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Wißstraße

Tiefbauamt

Bild: Stadt Dortmund / Jonas Lang

Wißstraße

Die Wißstraße ist eine der ältesten Straßen Dortmunds. Sie galt als eine der Hauptstraßen im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Dortmund.

Herkunft

Die Wißstraße wurde bereits im Jahr 1262 als "Witstrata“ urkundlich bezeugt. Andere historische Schreibweisen der Wißstraße waren "Wystrate“ und "Wistrate“.
Wißstraße, also Wiß ("Wit“, "Wis“, "Wys“) + Straße ("Strata“, "Strate“), bedeutet so viel wie weite, breite Straße. Die Wortbedeutung lässt daher vermuten, dass die Wißstraße für damalige Verhältnisse großzügig angelegt war. Dies bestärkt auch die Tatsache, dass es sich bei der Wißstraße früher um eine Hauptstraße handelte, die vom Markt bis zum Wißstraßentor führte.

Bedeutsame Gebäude und Personen

Da die Wißstraße in unmittelbarer Nähe zum Rathaus lag, wohnten hier viele angesehene Bürger wie zum Beispiel die Familien Wistraten und von Wickede. Im Jahr 1377 logierte auch Kaiser Karl IV. für zwei Tage in der Wißstraße bei dem damaligen Bürgermeister Johann von Wickede.
Ein weiterer langjähriger Bewohner der Wißstraße war der Maler Benedict Anton Berger (1756-1829), der einen Stadtplan und mehrere Stadtansichten von Dortmund schufdarunter das Ölgemälde "Dortmund 1804", das sich immer noch im Besitz des Museums für Kunst- und Kulturgeschichte befindet. Auch die Familie Brockhaus lebte im 18. Und 19. Jahrhundert in der Wißstraße, woam 4. Mai 1772 Friedrich Arnold Brockhaus geboren wurde, der Begründer der weltbekannten Leipziger Verlagsbuchhandlung, zu dessen Ehren noch heute eine Erinnerungstafel an der Stadt- und Landesbibliothek hängt.
Bedeutsame öffentliche Bauten in der Wißstraße waren die Nicolaikirche und die Nicolaischule sowie am Ausgang der Stadt das Wißstraßentor; von diesen Gebäuden existieren heute mit Ausnahme der symbolischen Pflasterung der Nicolaikirche im Bereich des Stadtgartens keine Überreste mehr.

Wißstraße

Blick in die Wißstraße, im Hintergrund der Stadtgarten
Bild: Stadt Dortmund / Marcel Armonat

Das Wißstraßentor

Das Wißstraßentor war eines der vier Haupttore in der mittelalterlichen Befestigung der Stadt Dortmund. Es befand sich dort, wo sich heute die Hansastraße, der Hiltropwall, der Südwall und die Hohe Straße kreuzen. Bis zum Jahr 1904 war die Wißstraße noch deutlich länger. Sie erstreckte sich vom Markt bis zur Nicolaikirche und zum ehemaligen Wißstraßentor.
Das erste Wißstraßentor hatte die Gestalt eines Turmes und wurde bereits 1480 von dem Maler Derick Baegert auf einem Flügelaltar der Propsteikirche abgebildet. Allerdings sah man sich im 16. Jahrhundert durch die Erfindung des Schießpulvers veranlasst, die Stadtbefestigungen zu verstärken. Das Wißstraßentor wurde daher umgestaltet.
Im Zuge der Beseitigung der alten Stadtbefestigungen wurde das Wißstraßentor dann im Jahr 1851 abgerissen. Lediglich Fundamentreste fand man 1993 bei den Ausschachtungen für eine Tiefgarage.

Gedenkstein der alten Nicolaikirche

Gedenkstein der alten Nicolaikirche
Bild: Stadt Dortmund / Museum Kunst im öffentlichen Raum

Gegenwart

Heute beginnt die Wißstraße von Norden am Hansaplatz und ist wesentlich kürzer als früher. Der südliche Teil wurde zu Beginn des 20. Jahrhundert eingezogen und zum Bau der Hansastraße benutzt. Sie mündet nun am Stadtgarten in die Prinzenstraße. Sie hat im Laufe der Zeit eindeutig ihre Bedeutung als Hauptstraße eingebüßt, da man sie ironischerweise entgegen ihrer Namensbedeutung als zu klein, zu eng und zu verwinkelt ansah.

Wissenswertes

Im Jahr 1378 gab es um die Wißstraße eine Intrige, die der Geschichte des trojanischen Pferdes ähnelte. Zu dieser Zeit befand sich der Graf von der Mark im Krieg mit der Stadt Dortmund. Die Adelige Agnes von der Vierbecke versteckte dessen Soldaten in Heuwagen und wollte sie dadurch für einen Überraschungsangriff durch das Wißstraßentor in das Stadtinnere schleusen. Jedoch ging der Plan schief und die Verräterin wurde noch am selben Tag hingerichtet.

Kunst im öffentlichen Raum

Am Standort des damaligen Altars der St. Nicolaikirche steht seit 1982 ein "Gedenkstein der alten Nicolaikirche“. An die Kirche erinnern außerdem gepflasterte Umrisslinien und ein quaderförmiges Postament.