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Natur & Erholung

K(n)opfkino aus dem Botanischen Garten: Tier-Theke und Beauty-Elixier – die Wilde Karde

Vorhang auf für das „K(n)opfkino aus dem Botanischen Garten“. Jeden Monat stellt Rombergpark-Direktor Dr. Knopf auf dortmund.de ein Pflanzen-Highlight aus seinem Riesenreich vor: Wissenswertes, Hintergründiges, Anekdotisches, Verblüffendes oder Praktisches über die Schönheiten der Natur. Im August widmet sich der Rombergpark-Chef der Wilden Karde. Wäre diese Pflanze ein Auto, würde man sie so beschreiben: „optisch wenig aufregend, punktet aber durch Ausstattung und Funktion“.

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K(n)opfkino im August: Die Wilde Karde - Vogelbar und Kröten-Kreißsaal

Wie manche Autos ist sie unter mehreren fantasievollen Namen bekannt: „Venusbad“, „Bad der Aphrodite“, „Venusbecken“, „Venuswanne“ oder „Weihwasserkessel“. In Deutschland ist sie außerdem als „Weberdistel“ geläufig, in der Schweiz als „Strumpfhosenkratzerli“, in Frankreich als „cabaret des oiseaux“ (Vogel-Bar). Die blühenden Pseudonyme sind kein Zufall.

Vogelbar und Kröten-Kreißsaal

Dr. Knopf erklärt: „Das Besondere an der Pflanze ist, dass die Blätter an dem stacheligen Stil zusammenwachsen und kleine Trichter bilden. Diese Trichter sind wie Auffangbecken, in denen sich nach einem Regenguss das Wasser sammelt. Daher der Name Venusbad.“
Diese kleinen Zisternen dienen zum einen als Vogeltränke („Vogel-Bar“) und zum anderen als natürlicher Kreißsaal.

Dr. Knopf: „In diesen wassergefüllten Blatt-Trichtern bekommen einige Insekten ihren Nachwuchs. Sprich Mücken und alle Arten, die sich vor dem Fliegen erst im Wasser entwickeln müssen. Wir haben auch schon erlebt, dass sich an unteren Trichtern Frösche und Kröten ihre Laiche abgelegt haben. Dann muss man natürlich darauf achten, dass die kleinen Becken nicht austrocknen.“

Beauty-Studio Rombergpark

Dr. Knopf mit Wilder Karde.
Bild: Stadt Dortmund / Martin Baumeister
Dr. Knopf hat die Haare schön: Früher fand die Wilde Karde auch als Bürste Verwendung.
Bild: Stadt Dortmund / Martin Baumeister

Der Legende nach ersetzt das Wasser aus dem Venusbad sogar jedes Beauty-Studio. So sollen Mädchen, die das Wasser aus den Trichtern der Wilden Kade trinken besonders hübsch werden. Mit einem wissenschaftlichen Nachweis zu diesem Effekt kann der Rombergpark-Chef allerdings nicht dienen.

Dafür aber mit einer anderen Verwendung in Sachen Styling: „Früher wurden tatsächlich diese alten Frucht- und Blütenstände als Haarbürste genommen. Die sind sehr derb und spitz – ideal zum Kämmen oder Bürsten. Vielleicht hat man sie auch als Lockenwickler benutzt. Das wissen wir heute nicht mehr.“

Gesichert ist allerdings: Ihren Volksnamen „Weberdistel“ verdankt die Karde einer ähnlichen Anwendung, die bis weit ins 20. Jahrhundert üblich war: Die getrockneten Blütenköpf waren auch zum Kämmen und Bürsten von Stoffen bestens geeignet und waren aus den Webereien nicht wegzudenken.

Gartentipp mit Überlebensgarantie

Botaniker Dr. Knopf schätzt jedoch weniger die praktischen als die ökologischen Vorteile der Wilde Karde: „Viele Blüten in den Staudengärten in den Sommerblumen hören jetzt auf mit der Nektarproduktion. Gerade im Herbst haben wir einen Nektarmangel, der entsprechend dazu führt, dass Hummeln auch tot auf der Straße liegen. Die vergiften sich nicht, sondern sie kriegen nicht genügend Nahrung. Die Wilde Karde trägt Nektar bis in den Herbst und ist eine überlebenswichtige späte Nahrungsquelle für Insekten.“

Für Dr. Knopf ist die Wilde Karde ein echter Tipp für alle Gartenfreunde: „Es handelt sich um eine zweijährige Pflanze, die sehr anspruchslos ist. Ein bisschen normalen Gartenboden und ein bisschen Wasser reicht aus. Man braucht sie nicht düngen und sie ist voll frosthart. Sie wächst dann innerhalb von Ende März bis jetzt schnell hoch auf zwei teilweise drei Meter, verzweigt sich hat dann diese diestelförmigen Blüten.“

So wird aus dem Garten eine Kneipe

Durch eine Wilde Karde wird der Garten zur Kneipe. „Das ganz gute Zeug“ nennt Dr. Knopf den Nektar der Wilden Karde, denn er hat beobachtet: „Hummeln werden regelrecht besoffen davon und bekommen nichts mehr mit, was um sie herum geschieht. Dann könnte man sie sogar vorsichtig anfassen und streicheln. Sie bewegen sich kaum noch und haben sich regelrecht auf dem Hocker an der Theke festgekrallt.“

Dr. Knopf und Deutschlands grüne Nummer eins

Dr. Patrick Knopf leitet und hütet Dortmunds grünen Schatz: den Botanischen Garten Rombergpark , der 69,2 Hektar (das sind 97 Fußballfelder!) große Garten mit seinen über 100.000 Pflanzen und einer Vielfalt von 11.000 bis 12.000 Sorten und Arten ist Deutschlands Nummer eins unter den botanischen Anlagen. Jedes Jahr besuchen rund 1,2 Millionen Menschen das Paradies im Dortmunder Süden.

Rombergpark-Direktor Dr. Patrick Knopf selbst ist ein grüner Großmeister: Der gebürtige Aplerbecker hat erst Gärtner gelernt, später Botanik an den amerikanischen Elite-Unis Yale, Harvard sowie Berkeley studiert und gelehrt. Jeden Monat blüht uns was: Aus jedem Gewächs sprießt eine Geschichte, jede Staude ist eine Story.

K(no)pfkino aus dem Botanischen Garten

Hier finden Sie alle Folgen unserer Serie:

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