Gedenkstätte Steinwache online
Objekte der Steinwache
Die Dauerausstellung "
Schutzhaftbefehl Heinrich Pieper
Jan Pohl
Dieser "Schutzhaftbefehl" wurde am 6. Januar 1937 durch die Dortmunder Gestapo für den Sozialdemokraten Heinrich Pieper ausgestellt. Pieper hatte zu diesem Zeitpunkt gerade eine Justizhaftstrafe wegen des Vorwurfes eines Verstoßes gegen das "Gesetz gegen die Neubildung von Parteien" verbüßt. Der Zweck des Schriftstückes bestand in einer Einschüchterung des "Delinquenten" und anderer durch diese Machtdemonstration der Gestapo. Pieper saß zu diesem Zeitpunkt bereits im Polizeigefängnis und "verbüßte" die Schutzhaft auch in der Steinwache. Er wurde am 8. März 1937 entlassen.
Heinrich Pieper war zuvor bereits mehrfach in die Steinwache eingeliefert worden, unter anderem als er zusammen mit weiteren führenden Sozialdemokraten am 24. Juni 1933, zwei Tage nach dem Verbot der SPD, festgenommen wurde. Unter ihnen befand sich auch Fritz Henßler, der spätere Dortmunder Oberbürgermeister von 1946 bis 1953.
Der Euphemismus "Schutzhaft" bedeutete im nationalsozialistischen Sprachgebrauch den Freiheitsentzug durch die Gestapo, der nicht an eine richterliche Entscheidung gebunden war. Als rechtliche Grundlage für diese Maßnahme diente die "Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat" vom 28. Februar 1933, die auch als Reichstagsbrandverordnung bekannt ist. Mithilfe dieses Gesetzes wurden die durch die Weimarer Verfassung gewährten Grundrechte wie die Versammlungsfreiheit, die Meinungs- und Pressefreiheit oder auch das Verbot von Beschränkungen der persönlichen Freiheit nahezu vollständig aufgehoben. Es stellte neben der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes und dem Ermächtigungsgesetz einen wesentlichen Schritt in der Machtergreifung der Nationalsozialisten dar.
Heinrich Pieper (1881-1960) trat bereits 1901 in die SPD ein und war ab 1924 als Stadtverordneter in Dortmund tätig. Er gehörte als enger Vertrauter Fritz Henßlers dessen Widerstandgruppe an und nahm an fast allen ihren Besprechungen teil.
Karfreitag 1945
Ein Ehering als Zeugnis des Massenmordes
Dieser Ehering wurde 1954 im Rahmen einer Umbettungsaktion von Gestapo-Opfern in einem Massengrab auf dem evangelischen Friedhof in Hörde gefunden. Der oder die Besitzer*in des Rings war mutmaßlich im nahegelegenen Rombergpark erschossen worden. Die meisten gefundenen Opfer hatte man nicht identifizieren können. So blieben kleine persönliche Gegenstände als einzige Zeugnisse erhalten. Was aber war geschehen?
Ende März 1945 hatte die Dortmunder Gestapo mit der Evakuierung ihrer Dienststelle begonnen. Zu diesem Zeitpunkt war das Ruhrgebiet durch amerikanische Truppen im "Ruhrkessel" eingeschlossen worden. Neben der Verlagerung von Material und Personal ins sauerländische Hemer hatte dieser Schritt vor allem die Überprüfung der eigenen Häftlinge und die Entscheidung darüber, wer leben und wer sterben sollte, bedeutet.
Schon seit Beginn des Zwangsarbeitereinsatzes von Menschen aus Polen und der Sowjetunion hatte man immer wieder einzelne von ihnen wegen als schwer erachteter Regelverstöße exekutiert. Zuletzt hatten Beamte der Dortmunder Gestapo im Februar und März 1945 in der Nähe von Lüdenscheid sowie in der Bittermark in vier Massenexekutionen etwa 90 Menschen erschossen.
In der Nacht zu Karfreitag hatten dann die Massenexekutionen der Häftlinge, Deutscher wie Ausländer, denen man "Delikte" wie Hochverrat, Spionage und anderes vorwarf, begonnen. Bis in die Osterwoche hinein wurden an sechs Bombentrichtern im nahe der Dienststelle gelegenen Rombergpark insgesamt wahrscheinlich 145 Menschen ermordet – unter ihnen der oder die Träger*in des Rings. Die letzten drei Opfer erschoss ein Gestapokommando auf einem Bahngelände kurz bevor man sich endgültig aus der Stadt absetzte. Am 13. April wurde Dortmund von amerikanischen Truppen befreit.
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