühlenborg
Spielen, ins Gespräch kommen, eine Auszeit genießen: Willkommen im Paradiesgarten 2026
Fr 19. Juni 2026
Der diesjährige Paradiesgarten an der Reinoldikirche. Es sind Bänke aufgestellt zwischen vielen Blumen- und Pflanzkübeln.
Bild: Stadt Dortmund / Leopold Achilles
50 Orte, 100.000 Menschen: IGA 2027 plant Weltrekord und Dortmund macht mit
Fr 19. Juni 2026
Gruppenbild mit Picknickkorb im Essener Gruga-Park.
Bild: IGA_2027 / Sascha_Kreklau
Dortmund stellt mehr als 60 Veranstaltungen auf die Beine
Fr 19. Juni 2026
Tische, Stühle und eine Liege in der Diamorphin-Ambulanz in Dortmund
Bild: Frank Schlaak, Diakonie Fachstelle Sucht
Die UEFA-Stiftung für Kinder ehrt die Nordstadtliga
Fr 19. Juni 2026
Ein Junge schießt einen Ball, im Hintergrund stehen Menschen und beobachten das Spiel.
Bild: Nordstadtliga / Dominik Fehr
Veloroute 5 in Hörde: Die Fahrradstraße Am Bruchheck wächst
Do 18. Juni 2026
Hörde
Eine Luftaufnahme der Fahrradstraße in Hörde in der Straße Am Bruchheck.
Bild: Uwe Grützner
Infos und Tipps: Dortmund macht sich bereit für die nächsten Hitze-Tage
Mi 17. Juni 2026
Eine Frau beugt sich über einen öffentlichen Trinkbrunnen und trinkt Wasser daraus.
Bild: Stadt Dortmund
Auszeichnung: Dortmund ist „New Mobility City“ 2026
Mi 17. Juni 2026
Zwei Frauen und drei Männer stehen in schicker Kleidung auf einer Bühne und halten stolz ein Schild in die Kamera.
Bild: TÜV-Verband / Tobias Koch
Neue FABIDO-Kita in Hörde: Viel Platz zum Wohlfühlen und ein Gewinn fürs Klima
Mi 17. Juni 2026
Hörde
Kita-Raum mit Kinderbüchern und Puppenhaus
Bild: Stadt Dortmund / Leopold Achilles
Archenbecke fließt bald oberirdisch in die Emscher und nicht mehr im Kanal
Mi 17. Juni 2026
Aplerbeck
Eine Gruppe steht zusammen in der Nähe des Baches Archenbecke.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki