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Ausgewählte Tierarten

Sumatra-Orang-Utan

Einzigartiger Menschenaffe

Ein Orang-Utan im Portrait schaut zur Seite und hält sich mit der linken Hand an einem Baum fest
Bild: Karl-Rainer Ledvina
Sumatra-Orang-Utan Toba im Zoo Dortmund
Bild: Karl-Rainer Ledvina

Der Orang-Utan ist der einzige echte Menschenaffe Asiens. Er ist auch der einzige Menschenaffe, der ein echter Baumbewohner ist. Er betritt fast nie den Boden und ist zugleich das größte auf Bäumen lebende Tier der Welt. Im Gegensatz zu den anderen Menschenaffenarten (Gorillas, Schimpansen, Bonobos), die allesamt in Afrika beheimatet sind, ist der Orang-Utan auch ein Einzelgänger, der nicht in Verbänden, sondern alleine, allenfalls als Muttertier einige Jahre mit seinem Nachwuchs, zusammenlebt.

Paläontologische Untersuchungen haben auch gezeigt, dass der Orang-Utan älter als seine afrikanischen Verwandten ist und wahrscheinlich schon seit 15 Millionen Jahren auf der Erde lebt. Gegenwärtig werden zwei Arten unterschieden: der Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus) und der Sumatra-Orang-Utan (Pongo abeli), die bis vor kurzem noch als Unterarten ein und derselben Art angesehen wurden. Doch inzwischen haben sowohl genetische Untersuchungen als auch Beobachtungen zu den Lautäußerungen männlicher Orang-Utans gezeigt, dass man von eigenständigen Arten sprechen muss.

Zwei Orang-Utans sitzen nebeneinander auf einer Wiese, der linke hat den Kopf gesenkt und schaut auf seinen Arm, der rechte hat eine Hand auf seinen Kopf gelegt
Bild: Jennifer Beckmann
Männliche Orang-Utans sind anhand der Backenwülsten leicht von den Weibchen zu unterscheiden
Bild: Jennifer Beckmann

Biologische Daten

Orang-Utans bewohnen die Urwälder Borneos und Sumatras und gehören damit zur Fauna der südostasiatischen Tropen. Dort halten sie sich vorwiegend im Baumkronendach auf. Die extrem langen Arme und Finger sind dieser Lebensweise hervorragend angepasst.

Orang-Utans bewegen sich als Schwinghangler von Ast zu Ast durch die Bäume. Dabei werden die kurzen Beine nur gelegentlich als Stütze oder zum Festhalten eingesetzt. Die unverhältnismäßigen proportionalen Unterschiede in den Längen der Arme und Beine sind auch die Ursache dafür, dass Orang-Utans sich am Boden nur unbeholfen fortbewegen können. Die Armspannweite kann bei erwachsenen Orang-Utan-Männern bis zu 2,25 Metern betragen.

Ein erwachsener Orang-Utan erreicht eine Größe von 1,50 Metern bei einem Gewicht von 30 bis 50 kg bei weiblichen und stattlichen 90 kg bei männlichen Tieren. Mit ihrem ausgeprägten Kehlsack können die Orang-Utan-Männer sehr weitreichende und bis zu zwei Minuten andauernde Rufe ausstoßen, die wohl der innerartlichen Kommunikation dienen. Diese Rufe sind im Urwald bis zu einem Kilometer weit zu hören. Mit diesem Ruf grenzen sie einmal ihr Revier ab und machen möglicherweise zugleich paarungsbereite Weibchen auf ihre Anwesenheit aufmerksam. Zugleich ist dieser Ruf ein Signal für Muttertiere, sich mit ihren Kindern außerhalb der Reichweite des Mannes aufzuhalten.

Fortpflanzung

Ein Orang-Utan Baby in den Armen seiner Mutter
Jungtier Eirina wurde im Jahr 2007 geboren

Die Paarung ist bei Orang-Utans zuweilen eine brutale Angelegenheit. Untersuchungen haben gezeigt, dass männliche Orang-Utans die Paarung zuweilen erzwingen und die Weibchen folglich regelrecht vergewaltigen. Nach einer Tragzeit von etwa neun Monaten kommt das meist einzelne Jungtier zur Welt, selten werden Zwillinge geboren. Das Geburtsgewicht liegt bei 1,5 kg (weiblich) und fast 2 kg (männlich).

Bis zum Alter von etwa einem Jahr trägt die Mutter das Kind auf der Bauchseite mit sich. In den ersten 18 Monaten seines Lebens ist ein Orang-Utan-Jungtier völlig unselbständig. Bis zum Alter von mindestens 3,5 Jahren, manchmal sogar bis zum Einsetzen der Geschlechtsreife (7 Jahre bei Weibchen, 8 Jahre beim Männchen) bleiben die Jungtiere in der Nähe der Mutter und suchen im Gefahrenfalle deren Schutz. Da sie viele Jahre vollauf damit beschäftigt ist, sich um den Nachwuchs zu kümmern, bringt ein Orang-Utan-Weibchen in seinem Leben durchschnittlich zwei bis drei Jungtiere zur Welt. Das Höchstalter eines Orang-Utans in freier Wildbahn liegt bei 30 bis 33 Jahren. Einzelne Zootiere haben jedoch auch schon ein Alter von bis zu 50 Jahren erreicht.

