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Stadtplanung

Vor 30 Jahren verließen die Briten Dortmund: Früher Barracks, heute BVB

Vor 30 Jahren, am 12. Juli 1995, zogen sich die Briten aus Dortmund von ihren elf Standorten zurück. Sie hinterließen insgesamt 270 Hektar – eine Fläche größer als Monaco, die die Stadt neu entwickelt hat. Heute sind die drei größten Areale, Hohenbuschei, Auf dem Hohwart und Stadtkrone Ost, aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Wohnen, Sport und Gewerbe haben ihnen neue Gesichter gegeben.

Besuch der Queen in Dortmund.
Im Mai 1984 besuchte sogar Queen Elizabeth II. die Napier Barracks – das Gebiet, das heute Hohenbuschei heißt.

Die großen Kasernenflächen in Dortmund lagen überwiegend im Dortmunder Osten. Für die Dortmunder*innen waren sie „No-go-Areas“: Truppenübungsplätze, ein Flugplatz und viele Wohngebäude für die Familien der britischen Armeeangehörigen. Im Mai 1984 besuchte sogar Queen Elizabeth II. die Napier Barracks – das Gebiet, das heute Hohenbuschei heißt.

Ungeahnte Chancen

Zu Hoch-Zeiten gab es insgesamt 3.235 Soldaten in Dortmund. 1995 dann zogen die letzten Briten aus Dortmund ab. Für Dortmund bot diese Entwicklung ungeahnte Chancen – und für die Stadtplaner*innen eine Vielfalt an neuen Möglichkeiten. Zentral gelegene große Areale konnten erstmals für die Bevölkerung geöffnet werden. Diese Aufgabe war gleichzeitig eine Herausforderung: Weil die Flächen jahrzehntelang für militärische Übungen genutzt wurden, war der Umgang mit Altlasten ein großes Thema. Städtebauliche Neustrukturierung, Wettbewerbe und Sanierungen schufen nach und nach neue Quartiere.

Dortmund kann den Wandel

30 Jahre später sind Hohenbuschei, Auf dem Hohwart und Stadtkrone Ost aus dem Stadtbild kaum mehr wegzudenken. Hunderte neue Wohneinheiten, hunderte neue Arbeitsplätze wurden geschaffen. Die Erfolgsgeschichte beruht auf der engen Zusammenarbeit der Wirtschaft, der Dortmunder Stadtwerke AG und der Stadtverwaltung. „Konversion“ nennen Fachleute die neue Nutzung ehemals militärischer Gebiete. Dass Dortmund das herausragend gut kann, beweist die Erfolgsgeschichte dieser Flächen.

Überblick Hohenbuschei

  • 73,5 ha Wohnen / 18 ha Fußballpark Borussia / 65 ha Golfplatz

  • Gewerbegebiet Brackel (mit Standort Hohenbuschei) 1.695 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte / 105 geringfügig Beschäftigte / 63 Betriebsniederlassungen

  • 708 Wohngebäude mit 125.896 Quadratmeter Wohnraum / Zuhause für 950 Haushalte oder 2.725 Dortmunder*innen (Zahlen 2023)

Bild: Hoff & Partner
Hohenbuschei
Die „Napier Barracks“ wurden zu „Hohenbuschei“. Heute leben auf dem Areal fast 3.000 Dortmunder*innen.
Bild: Hoff & Partner
Bild: Stadtarchiv
Verlassene Kaserne
Die verlassenen Kasernen auf dem Gelände des heutigen Hohenbuschei in der 1990er Jahren.
Bild: Stadtarchiv

„Suffolks Barracks“ werden zu „Auf dem Hohwart“

Die ehemaligen Suffolks Barracks liegen südlich der Pferderennbahn und westlich des Hauptfriedhofs . Die ehemalige Kasernenanlage wurde in den 1920er-Jahren als Schutzpolizei-Unterkunft errichtet. Ende der 1930er-Jahre übernahm die Deutsche Wehrmacht die Kaserne, nach dem Krieg die Britische Rheinarmee. Sie bauten auf der Fläche einen Kindergarten, mehrere Schulen, zwei Kirchen, ein Kino und Tennisplätze sowie ein Einkaufszentrum mit einem zentralen Platz.

Insgesamt standen hier nach dem Abzug der Briten 17 ha zur Verfügung, die nach dem Willen der Stadt zu Wohnraum werden sollten. Heute gibt es dort eine Mischung aus Geschosswohnungsbau und Einfamilienhäusern. Dafür gab es ein Gestaltungskonzept. Die ehemalige Cornwall-Schule wurde zur Keimzelle für eine neue Gesamtschule, die Europaschule.

Überblick Auf dem Hohwart

  • Fläche: insgesamt gut 17 ha

  • 312 Wohngebäude mit 46.921 Quadratmeter Wohnraum / Zuhause für 465 Haushalte oder 1.160 Dortmunder*innen (Zahlen 2023)

Drei Kasernen werden zur „Stadtkrone Ost“

Bild: Stadtarchiv
Britische Soldaten in Dortmund
Zu Hoch-Zeiten gab es insgesamt 3.235 Soldaten in Dortmund. Für Dortmunder*innen waren die Kasernenflächen jedoch "No-go-Areas"
Bild: Stadtarchiv

In bester Lage an der B 1 hinterließen die Briten ein 47 ha großes Gelände, auf dem die Westriding/Moore Barracks, die Ubique Barracks und die Redesdale Barracks untergebracht waren – heute die „Stadtkrone Ost“, ein Leitprojekt der Region Dortmund / Kreis Unna / Hamm. Die Stadt Dortmund wollte von Anfang an eine herausragende Qualität für den Standort mit wirtschaftlicher und städtebaulicher Entwicklung. Entlang der Verkehrsader B1 sollten namhafte Dienstleistungs- und Technologieunternehmen angesiedelt werden.

Das Ergebnis ist heute sichtbar: ein qualifizierter und integrativer Dienstleistungs-, Gewerbe- und Wohnstandort mit viel Grün. Ein städtebauliches Werkstattgespräch bildete die Grundlage für ein Gutachterverfahren mit fünf Architektur- und Planungsbüros. Im November 1995 stand das Ergebnis fest. 1997 wurde die Stadtkrone Ost Entwicklungsgesellschaft gegründet, die das Areal der zwei westlich gelegenen Kasernen aufkaufte und mit Fördermitteln entwickelte.

„Arbeiten und Wohnen in der neuen Gartenstadt“ lautete das Zielbild: Geplant war die Ansiedlung von Unternehmen mit neuen, zukunftsweisenden Technologien sowie einer technologieorientierten Infrastruktur, die auch neue Formen der Arbeitsorganisation und die Verbindung von Wohnen und Arbeiten ermöglicht. Zum anderen sollte die Stadtkrone Ost an die Traditionen der Gartenstadt anknüpfen, das vorhandene, zum Teil parkartige Grün aufnehmen und die mit viel Grün durchzogenen Bürostandorte an der B 1 fortsetzen.

Continentale-Bau als Abschluss

Der Bebauungsplan wurde bereits 1997 aufgestellt, Rechtskraft erlangte er 2006. In der Zwischenzeit wurden diverse Bauvorhaben durch mehrere Änderungen möglich gemacht.

An der B1 machte der Neubau des ADAC den Auftakt. Es folgten die IT-Unternehmen adesso und IBM, die TK und die AOK. Ein Holiday Inn wurde gebaut, und auch die Bundesbank baute am nordöstlichen Rand des Gebietes. Die letzten großen Grundstücke gingen 2022 an die Continentale Versicherungen und erneut an adesso. Die neue Hauptverwaltung der Continentale wurde in diesem Jahr eröffnet und bildet gleichzeitig den Abschluss der Entwicklung Stadtkrone Ost – pünktlich noch vor dem Jubiläum des Abzugs der Briten (12. Juli 1995) vor 30 Jahren.

Überblick Stadtkrone Ost

  • Standort dreier ehemaliger Kasernen: Westriding/Moore, Ubique u. Redesdale Barracks, später hinzu kam die Fläche der ehemaligen Maschinenfabrik Schade
  • Fläche insgesamt 64 ha / davon 32,5 ha Gewerbe
  • 125 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte / 195 geringfügig Beschäftigte / 264 Betriebe
  • 239 Wohngebäude mit 58.018 Quadratmeter Wohnraum / Zuhause für 475 Haushalte oder 1.105 Dortmunder*innen (Zahlen für 2023)

Bild: Continentale Versicherung
Gebäude der Continentale Versicherung
Die neue Hauptverwaltung der Continentale wurde in diesem Jahr eröffnet und bildet gleichzeitig den Abschluss der Entwicklung Stadtkrone Ost.
Bild: Continentale Versicherung

Schlagwörter

Dortmund historisch Internationales Wohnen Wirtschaft Gewerbe Planen & Bauen Mobilität & Verkehr

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