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K(n)opfkino aus dem Botanischen Garten: Kein Rauschmittel für Rüsseltiere – das Elefantengras

Vorhang auf für das „K(n)opfkino aus dem Botanischen Garten“. Jeden Monat stellt Rombergpark-Direktor Dr. Knopf auf dortmund.de ein Pflanzen-Highlight aus seinem Riesenreich vor: Wissenswertes, Hintergründiges, Anekdotisches, Verblüffendes oder Praktisches über die Schönheiten der Natur. Im September hören wir dank Dr. Knopf das Gras wachsen. Er spricht über das Elefantengras und stellt klar: Das ist kein pflanzliches Rauschmittel für Rüsseltiere. „Das Besondere an dem Elefantengras oder auch China-Schilf ist, dass man mit ihm vieles machen kann – aber rauchen kann man es nicht“, so Dr. Knopf.

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K(n)opfkino im September: Kunststoff aus Elefantengras

Nicht rauchen. Aber verbrennen.

Dafür hat es andere berauschende Verwendungsmöglichkeiten. Für Dr. Knopf ist sie nicht nur die Pflanze des Monats September, sondern sogar die Pflanze der Zukunft: „Ich bin sicher, dass das Elefantengras künftig für uns sehr relevant sein wird, weil man aus ihm sehr viel Biomasse gewinnen kann. Es hat als Energiepflanze einen extrem guten Heizwert. Auf Feldern angebaut, gewinnt man Heizmasse in Form von Pellets. Ein Beispiel: Ein Hektar, also 100 mal 100 Meter, der richtigen Gras-Sorte in einem günstigen Landstrich ersetzt 3.000 bis 7.000 Liter Heizöl.“

Kunststoff aus Gras

Nicht nur in der ökologischen Energiegewinnung, auch in der Kunststoff-Industrie sorgt das Elefantengras für grüne Zukunfts-Fantasien auf dem blauen Planeten. Dr. Knopf: „Diese Gräser-Gruppe, Miscanthus genannt, bildet eine Substanz mit einem fürchterlich komplizierten Namen, die für die Kunststoff-Produktion genutzt werden kann. Bio-Kunststoffe, Bio-Leime, Harze – alles, was man so braucht, kann man aus dieser Pflanze in relativ großen Dosen gewinnen. Im Moment wird daran geforscht, wie man das optimal industrialisieren kann. Bevor man das Gras zur Energiegewinnung nutzt, könnte man seine Inhaltsstoffe gewinnen und zur biologischen Kunststoff-Herstellung im großen Stil verwerten.“

100 Punkte beim Scrabble: Hydroxymethylfurfural

Manche behaupten inzwischen sogar, Miscanthus sei das neue Plastik. Tatsächlich kann die aus Elefantengras gewonnene unaussprechliche Substanz Hydroxymethylfurfural (kurz HMF) beispielsweise zur Herstellung von Plastikflaschen und Nylonstrümpfen verwendet werden. Aber auch zur Herstellung von Lebensmittelverpackungen, Fasern für Autositze, Sportbekleidung oder sogar Autoteilen.

Warum heißt das Elefantengras Elefantengras?

Bild: Stadt Dortmund / Martin Baumeister
Dr. Knopf im Rombergpark präsentiert Elefantengras.
Dr. Knopf im hohen Gras: „Das Besondere an dem Elefantengras oder auch China-Schilf ist, dass man mit ihm vieles machen kann – aber rauchen kann man es nicht.“
Bild: Stadt Dortmund / Martin Baumeister

Kommen wir vom Nutzen zum Namen. Manchmal blüht in der Botanik auch die Logik. „Das Elefantengras heißt Elefantengras, weil es so hoch wächst wie ein Elefant - etwa fünf Meter hoch“, erklärt Dr. Knopf. „Das ist dann nur für größere Gärten geeignet. Aber für etwas Strandfeeling in kleineren Gärten gibt auch kürzere Sorten, die man sogar in einem Topf auf dem Balkon halten kann.“ In diesem Fall erlebt man im September noch einen blühenden Höhepunkt am Ende des Gartenjahres.
Dr. Knopf: „Elefantengras ist ein typischer Herbstblüher. Das liegt an seiner Herkunft aus Afrika und Ost-Asien. Dort sind die Jahreszeiten etwas länger und zeitlich verschoben. Deshalb sehen wir jetzt die typische späte Blüte.“

Gras macht Spaß

Heizwert und industrielle Kunststoffproduktion sind für Gartenfans wohl nur als Anekdote ein Argument. Aber Strandfeeling, die Nervenmassage durch das sanfte Rascheln der langen Halme und die Freude an später Blüte sprechen für den Spaß am Elefantengras. Und: Es ist sehr genügsam.
„Der normale Regen reicht aus. Wer es ein wenig üppiger haben möchte, gibt ihm ein bisschen stickstoffhaltigen Dünger“, so Dr. Knopf.

Einfach macht es das Elefantengras auch seinem Besucher im Rombergpark. Wo man es findet? „Eigentlich überall“, sagt der Park-Chef. „Wenn Sie jetzt Blütenstände am Gras sehen, dann können Sie relativ sicher sein, dass sie vor einem Micanthus stehen.“

Dr. Knopf und Deutschlands grüne Nummer eins

Dr. Patrick Knopf leitet und hütet Dortmunds grünen Schatz: den Botanischen Garten Rombergpark , der 69,2 Hektar (das sind 97 Fußballfelder!) große Garten mit seinen über 100.000 Pflanzen und einer Vielfalt von 11.000 bis 12.000 Sorten und Arten ist Deutschlands Nummer eins unter den botanischen Anlagen. Jedes Jahr besuchen rund 1,2 Millionen Menschen das Paradies im Dortmunder Süden.

Rombergpark-Direktor Dr. Patrick Knopf selbst ist ein grüner Großmeister: Der gebürtige Aplerbecker hat erst Gärtner gelernt, später Botanik an den amerikanischen Elite-Unis Yale, Harvard sowie Berkeley studiert und gelehrt. Jeden Monat blüht uns was: Aus jedem Gewächs sprießt eine Geschichte, jede Staude ist eine Story.

K(no)pfkino aus dem Botanischen Garten

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