Anpassung an das Leben in den Bäumen

Ein Orang-Utan-Jungtier hangelt sich an einem Seil zwischen zwei Bäumen entlang und hat ein grünes Tuch im Mund
Bild: Simone Gocke
Dank ihrer Greiffüße sind Orang-Utans ausgezeichnete Kletterer
Bild: Simone Gocke

Orang-Utans sind verschiedentlich an das Leben in den Bäumen angepasst. Nicht nur die extrem langen Arme, sondern auch die beweglichen Schultern und die besonders kräftig ausgebildete Oberkörpermuskulatur sind dem Leben als "Schwinghangler" angepasst. Beim Schwingen bilden die vier äußeren Finger einen Haken, der mit festem Griff einen Ast umklammert. Der Daumen ist dabei weit abgespreizt. Orang-Utan-Babys müssen das Schwinghangeln erst lernen. Für die Nacht bauen sich die Orang-Utans Nester aus Ästen und großen Laubblättern. Gelegentlich richten sie sich auch am Tage solche Baumnester her, um einen kleinen Mittagsschlaf zu halten.

Orang-Utans sind echte Vegetarier

Orang-Utans ernähren sich vorwiegend von Früchten. Meist bleiben sie tagelang an einem einzigen Baum, so lange bis die dort wachsenden Früchte alle aufgegessen sind. Mit dieser Ernährungsweise sind die Orang-Utans auch ein weiteres Mal einzigartig: sie sind die größten lebenden Fruchtfresser der Welt.

Auch im südostasiatischen Regenwald gibt es Jahreszeiten. Die Bäume tragen nur von April bis November Früchte. Auf dem Speiseplan der Orang-Utans stehen dann bis zu 300 verschiedene Fruchtsorten, vor allem Feigen. Bei diesem üppig gedeckten Tisch futtern die Tiere sich Reserven an, denn in den übrigen Monaten ist die Speisepalette etwas karger: Blätter, Gras, Rindenstückchen. Nur selten fangen Orang-Utans sich mal Insekten oder plündern ein Bienennest des Honigs wegen.

Werkzeuggebrauch

Ein Orang-Utan Weibchen sitzt gebeugt und hat im linken Arm ein Orang-Utan-Baby, das sich an die Mutter klammert
Bild: Karl-Rainer Ledvina
Toba mit ihrem zweiten Jungtier Eirina
Bild: Karl-Rainer Ledvina

Wie bei anderen Menschenaffen auch, so wurde auch bei Orang-Utans der Gebrauch von Werkzeugen beschrieben. In freier Wildbahn benutzen Orang-Utans Stöckchen, um an Honig zu gelangen oder sich gelegentlich ein paar Ameisen oder Termiten zu angeln. Holzstöckchen werden auch zum Kratzen benutzt.

Kräftigere Äste werden auch eingesetzt, um Kokosnüsse zu knacken. In Zoos bietet die Fähigkeit der Menschenaffen, Werkzeuggebrauch zu erlernen, vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten. Um sich vor Regen zu schützen, benutzen Orang-Utans große Blätter, die sie sich wie einen Regenschirm über den Kopf halten.

Persönlichkeit

Zur Intelligenz von Orang-Utans gibt es, ähnlich wie bei anderen Affen, die abenteuerlichsten Geschichten. Im Jahr 1909 hat der Amerikaner William Furness einem Orang-Utan angeblich beigebracht, einfache Wörter, wie zum Beispiel "Papa" zu sagen. Immerhin scheinen Orang-Utans eine Art "Selbstbewusstsein" zu haben, denn in Experimenten konnte gezeigt werden, dass sie sich in einem Spiegel erkennen können.

Rolle im Ökosystem

Im Ökosystem Tropischer Regenwald spielen Orang-Utans eine wichtige Rolle. Als Fruchtfresser verbreiten sie auch die jeweiligen Pflanzen, indem sie die Samen oder Kerne der Früchte unverdaut ausscheiden. Diese Funktion wird mit dem Fachbegriff "Endozoochorie" beschrieben.

