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Straßennamen im öffentlichen Raum

Freistuhl

Die Straße Freistuhl liegt in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs. Sie bildet ebenso wie die benachbarte Hansastraße eine Verbindung vom Königswall zur Kampstraße.

Namensherkunft

Der Name Freistuhl lässt sich auf ein mittelalterliches Freigericht zurückführen. Dieser "Freistuhl“ war ein sogenanntes Femegericht, teils auch Veme genannt.

Historie

Bild: Stadt Dortmund
Hochhaus der Sparkasse Dortmund am Freistuhl 2 im Jahr 1985
Hochhaus der Sparkasse Freistuhl 2 1985
Bild: Stadt Dortmund

Die Straße, wie sie heute existiert, wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen und nach dem ehemals dort wirkenden, mittelalterlichen Gericht benannt.
Das Femegericht war kein gewöhnliches Gericht. Es war vom Kaiser mit besonderen Rechten ausgestattet worden. So wurde z.B. nur über Adelige und "Freie“ gerichtet.
Auch waren die zu verhandelnden Straftaten nur schwerwiegende, wie Mord, Verrat oder Brandstiftung. Die ausgesprochenen Urteile führten oft zu einem Freispruch, vereinzelt wurde auch die Todesstrafe verhängt.
Das Femegericht stand unter der Aufsicht eines Freigrafen, der mit Hilfe seiner Freischöffen traditionell unter freiem Himmel auf einer Steinbank über die Bürger Dortmunds richtete. Die Verhandlungen fanden im Schatten einer großen Linde, der sogenannten "Femlinde“ statt.

Bild: Stadt Dortmund
Freistuhl 2 1967 im Bau, Ansicht von Nordosten
Freistuhl 2 im Bau - Ansicht von Nordosten 1967
Bild: Stadt Dortmund

Zu Zeiten des Kaisers Sigismund (1411-1433) wurde dem Dortmunder Freistuhl sogar der Titel des obersten Freistuhl verliehen. Damit war Dortmund nicht nur Standort eines der mächtigsten, sondern auch eines der gefürchtetsten Gerichte des gesamten Heiligen Römischen Reiches.
Die Feme hatte nämlich schon immer den Ruf eines Geheimbundes, eines versteckten Machtinstruments des Kaisers, zumal jeder Freischöffe und jedes Mitglied der Feme ein Verschwiegenheitsgelöbnis ablegen musste.
Der Dortmunder Freistuhl hatte bis zur Auflösung des alten Reiches 1803 Bestand. Die Steinbank und die Femelinde wurden jedoch nicht entfernt, sondern galten seitdem als Sehenswürdigkeit.
Während man beim Bau der ersten Eisenbahnanlagen 1847 noch Rücksicht auf den Standort der alten Richtstätte nahm, wurden beim Bau des neuen Hauptbahnhofes und der Vergrößerung des Bahnhofsvorplatzes die Überreste des Freigerichts 1910 auf eine am Königswall errichtete bastionsartige Plattform umgesetzt.
Im Zweiten Weltkriegs wurden dann die letzten historischen Reste des ehemaligen Femegerichts durch Bombenangriffe zerstört.

Gegenwart

Heute steht an dem Platz, an welchem der Freistuhl Anfang des 20. Jahrhunderts noch gestanden hatte, eine steinerne Tafel im Gedenken an das Freigericht.
In alter Tradition steht sie dort im Schatten von hierfür gepflanzten Linden, im Andenken an die berühmte "Femlinde".

Kunst im öffentlichen Raum

Zur Erinnerung an die mittelalterliche Gerichtbarkeit steht heute östlich der Stadt- und Landesbibliothek wenige Meter vor der Einmündung des Freistuhl in den Königswall die "Femlinde mit Freistuhl“. Das Kunstwerk besteht aus einer Natursteinplatte und zwei Betonsockeln und trägt die Aufschrift: "Freistuhl Dortmund hergestellt nach dem Freistuhl unter der alten Femlinde“.

Stadt Dortmund - Tiefbauamt

Anschrift und Erreichbarkeit
Kontakt
Anschrift
Königswall 14
44137 Dortmund

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