Dortmund überrascht. Dich.
Große Gurkenpflanze mit gelber Blüte.

Familienportal

Wald- und Wiesenschule auf dem Schultenhof

Heute ist der sechste Ausflugstag der Aktion "Dortmund mit Kindern erleben", die vom Familien-Projekt organisiert und von den Ruhr Nachrichten in Wort und Bild begleitet wird: Diesmal hat das Familien-Projekt mit seinem Familienbüro in Hombruch eine Bauernhof-Führung der Wald- und Wiesenschule auf dem Schultenhof gebucht, damit 40 Kinder zusammen mit ihren Eltern einen weiteren spannenden Familien-Ferientag in Dortmund verbringen können.

Von Barbara Nobis

Dem Namen nach kennen viele Dortmunder den Schultenhof. Werner und Heike Vollmer kennen sogar das Landcafé mit angrenzendem Kinderspielplatz: "Wir waren einmal mit unseren Kindern wegen des schön angelegten Wasserspielplatzes hier", sagt Werner Vollmer, während er auf einer Bank gegenüber dem Hofladen sitzt und auf die Kistenstapel blickt, aus denen gelbe Paprika, Tomaten und Kohlrabi ragen.

Menschen auf einem Weg vor einem Bauernhof.

Idyllisches Leben im Grünen.

Dann ist es soweit. Uwe Manz, der Leiter der Wald- und Wiesenschule, begrüßt die Familien und klärt bereits zu Anfang, was den Schultenhof ausmacht. "Wir wirtschaften hier völlig anders als konventionelle Landwirte, nämlich zeitgemäß ökologisch". Danach wendet sich der Diplom-Pädagoge an die Kinder: "Wisst Ihr, dass es noch immer Hühner gibt, die ihr Leben auf der Fläche eines DIN A4 Blattes verbringen müssen? Unsere 1.200 Hühner haben es da besser. Wollt Ihr mal sehen?" Als die Kinder hören, dass sie die Hühner sogar füttern dürfen, laufen sie schnell zum Hühnerstall, der so groß ist wie ein Mietshaus für mindestens acht Familien.

Kinder und Erwachsene füttern Hühner.

Das Federvieh erhofft sich zusätzliche Leckerbissen.

Zu Besuch beim Federvieh

Hinter dem teilweise überdachten Stall suhlt sich das verwöhnte Federvieh im Rindenmulch oder pickt Gräser, Kräuter, Würmer und Käfer, die es auf der 5.000 Quadratmeter großen Wiese hinter dem Stall findet. Vier Hähne und zig Hühner stolzieren im dichten Federkleid um die Kinder herum als warteten sie bereits auf einen zusätzlichen Leckerbissen. Die sechsjährige Luisa traut sich zunächst nicht, ihre Hand auszustrecken, damit ein Huhn die Körner aus ihrer Handfläche picken kann. Als sich das Mädchen schließlich hinhockt, schreiten drei Hühner gelangweilt an ihr vorbei. Sie haben anscheinend keinen Bedarf mehr an der "Extraportion Weizenkorn".

Während des Fütterns erklärt Uwe Manz die Grundlagen der modernen ökologischen Hühnerhaltung. So erfahren die Kinder zum Beispiel, dass es sich bei den Hühnern um so genannte Hybridhühner handelt, die die Eigenschaften von verschiedenen Rassen in sich tragen. Die Gäste horchen auf, als Uwe Manz berichtet, dass bereits Füchse und Marder den Vorteil ökologischer Hühnerhaltung für sich erkannt haben. Frei herumlaufendes Federvieh ist ein prima Leckerbissen, denn der Fuchszaun um das Gehege ist kein wirkliches Hindernis für ein hungriges Raubtier.

Gelbe Paprika

Frisches Gemüse aus dem Garten.

Der Pädagoge versteht es, das Interesse der Kinder wach zu halten, indem er sich immer wieder auf die Erfahrungswelt der Kinder bezieht: "Wie groß ist euer Kühlschrank zu Hause?", will Uwe Manz wissen. Alle Kinder reißen ihre Arme weit auseinander. "Wir müssen hier ja viele Dinge kühlen. Deshalb haben wir einen extra großen Kühlschrank – einen Angeberkühlschrank sozusagen". Dann werden die Besucher in einen eiskalten Raum geführt, der so groß ist wie eine Doppelgarage. Hier lagert nach der täglichen Ernte das Gemüse, das im eigenen Hofladen verkauft oder an diverse Bioläden ausgeliefert wird. Die Energie zur Kühlung des Raums stammt unter anderem von einer Photovoltaikanlage, die bei mäßigem Sonnenschein eine Kilowattstunde Strom liefert.

Raubmilben und Marienkäfer

Ökologisch und modern ist das 2000 Quadratmeter große Gewächshaus, in dem ein Computer selbständig die Bewässerung und die Raumtemperatur steuert. Anhand von Bildtafeln erklärt Uwe Manz, dass der Marienkäfer als Nützling gilt und dass bei Blattlausbefall ein Anruf genügt, um zirka 25.000 Raubmilben, 5.000 Marienkäfer oder ein Hummelvolk mit Königin zur Bestäubung und Ertragssteigerung der Gemüsekulturen zu bestellen. Danach verschwindet Uwe Manz in den dicht beieinander stehenden Gurkenrabatten, um Gurken zu ernten. "Mmh, sind die Gurken saftig", stellt die zehnjährige Michelle fest und bittet um Nachschlag. Gleiches gilt für die Tomaten. Die vierzig Kinder gieren nach dem frisch gepflückten Gemüse.

Kinder auf einem Feld halten Kohlrabipflanzen in den Händen.

Stolz auf die eigene Ernte!

Nachdem Michelle, Noah und Marwin die Kohlrabiknollen aus den Beeten hinter dem Gewächshaus gezogen haben, dürfen sie gleich weiternaschen – nämlich die frisch geernteten Kohlrabi. Für Stadtkinder, die nur abgepacktes Gemüse aus dem Supermarkt kennen, ist das sicherlich ein außergewöhnliches Erlebnis.

Es bleibt nicht die einzige schöne Erfahrung an diesem Nachmittag. Die Kinder dürfen Gemüsereste an Schweine und Ziegen füttern, sie dürfen eine abschüssige Wildwiese hinuntersausen, sie errichten ein "Angeberfeuer" und beobachten 200 Gänse aus nächster Nähe. Danach ist es Zeit zum Stockbrotbacken, Zeit um am Lagerfeuer Bratwürstchen aus der hofeigenen Metzgerei zu essen, Zeit, um zusammen mit der Gitarristin Christine Tinnefeld Abenteuer- und Spaßlieder vor der Aschenglut zu singen. Und irgendwann, wenn die Sonne schon tief am Himmel steht, ist es Zeit, nach Hause zu gehen – im Kopf viele schöne Erinnerungen an kurzweilige Stunden auf dem Schultenhof.

Bilderstrecke: Ausflugsziele: Wald- und Wiesenschule auf dem Schultenhof

Eine Reihe kleiner Salatpflanzen. 9 Bilder
Wo kommt das Gemüse eigentlich her, das wir essen?

Kontakt

Wald-und Wiesenschule am Schultenhof

Familienportal