Zeitzeichen Dortmund
Alchimistisches Rezeptbuch
Eine Gesichtscreme für Frauen aus dem Rezeptbuch eines astrologischen Alchimisten vom Ende des 17. Jahrhunderts
"Geheim! Schönheitspflege vor 200 Jahren"
(StadtA Dortmund, Best. 450 Nr. 6, alte Signatur B XVI 26)
Buch mit Holz-Pergament-Einband, 103 Papierblätter, Maße: 21 x 16 x 2,5 cm (ähnlich DIN A5)
Sucht man dieser Tage im Archiv nach Hinweisen auf Seuchen, Pest und Cholera der vergangenen Jahrhunderte, bietet ein Rezeptbuch eines namenlosen Alchimisten und Apothekers, das sich im Stadtarchiv Dortmund als Schenkung aus privater Hand erhalten hat, eine gute Ausbeute. Doch konnte darin eine Entdeckung gemacht werden, die viel erfreulicher ist.
Der Alchimist verzeichnete in dem schmucklosen Büchlein die ihm bekannten Grundlagen der Astrologie und Alchemie in französischer und deutscher Sprache. Das in Schönschrift geschriebene und die Leserschaft direkt ansprechende Werk enthält die üblichen Anleitungen zur Herstellung bzw. Vermehrung von Gold und Silber sowie Arzneien gegen die verschiedensten Krankheiten.
Dazwischen findet sich ein Rezept, das der Autor als "le Secret des Secrets" (= dt. das Geheimnis der Geheimnisse) bezeichnet. Es sei ihm von einem venezianischen Edelmann verraten worden, der damit großen Erfolg gehabt habe und das mit nichts auf der Welt vergleichbar sei. Es dient "zum Waschen und Röten der Damenhaut und um diese [die Damen] schön zu machen". Obwohl im 17. Jahrhundert die vornehme Blässe das bestimmende Schönheitsideal war, sollten rote Wangen die Damen wohl gesünder und jünger wirken lassen.
Das Rezept
- "Soviele Eier hartkochen, bis man zwei Pfund Eiweiß hat." - Ob damit das körpereigene Eiweiß Kollagen angereichert werden sollte, das die Haut straffer macht?
- "Ein halbes Pfund Terbentine" (= dt. Terpentinöl) - Das Gemisch aus Nadelbaumharz und ätherischen Ölen wirkt in der Hautpflege antiseptisch und durchblutungsfördernd, so dass eine Reizung und Rötung der Hautpartien erzeugt wird. Es ist allerdings viel giftiger als der zum Pinselreinigen gebrauchte Terpentinersatz aus Erdöl.
- "Ein halbes Pfund Honig" - Honig wirkt entzündungshemmend, antibakteriell und beruhigend auf die Haut.
- "Eine Unze Storax liquide" (= dt. flüssiges Storaxharz) - Das aus Kleinasien stammende, auch Balsam und Amber genannte Harz vom Amberbaum war schon in der Antike ein hochgehandeltes Luxusgut, das zum Räuchern und für die Parfümherstellung verwendet wurde. Es blieb fester Bestandteil der vormodernen Medizin und wurde äußerlich bei Krätze und zur Wundheilung eingesetzt. Die alte Apothekerunze betrug ca. 31 Gramm.
- "Zwei Unzen benjoin" (= dt. Benzoe) - Benzoe ist ein ebenfalls aus Storaxbäumen gewonnenes Harz, das nach Zimt und Vanille riecht und in der katholischen Kirche Bestandteil des Balsamöls bei der "Letzten Ölung" ist.
- "4 Unzen Rosenwasser"
- "Alles in eine Retorte (ein gläserner Destillierkolben mit umgebogenem Hals) füllen und im Wasserbad destillieren. Zu jedem gewonnenen Pfund Flüssigkeit ein Gran (das französische 'grain' betrug 53,11 mg) Moschus geben. Alles für zehn Tage in die Sonne stellen und fertig ist es."
Henrike Bolte
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