Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz
Sexuelle Bildung
Sexuelle Bildung umfasst die Aneignung von Wissen, Einstellungen und Kompetenzen im Bereich Sexualität. Sie ist ein lebenslanger Prozess, der in verschiedenen Lebensbereichen stattfindet, z. B. in Familie, Schule, Freundesgruppen und über Medien. Der Begriff grenzt sich von der früher gebräuchlichen Sexualaufklärung ab, die primär auf Wissensvermittlung über biologische Aspekte (Körperwissen, sexuell übertragbare Krankheiten) fokussiert war (vgl. Valtl, 2006) und wird durch den eigenen Selbstwert, das eigene Verständnis von Lust sowie die positive Einstellung zum Thema Sexualität erweitert. Sexuelle Bildung sollte immer im Kontext der Freiwilligkeit und Selbstbestimmung stattfinden.
Kinder und Jugendliche werden durch die oben genannten Lebensbereiche in ihrem Sexualverständnis beeinflusst. Zudem hängt eine eigene positive Einstellung davon ab wie sicher- oder eben unsicher Fragen von Kindern und Jugendlichen beantwortet werden können oder im Alltag aufgegriffen werden.
Es gibt keine Norm für "richtige" oder "falsche" Lust. Empfinden und Intensität kann sich im Laufe des Lebens und in verschiedenen Situationen ändern und das ist gut so! Wichtig ist auch, dass Kinder- und Jugendliche lernen Gefühle und Grenzen zu erspüren und zu äußern. Lust haben und keine Lust haben- ist beides in Ordnung. Und verdient seine Anerkennung. Die Auseinandersetzung mit Lust hilft jungen Menschen, ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu verstehen und diese auf eine gesunde und verantwortungsvolle Weise auszudrücken.
Soforthilfe
In akuten Notfällen, falls eine direkte Gefahrenabwehr notwendig wird, sollte immer die Polizei alarmiert werden. Tel.: 110
Notruf
Die Notrufnummer des Jugendamtes (Misshandlung/ Hilfen bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche/ Gewalt) immer erreichbar! Tel.: 0231 50-12345
Hilfen für junge Menschen bei sexualisierter Gewalt finden Sie hier
Eltern und Fachkräfte sollten eine eigene Haltung zu Themen rund um Sexualität entwickeln, um junge Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten.
Das Fachreferat Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz (FR EKJS) begleitet, stärkt, unterstützt und informiert junge Menschen, um sie in die Lage zu versetzen, sich selbst vor schädigenden Einflüssen, wie z. B. Drogenkonsum oder Datenmissbrauch, zu schützen.
Sprache in der sexuellen Bildung
Sprache ist ein zentrales Element gelingender sexueller Bildung. Sie ermöglicht es Kindern und Jugendlichen, über Gefühle, Körper, Lust und Grenzen zu sprechen. Schweigen und Tabuisierung hingegen begünstigen Unwissenheit und machen anfälliger für Grenzverletzungen. Fachkräfte sollten daher eine altersgerechte, respektvolle und klare Sprache wählen (vgl. Tuider & Helfferich, 2012).
Medien in der sexuellen Bildung
Medien sind ein zentraler Sozialisationsfaktor für Kinder und Jugendliche. Studien zeigen, dass ein erheblicher Anteil von Jugendlichen bereits im frühen Jugendalter mit sexuellen Inhalten konfrontiert wird (EU Kids Online, 2019). Dabei ergeben sich Chancen (z. B. Informationszugang, positive Rollenvorbilder, Sexting) und Risiken (z. B. Cybermobbing, Cybergrooming, Missbrauch von künstlicher Intelligenz in pornografischen Materialien). Pädagogische Fachkräfte sind daher gefordert, Medienkompetenz und kritisches Denken zu fördern (vgl. Sutter & Kühne, 2021).
Pornografie
Befragungsergebnisse unterstreichen, dass viele Jugendliche online beabsichtigt oder unbeabsichtigt mit Pornografie in Berührung kommen (Döring et al., 2025). Auswertungen zeigten, dass Jugendliche Pornografie unterschiedlich deuten und bei aller Faszination auch ein Verständnis für eventuelle Machtgefälle vorliegt. Diese Deutungen müssen pädagogisch begleitet werden. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Pornografie in der schulischen und außerschulischen Sexual- und Medienbildung altersgerecht, faktenbasiert und reflexiv zu behandeln, um Jugendliche bei der Entwicklung realistischer und konsensorientierter Vorstellungen von Sexualität zu unterstützen.
Sexting
Unter Sexting versteht man das Versenden oder Teilen von erotischen Bildern oder Texten über digitale Medien. Für Jugendliche kann Sexting Ausdruck von Vertrauen und Intimität sein. Gleichzeitig birgt es erhebliche Risiken, wenn Inhalte ohne Zustimmung weiterverbreitet werden. Folgen können Scham, Mobbing oder strafrechtliche Konsequenzen sein (vgl. Döring, 2014). Präventive Ansätze setzen auf Aufklärung über Risiken, Förderung von Selbstbestimmung und Stärkung von Handlungskompetenzen.
Sextortion
Der Begriff Sextortion setzt sich aus dem englischen Wort Sex und Extortion (Erpressung) zusammen. Täter*innen erschleichen sich Nacktbilder und -videos von Personen und erpressen sie damit diese im Netz zu verbreiten, wenn sie nicht innerhalb kurzer Zeit Geld überweisen.
Wie kann ich mich schützen?
- Grundsätzlich keine Nackbilder oder -videos verschicken
- Keine zufälligen Freundschaftsanfragen annehmen
- Den eigenen Account auf Privat stellen
- Nicht vorschnell Videochats zustimmen
- Betriebs- und Virenschutzsysteme auf allen Smartgeräten aktuell halten.
Was tun, wenn ich bereits erpresst wurde?
- Keine Gelder überweisen
- Den Forderungen nicht nachkommen
- Kontakt bei der jeweils genutzten Plattform melden
- Macht dem Gegenüber deutlich das dies eine strafbare Handlung ist
- Kontakt zur örtlichen Polizei aufnehmen, ggf. Anzeige erstatten
Cybergrooming
Der Begriff Cybergrooming beschreibt das gezielte Anbahnen von sexuellen Kontakten mit Minderjährigen über das Internet. Die Täter*innen geben sich als gleichaltrig aus, erschleichen sich das Vertrauen der Minderjährigen und verlangen später im Gegenzug aufreizende Fotos, mit denen sie später ggf. erpresst werden können oder wollen persönlichen Kontakt herstellen, um einen Übergriff zu vollziehen. Cybergrooming ist sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen.
Wo entsteht der Kontakt?
Überall dort, wo es Chatfunktionen gibt und bekannt ist, dass sich viele Minderjährige für die Plattform, App oder ein Spiel begeistern. Es werden oftmals professionell gestaltete Fake Profile erstellt. Mit Likes, Kommentaren oder vielleicht auch Ingame Geschenken, wird der erste Kontakt aufgenommen. Darüber hinaus werden private Chatanfragen gestellt und nach einer Kennenlernzeit um persönliche Daten, Fotos oder Videos gebeten.
Minderjährige werden zu Live Cam Situationen aufgefordert, bei dem die Kamera des Gegenübers ausbleibt oder ein KI generierter Avatar gezeigt wird, den Kinder und Jugendliche kaum unterscheiden können. Die Täter*innen versuchen die privaten Chats unter Geheimhaltung zu stellen und erpressen die Opfer möglicherweise mit einer öffentlichen Verbreitung der geteilten Inhalte.
Täter*innen schlagen persönliche Treffen vor, damit sie einen tatsächlichen Übergriff vollziehen können.
Wie kann ich mein Kind schützen?
- technische Einstellungen digitaler Endgeräte
- Offene Kommunikation
Sie können mit den Kindern im Gespräch über ihre Online-Aktivitäten bleiben und regelmäßig nachfragen, ob etwas unklar ist oder welche Plattformen und Netzwerke diese nutzen. Zeigen Sie das Sie jederzeit ansprechbar sind. - Risiken benennen und Regeln vereinbaren
- Zeigen Sie den Kindern die Warnzeichen auf. Machen Sie auf deren Bauchgefühl aufmerksam, auf ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden. Vereinbaren Sie mit ihnen, dass Sie den Kontakt sofort abbrechen sollen, wenn folgendes auftritt:
- Wenn das Gespräch auf Sexualität oder bisherige Erfahrungen damit gelenkt wird
- Wenn Geschenke, Geld verschenkt oder auch nur angeboten werden
- Wenn das Zuschicken von Bildern und Videos oder das Einschalten der Webcam gefordert wird
- Wenn das Gespräch auf einen anderen Kommunikationskanal gelenkt werden soll und der Austausch von persönlichen Daten wie z.B. Telefonnummer, E-Mail oder andere Messenger verlangt wird.
- Wenn ein Offlinetreffen vorgeschlagen wird - Über die Gefahren von anonymem Sexting aufklären
Grundsätzlich ist Sexting nicht negativ zu sehen. Dennoch sollte dies nicht mit Personen geschehen, die rein über das Internet bekannt sind und deren Identität nicht sicher ist. Aufnahmen, die während des Sextings gemacht werden, können weiterversendet oder aber zur Erpressung genutzt werden. Kinder und Jugendlichen muss klar sein, dass gerade deren Bilder und Videos sensibles Material ist, das einmal im Internet für immer im Internet bleibt. - Abwehrstrategien vermitteln
Kinder und Jugendliche sollten wissen, dass es Melde- und Blockierfunktionen gibt. Das sie NEIN sagen können und sollen sobald ihnen etwas merkwürdig erscheint. Das allein ist bereits ein Großer Schutz. - Auf Beratungsangebote hinweisen
Viele Kinder und Jugendliche fühlen sich mit den Inhalten unwohl und möchten aus Scham vielleicht nicht über alles mit den Eltern sprechen. Daher sollte ihnen aufgezeigt werden, dass es Beratungsstellen gibt, an die sie sich vertrauensvoll wenden können.Nummer gegen Kummer Kostenfreie Beratung für Eltern, Kinder und Jugendliche Hilfetelefon sexueller Missbrauch
Rolle von Eltern und Fachkräften
Eltern und pädagogische Fachkräfte haben eine wichtige Begleitfunktion in der sexuellen Bildung. Unsicherheit, Scham oder Angst, "etwas Falsches zu sagen", führen oft dazu, dass Kinder nicht oder zu spät aufgeklärt werden. Forschungen zeigen jedoch, dass aufgeklärte Kinder weniger von sexualisierter Gewalt betroffen sind und sich schneller an Bezugspersonen wenden (vgl. BZgA, 2018). Daher sind Fachkräfte im Kinder- und Jugendschutz gefordert, sichere Gesprächsräume zu schaffen.
Das Fachreferat Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz berät und unterstützt Sie gerne bei Fragen und Angeboten zur sexuellen Bildung und weiteren Handlungsfeldern. Nutzen Sie dazu gerne auch unsere Grundlagenschulung der Handlungsfelder des Erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes.
Quellen
BZgA (2018). Sexualaufklärung in Deutschland. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
EU Kids Online (2019). EU Kids Online 2019: Survey results from 19 countries. London: LSE.
Döring, N. (2014). Sexting: Motive, Risiken und pädagogische Herausforderungen. Zeitschrift für Sexualforschung, 27(1), 26–52.
Döring, N., Mikhailova, V., Biermann, M., Bresemann, Y., Daum, A., Kistinger, T., Wellner, M., & Zenge Wesendonk, T. (2025). Pornografie im Alltag und in der sexuellen Bildung von Jugendlichen: Befragungsergebnisse aus 8. und 9. Schulklassen in Nordrhein-Westfalen. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz. Advance online publication.
Dr. Valtl, Karlheinz (2006). Sexuelle Bildung als neues Paradigma einer lernzentrierten Sexualpädagogik für alle Lebensalter – Vortrag auf der Tagung -Sexuelle Bildung entsteht- in Zürich 03.11.2006.
Klicksafe (2023): Cybergrooming - Hilfe bei sexueller Belästigung von Kindern.
Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (o. J.): Sextortion - vom harmlosen Flirt zur organisierten Erpressung.
Schau hin! (o. J.): Cybergrooming.
Sutter, T., & Kühne, S. (2021). Sexualpädagogik und digitale Medien. In: Sexualpädagogik im Wandel. Beltz Juventa.
Tuider, E., & Helfferich, C. (2012). Handbuch Sexualpädagogik und sexuelle Bildung. Beltz Juventa.
Kontakt
Jugendamt Dortmund - Kinder- und Jugendförderung - Fachreferat Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz
Anschrift und Erreichbarkeit44141 Dortmund
Die Adresse Voßkuhle 37, 44141 Dortmund, ist gut erreichbar:
Mit ÖPNV: Die U-Bahn-Linie U47 hält an der nahegelegenen Haltestelle "Voßkuhle" (ca. 3 Gehminuten entfernt). Die Buslinien 455 und 456 halten ebenfalls an der Haltestelle "Voßkuhle".
Mit dem Auto: Die Adresse liegt nahe dem Westfalendamm (B1) und ist über das Straßennetz gut angebunden. Parkmöglichkeiten stehen Ihnen sowohl auf unseren Besucherparkplätzen als auch in der umliegenden Umgebung kostenfrei zur Verfügung.
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Aufklärung, Informationsvermittlung und Risikoaufklärung für einen gesunden Umgang mit Suchtmitteln
Unterstützung für Kinder, Jugendliche und ihre Familien beim kompetenten Umgang mit Medien
Kinder und Jugendliche bewegen sich heute zwischen analoger und digitaler Lebenswelt. Sie müssen lernen, mit digitalen Medien umzugehen, während das weltweite und anonyme Internet viele Chancen, aber auch Herausforderungen für ihre Kommunikation mit sich bringt.
Im digitalen Zeitalter ist der sichere Umgang mit dem Internet unerlässlich, da immer mehr Aspekte des Lebens online stattfinden. Die Risiken müssen bewusst gemacht und Maßnahmen ergreifen werden, um sich selbst und die persönlichen Daten zu schützen.
Medien und Veranstaltungsangebote für Kinder und Jugendliche
Das Schutzkonzept von Dortmund MUSIK zum Schutz von Kinder und Jugendlichen.
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Kontaktdaten und Impressionen des Trauzimmers in der Bezirksverwaltungsstelle Scharnhorst.
Kostenlose Psychologische Beratung in Lütgendortmund für Familien, Kinder, Jugendliche & junge Erwachsene. Hilfe bei persönlichen Problemen.
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Die Waschkaue der ehemaligen Zeche in Dorstfeld wurde von 2019 bis 2022 umgebaut. Inzwischen kann man sich in dem Bürgerhaus auch trauen lassen.
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