Stadt Dortmund Wappen
Newsroom

Internationales

Landesregierung fordert verstärkte Aufnahme von Flüchtlingen – Stadt bezieht Stellung und gibt Überblick

Vor einigen Wochen verkündete die Landesregierung, dass sie künftig eine größere Anzahl von Flüchtlingen aus den Landeseinrichtungen den Kommunen zuweisen werde. Wie sich diese Entscheidung auf die Stadt Dortmund auswirkt, erläuterte Sozialdezernentin Birgit Zoerner in der Pressekonferenz nach der Sitzung des Verwaltungsvorstands am 29. August.

Bild: Elena Hesterkamp
Birgit Zoerner am Mikrofon
Bild: Elena Hesterkamp

Eine Quote regelt die bundesweite Verteilung von Flüchtlingen

Gemäß dem bundesweiten Verteilungsschlüssel ist das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) verpflichtet, 21,2 Prozent aller nach Deutschland kommenden Flüchtlinge unterzubringen. Weitere Vorgaben obliegen den einzelnen Bundesländern. Dies führt zu unterschiedlichen Regelungen dort. In NRW erfolgt die Zuweisung zunächst an die Landeserstaufnahme in Bochum, von wo aus die Menschen auf verschiedene Landesunterkünfte, sogenannte Zentrale Unterbringungseinrichtungen, verteilt werden. Die Menschen werden dann von dort nach festgelegten Quoten den Kommunen zugewiesen. Für Dortmund beträgt die Quote 3,05 Prozent der NRW zugewiesenen Flüchtlinge.

Aktuell ist Dortmund laut Quote nicht zur Aufnahme verpflichtet, da die Stadt die Quote mit 102 Prozent übererfüllt. Das heißt: Dortmund hat zurzeit 183 Menschen mehr aufgenommen als gefordert.

Die Folgen der Regelung durch eine Quote sieht Zoerner jedoch kritisch, da sie sich trotz der Zuzüge und gestiegenen Zahl der Flüchtlinge nicht verändere. Insbesondere aus der Ukraine kamen viele Menschen direkt nach Dortmund. Ein Problem bei den Zuzügen bestehe darin, dass viele der zuwandernden Menschen eher in größere Städte als in Kleinstädte zögen. Dies führe zu einer erheblichen Diskrepanz zwischen Großstädten und ländlichen Gebieten, wie Zoerner erklärte. Wenn diese Diskrepanz inzwischen auch geringer geworden sei, habe diese laut der Berichte der Bezirksregierung nach wie vor Bestand. Einige Kommunen nähmen nach wie vor deutlich weniger Menschen auf als es der 100 Prozent-Quote entspräche, so Zoerner.

"Die jüngste Entscheidung der Bundesregierung basiert darauf, dass einerseits wesentlich mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Andererseits hat die Landesregierung es nicht geschafft, das Ziel von mindestens 35.000 Landesplätzen in diesem Jahr zu erreichen. Aktuell gibt es nur 30.000 bis 34.000 Plätze", erläuterte Zoerner die Situation.

Benötigt würden, so Oberbürgermeister Thomas Westphal, 70.000 Landesplätze. "Diese Zahl wurde bereits in der letztjährigen Sitzung des Städtetages mit der Landesregierung diskutiert. Nicht einmal das Ziel von 35.000 Plätzen wurde bislang erreicht. Das Land verabschiedet sich von der Lösungssuche. Die Lasten wie zum Beispiel die Finanzierung der Vorhaltekosten für Unterbringungen, verlagert es auf die Kommunen. Wir müssen Lösungen finden, denn nur so wird die Bevölkerung verstehen, dass wir gemeinsam erfolgreich sein können", so Westphal.

Was bedeutet das konkret für Dortmund?

Wöchentlich sollen landesweit 1.500 Flüchtlinge auf die Kommunen verteilt werden. Für Dortmund bedeutet das eine Aufnahme von etwa 40 bis 50 Menschen pro Woche. Dies führe dazu, dass die verfügbaren Plätze schrumpften, wie Zoerner betonte. "Rein rechnerisch müssten wir in vier Wochen wieder aufnehmen", sagte die Dezernentin. "Wir haben der Landesregierung deutlich gemacht, dass wir erwarten, dass Flüchtlinge zuerst den Kommunen zugewiesen werden, die ihre Quoten nicht erfüllen und nicht dorthin, wo die Quoten, wie in Dortmund, bereits übertroffen werden", betonte sie.

Welche Einrichtungen gibt es in Dortmund?

Derzeit sind in Dortmund drei Flüchtlingsunterkünfte in Betrieb: eine Einrichtung im Grevendiecksfeld in Lütgendortmund, eine an der Mergelteichstraße in Hombruch und eine weitere Einrichtung in der Nierstefeldstraße in Derne. Die Belegungsquote beträgt derzeit 50 Prozent. "Das bedeutet, wir könnten noch 358 Menschen dort unterbringen", führte Zoerner aus.