Orang-Utan Weibchen mit Baby auf dem Arm sitzt auf einer Wiese und isst Früchte
Bild: Jennifer Beckmann
Orang-Utans ernähren sich größtenteils vegetarisch.
Bild: Jennifer Beckmann

Zoologische Besonderheit: die Brustdrüse

Im Jahre 1921 wurde bei einem Orang-Utan erstmals eine Drüsenöffnung auf der Brustmitte beschrieben. Hauptsächlich bei männlichen Orang-Utans konnte eine solche Drüsenöffnung festgestellt werden. Über die Funktion der Drüse herrschte lange Unklarheit. Andere Menschenaffen verfügen nicht über eine solche Drüse. Jedoch konnte vor kurzem auch beim Siamang (Hylobates syndactylus) eine solche Drüse beschrieben werden.

Im Aufbau ähnelt die Drüse den Schweißdrüsen anderer Menschenaffen und des Menschen selbst. Daher liegt nahe, bei diesen Drüsen eine olfaktorische (Kommunikation durch Geruchsstoffe) oder gar thermoregulatorische (..Schwitzen") Funktion anzunehmen. Zumindest ursprünglich. Da die stärkste Ausprägung der Drüsen bei Jungtieren beobachtet werden kann, ist von regressiver Evolution die Rede, das heißt, die Drüse ist offenbar ein Relikt vergangener Zeiten, die im Laufe der nächsten Evolutionsschritte immer weiter zurückgebildet wird. Eine aktive "Nutzung" der Drüse konnte bei Orang-Utans bislang nicht beobachtet werden.

Bedrohung des Orang-Utans

Ein Orang-Utan sitzt auf einer Wiese und hat seinen Kopf und seinen Körper mit einem roten Tuch bedeckt
Bild: Karl-Rainer Ledvina
Wie Walter, bedecken sich die meisten Orang-Utans im Zoo von Zeit zu Zeit gerne mit Bettlaken oder Tüchern
Bild: Karl-Rainer Ledvina

Schon heute ist der Sumatra-Orang-Utan mit nur noch geschätzten 2.500 lebenden Exemplaren die seltenste und damit am stärksten bedrohte Menschenaffenart der Welt. Die Bestände aller Orang-Utans sind in den letzten zehn Jahren um mehr als 50% geschrumpft.

Besondere Gefährdungen ergeben sich für den Orang-Utan durch den Wegfang von Babys für den" Kuscheltiermarkt". Meist werden die Mütter hierbei getötet, weil sie sich zur Wehr setzen. Außerdem bevorzugen Orang-Utans Primärwälder und besiedeln nur sehr schwer die nach den Rodungen entstehenden oder gepflanzten Sekundärwälder.

Urwälder Sumatras

Das Ökosystem "Tropischer Regenwald Sumatras", Lebensraum für Sumatra-Orang-Utans (Pongo abeli) und Schabrackentapire (Tapirus indicus), befindet sich am Rande der vollkommenen Zerstörung durch Menschenhand. Wie alle anderen Urwälder Südostasiens auch werden die Wälder Sumatras gerodet, um neue Flächen zur landwirtschaftlichen Nuztung zu schaffen, oder sie werden abgeholzt, um wertvolles Tropenholz zu gewinnen, welches in erster Linie in den sogenannten "Wohlstandsländern" (Europa, USA, Japan) gewinnbringend verkauft wird.

Zwischen 1997 und1998 wurden insgesamt 100.000 km² Urwald in Indonesien abgeholzt. Mit den Urwäldern der beiden großen Inseln Borneo und Sumatra werden auch die dort lebenden Tiere verschwinden. Neben den Orang-Utans und Tapiren betrifft dies auch viele weitere Arten.

Weitere Informationen

Rehabilitationszentren

Zur Rettung der letzten lebenden Orang-Utans wurden sowohl auf Sumatra als auch auf Borneo sogenannte "Rehabilitationszentren" geschaffen, mit deren Hilfe Orang-Utans aus Menschenhand (beschlagnahmte" Haustiere" oder Zoonachzuchten) wieder ausgewildert werden. Hierbei gilt es besondere Schwierigkeiten zu überwinden.

In Menschenhand aufgewachsene Orang-Utans zeigen eine starke Prägung auf Menschen und haben vor ihren Artgenossen sogar Angst. Diese Angst muss den Tieren genommen werden. Im Zuge der "ökologischen Rehabilitation" sollen die Tiere außerdem lernen, sich auch ohne das Zutun von Menschen ihre Nahrung zu suchen, Schlafnester zu bauen und geeigneten Schutz vor Unwettern aufzusuchen.

Appell

Die Zukunft nicht nur der Orang-Utans ist abhängig von der Zukunft der Wälder. Der Zoo Dortmund möchte mit seiner Lebensraumanlage "Rumah hutan" auf diesen bedrohten Lebensraum aufmerksam machen und die Tiere des Dortmunder Zoos, Sumatra-Orang-Utan und Schabrackentapir, sollen stellvertretend für ihre wildlebenden Artgenossen und alle anderen Bestandteile des riesigen Ökosystems Tropischer Regenwald auf diesen Missstand aufmerksam machen und um Hilfe für diesen Teil der Schöpfung bitten.

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