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K(n)opfkino aus dem Botanischen Garten: Bunt, dufte, voller Leben – der Schmetterlingsstrauch

Vorhang auf für das „K(n)opfkino aus dem Botanischen Garten“. Jeden Monat stellt Rombergpark-Direktor Dr. Knopf auf dortmund.de ein Pflanzen-Highlight aus seinem Riesenreich vor: Wissenswertes, Hintergründiges, Anekdotisches, Verblüffendes oder Praktisches über die Schönheiten der Natur. Im Juli wird’s hochsommerlich. Dr. Knopf flattert mit uns zum Schmetterlingsstrauch, häufig auch als Sommerflieder bezeichnet.

Schmetterlinge im Bauch beim Schmetterlingsstrauch? Na ja, fast. Immerhin ist das prachtvolle Gewächs für Dr. Knopf eine der ersten Sommerromanzen unter den Pflanzen: „Beim Schmetterlingsstrauch habe ich Erinnerungen an mein erstes Ausbildungsjahr in der Gärtnerei. Ich musste in Frühbeet-Kästen sitzen und Unkraut jäten. Das Schönste daran war, einen herrlichen blühenden Schmetterlingsstrauch mit den Schmetterlingen, Bienen und Hummeln zu erleben und zu betrachten.“

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K(n)opfkino im Juli: Sommer, Sonne, Schmetterling

Blaulilaweißgelborange

Bild: Stadt Dortmund / Martin Baumeister
Dr. Knopf mit Sommerflieder
Mmh, duftet der gut! „Ein intensives Vanille-Aroma ähnlich der Vanilleblume", analysiert Dr. Knopf den Geruch des Sommerflieders.
Bild: Stadt Dortmund / Martin Baumeister

Wenn Wissenschaftler ins Schwärmen kommen, dann blühen auch Fakten. Fakt eins: der Azubi Knopf hat lieber geguckt als gejätet. Fakt zwei: der Schmetterlingsstrauch ist tatsächlich eine Augenweide. Dr. Knopf: „Die Blütenfarben bewegen sich oft zwischen Bau- und Lila-Tönen. Es gibt auch weiße und rosafarbene. In der Südhemisphäre, in Chile zum Bespiel, kennen wir auch gelbe und sogar orangefarbene Blüten. Die Vielfalt ist größer als wir zunächst denken.“

Echt dufte

Fakt drei: Der Schmetterlingsstrauch ist nicht nur für das Auge, sondern auch für die Nase eine Attraktion. Duft ist leider, oder Gott sei Dank, nicht digital. Der betörende Wohlgeruch des Sommerflieders allein ist schon einen Rombergpark-Besuch wert. „Ein intensives Vanille-Aroma ähnlich der Vanilleblume, die auch Heliotrop genannt wird. Es gibt auch ein gleichnamiges Parfum“, analysiert der Park-Chef.

Mc Drive für Insekten

Der intensive Duft führt direkt zu Fakt vier: Er ist ein Magnet nicht nur für Schmetterlinge, sondern für weitere Insekten. In den Rispenblüten des Sommerflieders herrscht lebhaftes Treiben. Dr. Knopf: „Sie alle werden von dem Duft angelockt, der durch verdunstende ätherische Öle entsteht. Der Schmetterlingsstrauch ist ideal für Generalisten, also Insekten, die alles trinken. Für Insekten ist er eine Art Mc Drive. Wie beliebt er ist, zeigt sich zum Beispiel an den Hummeln. Wenn sie auf den Blüten sitzen, ist ihnen alles egal. Man kann sie sogar sanft streicheln.“ Während Dr. Knopf demonstriert, wie man eine Hummel streichelt, unterbreche wir für eine kurze Durchsage: Ja, Hummeln können stechen, zumindest die Weibchen. Also: BITTE NICHT NACHMACHEN!

Verboten

Insekten, Blüten- und Duft-Fans lieben den Schmetterlingsstrauch. Einige Naturschutzorganisationen und Behörden, die sich für den Schutz der heimischen Pflanzenvielfalt einsetzen, sehen das Gewächs jedoch kritisch.

Umstrittene Pflanze

Dr. Knopf: „Im Zuge des Klimawandels fängt der Schmetterlingsstrauch an, sich unkontrolliert zu vermehren. Es handelt sich um eine invasive Pflanzenart, sogenannte Neophyten, die heimische Arten zunehmend verdrängen. Solche Pflanzen kommen in Europa auf eine Vorwarnliste und könnten am Ende sogar verboten werden.“

So geschehen in der Schweiz, wo seit dem vergangenen Jahr kein Sommerflieder mehr gehandelt oder gepflanzt werden darf.

Sommer, Sonne, Schmetterlinge – der Gartentipp

Bild: Stadt Dortmund / Martin Baumeister
Dr. Knopf mit vielen Schmetterlingsfliedern.
„Beim Schmetterlingsstrauch habe ich Erinnerungen an mein erstes Ausbildungsjahr in der Gärtnerei. Ich musste in Frühbeet-Kästen sitzen und Unkraut jäten. Das Schönste daran war, einen herrlichen blühenden Schmetterlingsstrauch mit den Schmetterlingen, Bienen und Hummeln zu erleben und zu betrachten.“
Bild: Stadt Dortmund / Martin Baumeister

In der EU ist der Schmetterlingsstrauch noch erlaubt. Dr. Knopfs Tipps für alle, die sich eine Pflanze voller Leben in den eigenen Garten holen möchten: „Der Schmetterlingsstrauch sollte immer an eine sehr, sehr sonnige Stelle gepflanzt werden. Das tut der Pflanze gut und sie zeigt uns auch schon durch ihre silberig-grünen Blätter an, dass sie sehr viel Licht verträgt. Sie blüht dann besonders gut und duftet viel stärker. Für den Hausgarten gibt es heute kleine Sorten, die nur kniehoch werden. Sie sind mit noch silberigerem Laub sehr trockenheitsverträglich und passen daher gut in den Klimawandel.“

Auch für größere Gärten gibt es geeignete Arten. Dr Knopf: „Oder sie kaufen den Strauch ganz klein im Gartencenter oder in einer Gärtnerei ihres Vertrauens. Dann ist er vielleicht 20, 30 cm groß, aber schon im nächsten Jahr wächst er über zwei Meter. Zur Pflege empfehlen wir, die Sommerflieder im Winter auf Kniehöhe immer wieder herunterzuschmeißen, weil die ganzen neuen Triebe besonders reich blühen. Und falls die äußere Blüten irgendwann braun werden und nicht mehr schön aussehen, kann man sie herausschneiden und umso mehr Blüten kommen seitlich nach.“

Wie findste?

Noch besser als den Schmetterlingsstrauch selbst zu pflanzen ist, ihn im Rombergpark zu besuchen. Er blüht noch bis Ende August. Verschiedenfarbige Pflanzen sind direkt am Kinderspielplatz westlich und etwas oberhalb des großen Rombergpark-Teiches zu finden.

Dr. Knopf und Deutschlands grüne Nummer eins

Dr. Patrick Knopf leitet und hütet Dortmunds grünen Schatz: den Botanischen Garten Rombergpark , der 69,2 Hektar (das sind 97 Fußballfelder!) große Garten mit seinen über 100.000 Pflanzen und einer Vielfalt von 11.000 bis 12.000 Sorten und Arten ist Deutschlands Nummer eins unter den botanischen Anlagen. Jedes Jahr besuchen rund 1,2 Millionen Menschen das Paradies im Dortmunder Süden.

Rombergpark-Direktor Dr. Patrick Knopf selbst ist ein grüner Großmeister: Der gebürtige Aplerbecker hat erst Gärtner gelernt, später Botanik an den amerikanischen Elite-Unis Yale, Harvard sowie Berkeley studiert und gelehrt. Jeden Monat blüht uns was: Aus jedem Gewächs sprießt eine Geschichte, jede Staude ist eine Story.

K(no)pfkino aus dem Botanischen Garten

Hier finden Sie alle Folgen unserer Serie:

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