Hinzu kommen rund 900 Plätze in "Stand by-Einrichtungen". Dabei handele es sich um Gebäude, die in der Vergangenheit bereits als Flüchtlingsunterkünfte genutzt worden seien. "Wir haben dafür gesorgt, dass wir zurzeit ausreichend Kapazitäten haben. Allerdings stellt sich die Frage, wie sich die Zuweisungen durch die Landesregierung entwickeln werden", sagte sie.

Besonders problematisch sei es, dass die Kommunen in NRW jeden derzeit nicht belegten Platz, einschließlich der Stand by-Einrichtungen, selbst finanzieren müssten. Obwohl die finanzielle Unterstützung für die präventive Schaffung von zusätzlichen Unterbringungsplätzen fehle, verfolge die Stadt Dortmund das erklärte Ziel, eine Notunterbringung von Flüchtlingen, beispielsweise in Sporthallen, zu vermeiden. Eine bundes- oder landesseitige Finanzierung dieser Vorhaltekosten sei dringend notwendig, so Zoerner, um Entlastung zu schaffen. Zur aktuellen Situation sagte sie: "Wir erleben eine Verschiebung der Kosten vom Land auf die Städte."

Schlagwörter

Internationales Integration Aufenthalt, Einbürgerung & Ausländerwesen Soziales

Weitere Nachrichten

Mehr Nachrichten
Mehr Online-Services für Dortmund: Stadt baut digitale Verwaltung weiter aus
Mi 13. Mai 2026
Auf dem Bild ist eine Frau zu sehen. Sie steht mit einem Laptop vor einem Flatscreen.
Bild: Stadt Dortmund / Luisa Kunz
Neue „vhs-Schlossküche“ im Haus Rodenberg lädt zum Schlemmen und Lernen ein
Mi 13. Mai 2026
Haus Rodenberg
Schwache Konjunktur belastet Haushalt: Dortmund schließt 2025 mit deutlichem Minus ab
Mi 13. Mai 2026

Die Stadt Dortmund schließt das Haushaltsjahr 2025 mit einem Defizit von 352,7 Mio Euro ab, bleibt aber handlungsfähig.

80.000 begeisterte Menschen feierten friedlich bei DORTBUNT
Di 12. Mai 2026
Laola-Welle bei Dortbunt auf dem Friedensplatz.
Bild: Stadt Dortmund / Stephan Schütze
Christi Himmelfahrt: Auswirkungen auf Märkte und Müllabfuhr
Di 12. Mai 2026
Bild: Stadt Dortmund / EDG
Dortmund wandert weiter: von Asseln zur Emscher in den Süden
Mo 11. Mai 2026
Eine Gruppe Menschen wandert durch eine Grünfläche in Dortmund
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Neue Nordstadt-Plätze mitgestalten
Mo 11. Mai 2026
Bild: bgmr Landschaftsarchitekten
Freibadsaison startet: Die geplanten Öffnungstermine
Do 7. Mai 2026
Bild: Sportwelt Dortmund
Top-Standort für Messen, Kongresse, Events: Dortmund baut die Westfalenhallen der Zukunft
Mi 6. Mai 2026
Animation Eingang Süd Westfalenhallen
Bild: Westfalenhallen
E-Scooter-Academy macht Schülerinnen und Schüler fit für den Straßenverkehr
Di 5. Mai 2026
Bild: Stadt Dortmund / Leopold Achilles
Dortmund wächst: Unternehmen investieren 779 Mio. Euro
Di 5. Mai 2026
Gebäude der Continentale Versicherung
Bild: Continentale Versicherung
Nach Krieg und Flucht: Iryna ist glücklich, wieder mit Kindern arbeiten zu können
Mi 29. April 2026
Die Urkainerin Iryna Smychkova hält Kinderspielsachen, im Hintergrund ist die KITA Steinstraße zu sehen.
Bild: Stadt Dortmund / Markus Kaminski
FABIDO: So funktionieren die Win-win-Programme für mehr Fachkräfte
Mi 29. April 2026
Erzieherin in einer Kita
Bild: Stadt Dortmund / Leopold Achilles
Unterwegs gegen Einsamkeit: Dortmund startet den E-Rikscha-Verleih
Mi 29. April 2026
Ein Mann fährt eine Rikscha. Darin befindet sich ein älterer Herr, der lächelt.
Bild: Maik Kühlenborg
Namenlos im Rombergpark: Wie soll die neue Titanenwurz heißen?
Di 28. April 2026
Hombruch
Gärtner mit Titanenwurz im Rombergpark.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki