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Eine „Win-Win-Beziehung": Geflüchtete werden Kita-Fachkräfte

Dortmund wächst – und damit auch der Bedarf an Kinderbetreuung. Der städtische Kita-Träger FABIDO hat jetzt mit zwei Modellprojekten neue Wege beschritten, um geflüchtete Menschen zu Erzieher*innen zu machen.

„Startklar“ und „Kita-Einstieg“ heißen die Programme, die am 1. Oktober 2024 gestartet sind. Sie sollen mittelfristig neue Fachkräfte in die städtischen Kitas bringen. Das Besondere: FABIDO hat die Teilnehmenden unter den Menschen gefunden, die nach ihrer Flucht aus der Heimat in Dortmund angekommen sind. Eine von ihnen ist Svitlana Bondar - die Ukrainerin gehört zum Modellprojekt „Startklar“. In ihrer Heimat war sie Grundschullehrerin, jetzt arbeitet sie in einer FABIDO-Kita.

Bild: Stadt Dortmund / Leopold Achilles
Svitlana Bondar aus der Ukraine ist frisch in die Ausbildung zur Erzieherin gestartet.
Svitlana Bondar aus der Ukraine ist frisch in die Ausbildung zur Erzieherin gestartet.
Bild: Stadt Dortmund / Leopold Achilles

Ukrainerin Svitlana Bondar ist bei „Startklar“ dabei

Svitlana Bondar ist eine der neuen Mitarbeitenden im Team FABIDO, die durch das Modellprojekt „Startklar“ nach ihrer Flucht aus der Ukraine nun wieder die Möglichkeit hat, mit Kindern zu arbeiten. Fast ihr ganzes Leben hat sie in Slowjansk im Osten der Ukraine gelebt. Dann startete Russland seinen Angriffskrieg. „Wir hatten Angst um unsere Kinder. Wir mussten sie schützen“, sagt die junge Frau. Im März 2023 dann die Flucht. „Am 24. März 2023 sind wir in Dortmund angekommen. Das Datum werde ich nie mehr vergessen“, sagt Svitlana.

In den vergangenen eineinhalb Jahren ist die Familie in Dortmund angekommen und hat neue Perspektiven: Die FABIDO hat Svitlana Bondar in ihr Programm „Startklar“ aufgenommen. Nächstes Jahr im Sommer steht bereits ihre Abschlussprüfung für den Sprachkurs an. Bei „Startklar“ dabei zu sein, gibt ihr laut eigener Aussage „Kraft und Hoffnung".

Wenn Svitlana die Prüfung besteht, winkt ihr eine unbefristete Stelle im pädagogischen Bereich bei FABIDO. Die Chancen stehen gut: Svitlana ist Grundschullehrerin. Zehn Jahre hat sie in Slowjansk unterrichtet. Lesen und schreiben haben die Kinder bei ihr gelernt, sie hat Kunst unterrichtet und Sport. Deshalb passt sie so gut in das Programm. Sie freut sich, dass sie wieder arbeiten kann. „Dortmund ist jetzt unsere Zukunft“, sagt die 35-Jährige.

Zum 1. Oktober hat das Programm „Startklar“ begonnen. Svitlana Bondar aus der Ukraine ist dabei.
Svitlana Bondar
Geflüchtete aus der Ukraine und Teilnehmerin des Programms „Startklar“
Bild: Stadt Dortmund / Leopold Achilles

Wir freuen uns, dass wir uns hier in Dortmund ein neues Leben aufbauen können.

Es sind noch Plätze frei

44 Menschen sind zum 1. Oktober 2024 in den Programmen gestartet, die die Flüchtlinge auf die Arbeit in den FABIDO-Kitas vorbereiten sollen. Daniel Kunstleben, Geschäftsführer bei FABIDO, freut sich über den Zuwachs aus anderen Ländern: „In unseren Kitas leben wir Vielfalt und Diversität. Darum passen diese Menschen auch so gut zu uns. Sie können mit ihren individuellen Voraussetzungen und ihren beruflichen Abschlüssen ein großer Gewinn für uns sein.“

72 Teilnehmende wären möglich gewesen. Ein Grund für den zeitlichen Verzug: Ausländische Zeugnisse müssen für die Anerkennungsverfahren beim Jobcenter beglaubigt übersetzt sein. Das koste mehr Zeit als angenommen.

Knapp 100 Menschen haben sich bei FABIDO auf die beiden Programme beworben, die im Grunde ähnlich funktionieren: Drei Tage arbeiten die Teilnehmer*innen in einer der 99 FABIDO-Kitas mit, an zwei Tagen wird Deutsch gelernt. Durch die Arbeit mit den Kindern sollen die Teilnehmer*innen pädagogisches Wissen erlernen, in dem Sprachkurs in der Volkshochschule werden sie auch für fachliche Diskussionen fit gemacht. Gefordert ist die B2-Qualifikation.

Bei FABIDO bewerben: Jobs & Ausbildung
Jugend- und Familiendezernentin Monika Nienaber-Willaredt
Monika Nienaber-Willaredt
Jugend- und Familiendezernentin
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Wir glauben ganz fest daran, dass das eine Win-win-Beziehung sein wird. Für unsere Kitas brauchen wir immer mehr gut qualifizierte Erzieher*innen, und wir bieten den neu angekommenen Menschen in Dortmund einen unkomplizierten Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Ziele von „Kita Einstieg“ und „Startklar“

„Kita Einstieg“ richtet sich an Menschen, die in ihrem Herkunftsland einen vergleichbaren Abschluss zur deutschen Fachhochschulreife gemacht haben. Damit steht ihnen nach dem Programm die dreijährige praxisorientierte Ausbildung (PIA) zum/zur Erzieher*in offen. Während des Programms arbeiten sie als Kita-Hilfskräfte bei FABIDO. Aktuell sind hier 21 Menschen gestartet.

Im Programm „Startklar“ haben 23 Menschen begonnen. Sie alle haben in ihrem Heimatland einen beruflichen Abschluss im pädagogischen Bereich gemacht. Ist die Anerkennung entsprechend, können sie als pädagogische Fachkraft (entsprechend einer/einem Erzieher*in) oder als pädagogische Ergänzungskraft (entsprechend einer/einem Kinderpfleger*in) beschäftigt werden. So lange werden sie bei FABIDO als pädagogische Hilfskräfte eingesetzt.

An der Finanzierung von „Startklar“ und „Kita Einstieg“ beteiligen sich das Jobcenter bzw. die Bundesagentur für Arbeit: Sie übernehmen einen Teil der Personalkosten - je nach Einzelfall bis zu 50 Prozent für maximal die Hälfte der Beschäftigungszeit, höchstens neun Monate. Die Kosten für die Sprachkurse bei der Volkshochschule übernimmt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

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Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki