Zeitzeichen Dortmund
Impfkampagne
Aufruf zur Impfung gegen die Kinderlähmung, Dortmund 1957.
(StadtA Dortmund, Best. 502)
„History doesn’t repeat itself but it rhymes“. Dieses Zitat von Mark Twain erlangt im Kontext der aktuellen Covid-19-Pandemie erneut eine Bestätigung.
Bereits im Jahr 1957 setzte die Stadt Dortmund auf eine Impfkampagne zur Bekämpfung der sogenannten Kinderlähmung, im Fachterminus Poliomyelitis genannt. Das Dortmunder Tageblatt schrieb am 11.05.1957 „Seuchenjahr 1952 soll sich nicht wiederholen“ und machte damit auf die laufenden Impfungen gegen die Krankheit aufmerksam.
Seit dem Zweiten Weltkrieg kam es alle fünf Jahre zu einem epidemischen Ausbruch von Polio. Vor der Entwicklung eines Impfstoffes griff auch die Stadt Dortmund auf Maßnahmen wie Verbote von öffentlichen Veranstaltungen, Schließungen von Schulen und hygienische Vorkehrungen zurück. Die „eiserne Lunge“, die den kleinen Patientinnen und Patienten das Atmen erleichterte, brachte eine erste Milderung des Krankheitsverlaufs.
Besonders schwer getroffen hatte es 1956 den 13 Jahre alten Horst-Rüdiger K., der seit viereinhalb Jahren in der „eisernen Lunge“ liegen musste. Am 13.12.1956 wurde seine Genesung vermutlich noch ein wenig unterstützt, als ein Idol des Jungen das Krankzimmer betrat: Nino Valdes, ein bekannter Schwergewichtsboxer aus Kuba. Valdes besuchte den Jungen nun schon zum zweiten Mal im Krankenhaus, um sich zu vergewissern, dass dieser auf dem Weg der Besserung ist. Horst K.s größter Traum, Nino Valdes einmal im Boxring zu sehen, konnte sich so zumindest zum Teil erfüllen.
Der schwere Krankheitsverlauf von Horst-Rüdiger K. war nach einer Polio-Infektion kein Einzelfall. Damit dies in Zukunft verhindert werden konnte, arbeitete die Forschung schon seit Jahren an der Entwicklung eines Impfstoffs, der dann im Jahr 1955 schließlich von Jonas Salk auch gefunden war. Während der Epidemie 1957 setzte die Stadt Dortmund auf eine Impfkampagne damit die Kinder mit dem neuen Impfstoff immunisiert werden konnten. Allerdings war die Skepsis der Eltern gegenüber den Impfungen enorm, bis zum 11.05.1957 wurden in Dortmund nur rund 700 von 6000 Kindern geimpft. Nebenwirkungen gab es selten und falls doch, waren es eher leichtes Fieber oder Unwohlsein. Die Maßnahmen zur Eindämmung epidemischer Viruserkrankungen im 20. wie im 21. Jahrhundert ähneln sich also stark und auch die Impfskepsis war schon in den 1950er Jahren ein heiß diskutiertes Thema.
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